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Der älteste Metallfund aus Niedersachsens Steinzeit und ein legendäres Schwert aus dem frühen Mittelalter

Archivmeldung vom 29.07.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 29.07.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Sitz des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege in Hannover
Sitz des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege in Hannover

Lizenz: Public domain
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Die Geheimnisse zweier archäologischer Neufunde haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege (NLD) und der Leibniz Universität Hannover enträtselt. Es handelt sich zum einen um den ältesten Metallfund Niedersachsens, ein jungsteinzeitliches Kupferbeil aus dem 4. Jahrtausend vor Christus, zum anderen um ein hervorragend erhaltenes Schwert aus dem frühen Mittelalter mit der Inschrift „Ulfberht“.

Beide niedersächsischen Funde werfen ein neues Licht auf die Ur- und Frühgeschichte Europas. Die spektakulären Neufunde und die Ergebnisse ihrer interdisziplinären Untersuchungen wurden am 29. Juli 2014 gemeinsam durch Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Leibniz Universität Hannover und des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege im historischen Kali-Hörsaal des Instituts für Anorganische Chemie präsentiert.

„Archäologische Funde hauchen der Menschheitsgeschichte Leben ein. Das jüngst entdeckte jungsteinzeitliche Kupferbeil und das hervorragend erhaltene Ulfberht-Schwert aus dem frühen Mittelalter werfen ein völlig neues Licht auf unsere Landesgeschichte“, sagte die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajić, die die Neufunde am Dienstag an der Leibniz Universität Hannover der Öffentlichkeit präsentierte. „Die Funde belegen, dass schon sehr frühe Kulturen ausgeprägte technologische und künstlerische Fertigkeiten besaßen, komplexe Handelsbeziehungen aufbauten und außerordentlich mobil waren.“

Zu verdanken sind die neuen Erkenntnisse der guten Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Anorganische Chemie der Leibniz Universität Hannover und den Denkmalpflegern des Landes. Diese hat schon einige bedeutende Forschungsergebnisse geliefert, so z.B. zum frühen Bergbau im Harz oder zum bronzezeitlichen Goldhort von Gessel.

„Wie man am Beispiel der Archäologie sehen kann, ist es ein Gewinn, wenn Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen eng zusammenarbeiten. Viele Erkenntnisse kann die Archäologie selbst erschließen, aber ihr sind methodische Grenzen gesetzt. Diese können überwunden werden, wenn Archäologen gemeinschaftlich mit Wissenschaftlern aus Nachbardisziplinen ans Werk gehen“, betonte Heinen-Kljajić.

„Ich freue mich sehr, dass wir mit verschiedenen Instituten der Leibniz Universität an der Analyse und Datierung der aktuellen Funde beteiligt sind“, so der Präsident der Leibniz Universität, Prof. Dr.-Ing. Erich Barke. „In Zusammenarbeit mit dem kooperativen, hoch spezialisierten Netzwerk von außeruniversitären Expertinnen und Experten am Standort Hannover, wie zum Beispiel aus dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und dem Niedersächsischen Landesmuseum, können wir gemeinsam auf diesem Gebiet innovativ und zukunftsweisend arbeiten.“

Ein steinzeitliches Kupferbeil – der älteste Metallfund Niedersachsens

Das Kupferbeil ist der älteste je in Niedersachsen gefundene Metallfund und gehört zu den ersten Metallartefakten in Europa. Das Beil wurde in Steinbergen bei Rinteln von einem Detektorgänger auf einem steilen Geländesporn an einem uralten Pass durch das Weserbergland gefunden. Diese Kupferbeile aus der Jungsteinzeit finden sich vor allem im südöstlichen Mitteleuropa und bemerkenswerterweise im südlichen Skandinavien. Anhand des Beils aus dem 4. Jahrtausend zeigt sich die in vielen Epochen auszumachende Mittlerrolle Niedersachsens auf der Landkarte der Kulturentwicklung. Niedersachsen ist in diesem Zeitraum besonders interessant, weil sich hier zur gleichen Zeit zwei unterschiedliche Kulturen parallel abbilden. Während sich die Neolithisierung, die Sesshaftwerdung, im südlichen Niedersachsen wie in Mittel- und Süddeutschland bereits im 6. vorchristlichen Jahrtausend vollzog, findet dieser Prozess im Norden etwa 1000 Jahre später statt. Hier zeigen sich enge Kontakte zwischen den frühen Bauernkulturen des Nordens, die als Zeichen einer neuen Ära die Megalithgräber errichteten mit den viel weiter entwickelten Kulturen Zentraleuropas. Man geht davon aus, dass in dem Umwälzungsprozess zur Sesshaftigkeit neolithische Eliten des Nordens sich Kupfer aus dem Ostalpenraum beschafft und dann im Norden als Prestigeobjekte verehrt haben. Die Chemiker bestätigen die weiträumigen Fernkontakte: Das fast reine Kupfer lässt sich aufgrund seines Spurenelementefingerabdrucks dem Ostalpenraum zuordnen.

Ein Ulfberht-Schwert aus dem 10. Jahrhundert

Ebenso spektakulär ist ein sehr gut erhaltenes Schwert aus dem frühen Mittelalter, das bei Baggerarbeiten in der Weser bei Großenwieden (Hessisch Oldendorf, Kreis Hameln-Pyrmont) entdeckt wurde. Die Inschrift weist die Waffe den legendären Ulfberht-Schwertern zu. Dies ist der erste Fund in Niedersachsen und einer der wenigen Belege in Mitteleuropa. Die Computertomographie zeigt die Details der Schwertkonstruktion und Analysen verraten das metallurgische Geheminis dieser legendären „Hightech“-Waffen, die im fränkischen Reich gefertigt wurden und trotz eines Ausfuhrverbotes in großen Zahlen in die Hände der feindlichen Wikinger und Slawen gerieten. Dort finden sich die meisten Schwerter, zumeist als Beigaben in heidnischen Gräbern. Im fränkischen Kerngebiet sind sie sehr selten – zumeist als Flussfunde – da man den christlichen Toten keine Beigaben mitgegeben hat.

Es wurde aufgrund der Namenssignatur vermutet, dass diese Ulfberhtschwerter im Rheinland hergestellt wurden. In jüngerer Zeit wird gemutmaßt, dass die Produktion diese Schwerter wie auch anderer Waffen an Bischofssitzen oder in Klöstern im fränkischen Kerngebiet erfolgte.

Aufgrund der Isotopenanalyse der Bleianteile der Griffverzierung kann eine hessische Lagerstätte im Rheinischen Schiefergebirge, genauer im Hintertaunus zwischen Rhein, Lahn und Wetterau als Materialquelle identifiziert werden. Wenn man von der gut untermauerten Vermutung ausgeht, dass diese Schwerter in Klöstern hergestellt wurden, kommen am ehesten Lorsch oder Fulda in Betracht. Für beide Klöster ist eine Waffenproduktion historisch belegt.

Quelle: Leibniz Universität Hannover (idw)

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