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Wie zwei Erfinder aus Bayern den Flammen den Kampf ansagen

Archivmeldung vom 21.04.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 21.04.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Die Gründer Jack Bolz-Mendel und Stanislav Malorodov Bild: Guardian Technologies GmbH Fotograf: Guardian Technologies GmbH
Die Gründer Jack Bolz-Mendel und Stanislav Malorodov Bild: Guardian Technologies GmbH Fotograf: Guardian Technologies GmbH

Über 300 Tote, 6.000 Verletzte und 1,2 Milliarden Euro Sachschaden - das ist die Bilanz aller Brände in Deutschland. Tendenz: Steigend. Zwei Erfinder aus dem Allgäu haben einen KI-Löschroboter entwickelt, der diese Zahlen deutlich reduzieren soll. Das neue System soll im kommenden Jahr auf den Markt kommen.

Jack Bolz-Mendel und Stanislav Malorodov haben in unmittelbarer Nachbarschaft erlebt, was ein Feuer in einem Wohnhaus anrichten kann. Für die Erfinder stellte sich die Frage: Wie kann es sein, dass 2021 noch kleine Unaufmerksamkeiten reichen, um ganze Häuser zu zerstören oder Leben zu gefährden? Denn obwohl immer weitere Richtlinien und Vorschriftendie Kosten für den Wohnbau in die Höhe treiben, ist die Zahl der Getöteten und Verletzten seit zehn Jahren fast konstant, die Höhe der Sachschäden steigt jährlich an.

Die Vision war also klar: "Kein Mensch sollte durch Feuer sterben, die Schäden sollen deutlich reduziert werden." Um dieses Ziel zu erreichen, entwickelten die beiden Erfinder ein Löschsystem, das Feuer sofort erkennt und selbstständig löscht. Es kann in jedem Haus an oder in der Decke installiert werden und erkennt Feuer wesentlich besser als ein Mensch: Dank Intelligenz und Lernfähigkeit weiß der Computer, wie Feuer aussieht und löscht es sofort. Eine Demonstration davon können Sie in diesem Video sehen (Prototyp). Wie genau dieses KI-System funktioniert, wo überhaupt die Vorteile liegen und ob eine KI auch Schwächen hat, darüber haben wir mit den Gründern im Interview gesprochen.

Wie kann künstliche Intelligenz den Brandschutz verbessern? Wo genau ist sie den aktuellen Systemen überlegen?

Klassische und bestehende Brandschutzlösungen sind sehr teuer: Brandmelder und Sprinkleranlagen müssen bei jedem Objekt individuell verbaut und geplant werden. Das ist für Bauherren eine große Herausforderung. Das System ist wesentlich kleiner, smarter und kann auch nachträglich verbaut werden.

Es gibt in der Praxis außerdem das Problem mit den Täuschungsalarmen nennt. Bei einem Täuschungsalarm handelt es sich um einen detektierten Brandfall, der aber gar keiner ist. Das produziert Ärger - und natürlich müssen auch die Kosten der gerufenen Feuerwehr und weitere Aufwände bezahlt werden. Das lässt sich nahezu komplett vermeiden.

Der letzte Punkt: Künstliche Intelligenz ist wesentlich schneller. Bei einem Rauchmelder muss erst Rauch an der Decke angekommen sein - KI kann dagegen die kleinste Flamme erkennen. Und die KI weiß, wo es genau brennt, kann klassifizieren, ob ein erkannter Brand gewollt oder ungewollt ist; ein Feuermelder weiß eigentlich nur, dass es brennt. Ist hier tatsächlich ein Brand ausgebrochen, ist es aber oft zu spät, sofern er nicht direkt von Hand gelöscht wird. In der Regel wird er erst mit Eintreffen der Rettungskräfte gelöscht, was wiederum zu verheerenden Begleitschäden führt.

Welche Techniken werden heute schon eingesetzt?

Schon heute gibt es Systeme die Flammen erkennen können, das sind aber häufig sehr schlecht aufgelöste Kameras, was dazu führt, dass Feuer nicht wirklich gut erkannt wird. Außerdem gibt es natürlich Wärmebildkameras, die sind aber unfassbar teuer. Es gibt natürlich auch vernetzte Brand- und Rauchmelder, aber auch das hat nichts mit KI zu tun. Heutiger Stand der Technik seitens der automatischen Löschtechnik durch Sprinkleranlagen hat sich seit etwa mehreren Jahrzehnten nicht mehr weiterentwickelt. Die Devise lautet hier "Variation" anstatt "Innovation". Innerhalb der Brandmeldetechnik gab es deutlich größere Fortschritte, das hat in der Praxis aber nichts geändert, besonders nicht für den Endkunden. Digitalisierung kommt allmählich im Brandschutz an, künstliche Intelligenz hingegen ist der konservativ eingestellten brande jedoch gänzlich fremd.

Wie kann ein Computer Feuer erkennen?

Wir verwenden dafür einen von uns entwickelten, äußerst sensitiven und hochauflösenden Sensor. Im Kern funktioniert die Erkennung über Muster und sogenannte Signaturen. Für diese Muster brauchst du einen enorm großen Datensatz an Bildern und Videos von Feuer, damit der Computer lernen kann, die Flammen-Charakteristik zu erkennen. Um Feuer jedoch zuverlässig sensitiv zu erkennen sind noch dutzende weitere Parameter zu berücksichtigen. Sonst kann man auch klassisch über Sensoren Gas oder Rauchpartikel erkennen und das an den Computer weitergeben

Welche Schwächen gibt es bei der KI noch, die der Mensch ausgleichen muss?

Die Schwächen liegen eigentlich vor allem beim Menschen, der mit der KI oft nicht warm werden oder an einem vermeintlich bewährten System festhalten will. Dafür müssen wir viel Aufklärungsarbeit leisten und zeigen, wie zuverlässig eine künstliche Intelligenz arbeiten kann.

Was erwartet ihr in der Zukunft? Feuerwehr-Roboter?

Das Thema Brandschutz ist noch lange nicht gelöst, jedes Jahr sterben über 300 Menschen durch Feuer, weit über 5.000 werden schwer verletzt und es entstehen horrende Sachschäden. Wenn künstliche Intelligenz erstmal Einzug gehalten hat, eröffnen sich noch etliche Möglichkeiten für Brandbekämpfung. Das war bei jeder bahnbrechenden Erfindung so und das wird auch beim Brandschutz so sein. Aktuell werden schon manchmal Drohnen eingesetzt und Feuerwehr-Roboter werden bestimmt auch eine Möglichkeit sein, da gibt es auch schon erste Roboter zum Beispiel von Boston Dynamics. Aktuell retten Menschen unter Einsatz ihres Lebens andere Menschen vor dem Feuer - das wird bald der Vergangenheit angehören.

Quelle: Guardian Technologies GmbH (ots)

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