Direkt zum Inhalt Direkt zur Navigation
Sie sind hier: Startseite Berichte Wissenschaft Ein Gespenst am Südhimmel

Ein Gespenst am Südhimmel

Archivmeldung vom 23.10.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 23.10.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Aufnahme der FORS-Kamera vom Sternentstehungsgebiet NGC 2467.
Quelle: Bild: ESO (idw)
Aufnahme der FORS-Kamera vom Sternentstehungsgebiet NGC 2467. Quelle: Bild: ESO (idw)

FORS2, eine Kamera, die am Very Large Telescope der ESO montiert ist, hat die aktive sternbildende Region NGC 2467 beobachtet. Das Bild wurde im Rahmen des ESO-Programms „Cosmic Gems (Kosmische Juwelen)“ aufgenommen, das die seltenen Gelegenheiten nutzt, bei denen die Beobachtungsbedingungen nicht geeignet sind, wissenschaftliche Daten zu sammeln. Anstatt nichts zu tun, ermöglicht das „Cosmic Gems“-Programm der ESO, die Teleskope der ESO dazu zu verwenden, um optisch beeindruckende Fotos vom südlichen Himmel zu schießen.

Dieses plastische Porträt einer aktiven sternbildenden Region – NGC 2467, manchmal auch als Totenkopfnebel bezeichnet (nicht zu verwechseln mit NGC 246, der ebenso genannt wird) – ist ebenso gespenstisch wie schön. Dieses Bild aus Staub, Gas und hellen jungen Sternen, die durch die Schwerkraft scheinbar einen grinsenden Schädel formen, wurde mit dem FORS-Instrument am Very Large Telescope (VLT) der ESO aufgenommen. Während die Teleskope der ESO in der Regel für die Erhebung von wissenschaftlichen Daten verwendet werden, können sie auch solche Bilder aufnehmen, die einfach nur schön sind.

Es ist leicht zu erkennen, woher der Vergleich mit einem Gespenst kommt. Diese junge, leuchtende Formation ähnelt deutlich einem beunruhigenden hohlen Gesicht, von dem hier nur der klaffende Mund sichtbar ist. NGC 2467 schlummert im Sternbild Puppis (Achterdeck des Schiffs), das zudem eher unromantisch mit Poopdeck übersetzt werden kann.

Diese nebulöse Ansammlung von Sternhaufen ist die Geburtsstätte vieler Sterne, wo ein Überschuss von Wasserstoffgas den Rohstoff für die Sternentstehung lieferte. Es handelt sich in der Tat nicht um einen einzigen Nebel. Seine verschiedenen Sternhaufen bewegen sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Es handelt sich nur um eine zufällige Kombination entlang der Sichtlinie mit der Erde, die die Sterne und das Gas zu einem humanoiden Gesicht formen. Dieses strahlende Bild mag den Astronomen nichts Neues verraten, aber es gewährt uns allen einen Blick in den schillernden Südhimmel, voll mit leuchtenden Wundern, die für das menschliche Auge unsichtbar sind. NGC 2467 wurde bereits am 9. Dezember 1784 vom hannoveranisch-englischen Astronomen Wilhelm Herschel entdeckt.

Puppis ist eines von drei nautisch benannten Sternbildern, die den südlichen Himmel befahren. Aus ihnen setzt sich das einzelne, riesige Sternbild Argo Navis (Schiff Argo) zusammen, das nach dem Schiff des mythischen Jason und den Argonauten benannt ist. Argo Navis wurde seitdem in drei Gruppen eingeteilt: Carina (Kiel des Schiffs), Vela (Segel des Schiffs) und Puppis, wo dieser Nebel beheimatet ist. Jason ist zwar eine mythische Heldenfigur, ist aber am bekanntesten für seinen Diebstahl des goldenen Vlieses.

Dieses Bild wurde im Rahmen des „Cosmic Gems“-Programms der ESO aufgenommen, einer Initiative zum Zwecke der Bildung und der Öffentlichkeitsarbeit, die Bilder von interessanten, faszinierenden oder optisch attraktiven Objekten verbreitet, die mit ESO-Teleskopen aufgenommen wurden. Das Programm nutzt die Teleskopzeit, die nicht für wissenschaftliche Beobachtungen genutzt werden kann. Sofern die gesammelten Daten für zukünftige wissenschaftliche Zwecke nützlich sein könnten, werden diese Beobachtungen gespeichert und den Astronomen über das wissenschaftliche Archiv der ESO zur Verfügung gestellt.

Weitere Informationen

Die Europäische Südsternwarte (engl. European Southern Observatory, kurz ESO) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Die Organisation hat 16 Mitgliedsländer: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, die Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Tschechische Republik. Hinzu kommen das Gastland Chile und Australien als strategischer Partner. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO verfügt über drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Chile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist außerdem einer der Hauptpartner bei zwei Projekten auf Chajnantor, APEX und ALMA, dem größten astronomischen Projekt überhaupt. Auf dem Cerro Armazones unweit des Paranal errichtet die ESO zur Zeit das Extremely Large Telescope (ELT) mit 39 Metern Durchmesser, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsländern (und einigen weiteren Staaten) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Quelle: Max-Planck-Institut für Astronomie (idw)

Anzeige:
Videos
Masern-Ausschlag bei einem nigerianischen Mädchen.
Welches Masernvirus?
Symbolbild
Die 5G Technologie aus einer ungewöhnlichen Sicht betrachtet
Termine
Gesprächskreis "impffrei gesund"
36399 Freiensteinau - OT Ober-Moos
23.05.2019
Newsletter
Wollen Sie unsere Nachrichten täglich kompakt und kostenlos per Mail? Dann tragen Sie sich hier ein:

Anzeige