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Mit Atomkraft aus Russland sauberer Wasserstoff für Deutschland ?

Archivmeldung vom 25.01.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 25.01.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Anja Schmitt
Wasserstoffzentrum
Wasserstoffzentrum

Foto: Urheber
Lizenz: GFDL
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Deutschland will Vorreiter in Sachen Wasserstoff werden, ist aber auf Importe des Gases angewiesen. Ein Teil davon könnte aus Russland kommen und unter Einsatz von Kernenergie entstehen. SNA-News hat sich bei Rosatom informiert: über die Verfahren, die Kapazitäten Russlands und darüber, ob das mit einem Atom-Ausstieg vereinbar ist.

Weiter ist auf deren deutschen Webseite dazu folgendes zu lesen: "Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, lässt Deutschland Kohle hinter sich und investiert viel in den Aufbau erneuerbarer Energien. In dem Zug gewinnt auch Wasserstoff als chemischer Speicher, aber auch als Treibstoff immer mehr an Bedeutung. Allerdings wird Deutschland seinen eigenen Bedarf nur durch internationale Kooperationen und massive Importe des Gases ermöglichen können. Dazu gehört der geplante Import von grünem Wasserstoff etwa aus Marokko oder Saudi-Arabien.

Ebenso hat sich in diesem Rahmen im Sommer 2020 eine Wasserstoffpartnerschaft mit Russland ergeben. Dort soll Wasserstoff aus Erdgas oder unter Kernenergie hergestellt werden. Vor allem letzteres ist mit Blick auf Treibhausgase attraktiv – wenn da nicht der deutsche Ausstieg aus der Atomkraft wäre. SNA-News hat bei der staatlichen Atomenergie-Agentur Rosatom nachgefragt und Antworten von Anton Moskwin, dem Vorstandsvorsitzenden der Rusatom Overseas AG, erhalten.

- Herr Moskwin, Deutschland steigt aus der Atomkraft aus, aber im Rahmen der Wasserstoffpartnerschaft könnte die Bundesrepublik das Gas auf Atomkraftbasis aus Russland erhalten. Wie würden Sie das deutsche Interesse in diesem Fall beschreiben?

Eine der Hauptprioritäten der Entwicklung in Deutschland ist, die industrielle Entwicklung des Landes mit den Klimazielen in Einklang zu bringen, und zwar bis 2050. Dazu gehört, die Treibhausgasemissionen so zu reduzieren, wie es Deutschland und die EU im Rahmen des Pariser Klimaabkommens beschlossen haben. Gleichzeitig sieht Deutschland Wasserstoff als eines der wichtigsten Mittel für eine erfolgreiche Dekarbonisierung.

Wir kennen die Diskussionen und unterschiedlichen Standpunkten in Deutschland, was Kernkraftwerke (KKW) betrifft, auch wenn es um Wasserstoff geht. Wir halten das Verfahren für eines der aussichtsreichsten, da die Energie, die man so erhält, eine sehr kohlenstoffarme ist. Im Herbst 2020 hat die Europäische Kommission bekannt gegeben, dass Wasserstoff, der unter Energie aus Kernkraftwerken erzeugt wird, als kohlenstoffarm anerkannt werden sollte. Wir teilen diese Ansicht völlig. Das Hauptziel ist in diesem Fall, CO2-Emissionen bei seiner Erzeugung so stark wie möglich zu senken. Wichtig ist hier nicht nur die „Farbe“ des Elements, sondern sein CO2-Fußabdruck oder besser: dessen Abwesenheit.

- Mit welchem Ansatz erzeugt Rosatom Wasserstoff unter Kernkraft aus Wasser?

Eine Reihe von KKW auf dem Territorium der Russischen Föderation verfügt über nicht ausgeschöpfte Kapazitäten, die für die Herstellung von Wasserstoff eingesetzt werden können. Der Einsatz von KKW bietet mehrere Vorteile zur Produktion von Wasserstoff im großen Maßstab. Sie arbeiten im Grundbetrieb, mit einem Überangebot fallen auch die Stromkosten und vor allem: KKW erzeugen während der Energiegewinnung kein CO2. Wir wollen Anlagen zur Wasserstoff-Produktion in unmittelbarer Nähe zu den KKW aufstellen. Zudem sind etliche KKW sehr gut gelegen, was einen effizienten Transport des Wasserstoffs in die Länder Europas ermöglicht.

Rosatom entwickelt auch einen neuen KKW-Typ mit einem gasgekühlten Hochtemperatur-Reaktor. Ein solches KKW würde eine sehr effiziente Wasserstoff-Produktion ermöglichen. Er würde bei hohen Temperaturen aus Methan erzeugt werden und das anfallende CO2 abgefangen und eingelagert werden.

Beide Methoden, Elektrolyse wie Methanreformierung, können die Produktion von kohlenstoffneutralem Wasserstoff für russische und ausländische Verbraucher aus den unterschiedlichsten Sektoren der Wirtschaft garantieren – dem Transportsektor, dem Energiesektor und der Industrie.

- Über wie viel Erfahrung verfügt Rosatom auf diesem Gebiet? In welchem Zusammenhang haben Sie bereits Wasserstoff produziert?

Die Unternehmen von Rosatom verfügen über viel praktische Erfahrung, zum Beispiel als Energieträger für die Kühlung von Turbinen. Hier kommt Wasserstoff zum Einsatz, der durch Elektrolyse unter Kernenergie erzeugt wird. Das Gas kommt aber auch in verschiedenen chemischen und technologischen Prozessen zum Einsatz.

- Wie viel Energie geht auf dem Weg vom Strom zum Wasserstoff verloren? Und wie wird sich das auf den Preis des Wasserstoffs niederschlagen? Wie viel könnte etwa eine Kilowattstunde aus solchem Wasserstoff kosten?

In wissenschaftlichen und industriellen Projekten arbeitet Rosatom an einer Reihe modularer Elektrolyseure. Die Entwickler haben es sich zum Ziel gesetzt, den Wirkungsgrad auf über 80 Prozent und fünf Kilowattstunden pro Normkubikmeter Energiegehalt zu heben. Aber der Preis hängt zum entscheidenden Teil von der verwendeten Energie und von den Transportkosten des Gases ab. Wir arbeiten daran, dass wir sowohl bei Projekten für die Russische Föderation als auch bei Projekten für Import konkurrenzfähige Wasserstoffpreise gewährleisten können; und unsere Prognosen zeigen, dass das möglich ist.

- Welche Mengen solchen Wasserstoffs könnte Rosatom Deutschland zur Verfügung stellen?

Jedes Export-Projekt wird schrittweise verwirklicht. Wichtig ist, gleich zu Beginn effektive Lieferketten zu demonstrieren. Das kann in einem Pilotprojekt geschehen, bei dem kleine Mengen probeweise zugestellt werden. Der Erfolg wird die aufgebauten Kooperationen unter Beweis stellen und ermöglicht es, den Export von Wasserstoff aus Russland dann hochzuskalieren. Wir verstehen, dass die Wirtschaftlichkeit von Exportprojekten zum Großteil vom Maßstab abhängen wird und rechnen deswegen, dass das Projekt am Ende Transporte von 10.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr umfassen wird. Dabei wird eine Hauptvoraussetzung für solche Lieferungen die bestehende Nachfrage sein, die weitere Investitionen in diesen Bereich nach sich ziehen wird.

- Wollen Sie neben Deutschland auch andere Länder mit Wasserstoff beliefern?

Ich möchte anmerken, dass die Hauptrichtung der Wasserstoffwirtschaft, wie sie im Einklang mit der Energiestrategie der Russischen Föderation bis 2035 entstehen soll, gerade die Entwicklung einer exportorientierten Industrie ist. Durch diese Industrie soll Russland einer der weltweit führenden Wasserstoffproduzenten und -exporteure werden.

Wir bei Rosatom unterstützen die Entwicklung einer globalen Wasserstoffwirtschaft als Triebfeder internationaler Kooperationen. Wir arbeiten bereits an der Umsetzung erster internationaler Pilotprojekte mit Ländern aus der Region Asien-Pazifik und Europa und sind überzeugt, dass diese in der Zukunft effektiv hochskaliert werden können, um die ambitionierten nationalen Ziele zu erreichen. "

Quelle: SNA News (Deutschland)

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