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Das Schwarze Loch von Genf – Hirngespinst oder Russisches Roulette?

Archivmeldung vom 18.07.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 18.07.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

„In 80 Tagen um die Welt“ lautet der Titel eines Romans von Jules Verne. In ebenfalls 80 Tagen soll es auch am CERN in Genf wieder rund gehen. So ist der Countdown für die Inbetriebnahme des gigantischen Teilchenbeschleunigers gerade angelaufen.

Im Oktober soll der auch als „Urknallmaschine“ bezeichnete „Large Hadron Collider“ (LHC) erneut hochgefahren werden.

Parallel zu diesem Ereignis wird es erneut zu lebhaften Diskussionen um mögliche Risiken des Experiments kommen. Erschwerend für die Betreiber kommt hinzu, dass es zwischenzeitlich neue Hypothesen über die Stabilität so genannter Schwarzer Mikrolöcher gibt, die die Risiko-Nutzen-Analyse möglicherweise in ein völlig neues Licht rücken könnte.

Die Forscher am CERN schließen die Entstehung eines Schwarzen Mikrolochs selber nicht aus. Der Chaosforscher Professor Dr. Otto E. Rössler von der Universität Tübingen errechnete die Wahrscheinlichkeit für ein derartiges Ereignis mit etwa 15 Prozent, was einem „Russischen Roulette“ gleichkomme.

Zur Beschwichtigung verweisen die Befürworter des Experiments gerne auf  Stephen Hawking. Der legendäre Physiker hat einmal postuliert, dass Schwarze Löcher Strahlung abgeben, die umso stärker sein soll, je kleiner die Masse des Schwarzen Loches ist. Daraus würde sich der Theorie zufolge bei Schwarzen Mikrolöchern eine nicht beobachtbar kurze Lebenszeit ergeben.

Dass dieser „Hawking-Effekt“ einen entscheidenden Schönheitsfehler besitzt, darauf wies jetzt unter anderem der amerikanische Kernphysiker Dr. Walter Wagner hin. Der Wissenschaftler promovierte an der University of California in Berkeley in den Fächer Physik und Biologie und hat sich in der Vergangenheit unter anderem mit der viel beachteten Entdeckung so genannter magnetischer Monopole in der Kosmischen Strahlung einen Namen gemacht.

Der Kritikpunkt Wagners und anderer Forscher zielt auf einen Interpretationsfehler des Hawkingschen Postulats. So setzt die Berechnung der Strahlung eines Schwarzen Lochs voraus, dass die Krümmung des so genannten Ereignishorizonts vernachlässigbar ist, was wiederum eine ausreichend große Masse voraussetzt. Im Klartext: Für Schwarze Minilöcher ist Hawkings Ansatz buchstäblich mangels Masse unbrauchbar, was den Schwerkraftmonstern eine unerwartet hohe Stabilität verleihen könnte.

Physiker des CERN halten dagegen, dass selbst ein stabiles Schwarzes Mikroloch rund 5 Milliarden Jahre benötigen würde, bis es sich eine bedrohliche Masse einverleibt habe. Prof. Rössler, der 1996 als Kandidat für den Physik-Nobelpreis gehandelt wurde, hat hierzu eigene Berechnungen angestellt. Das Ergebnis ist alles andere als beruhigend. In einem sich selbst verstärkenden exponentiellen Wachstumsprozess hätte das Schwarze Miniloch Rössler zufolge bereits innerhalb von zwei Jahren eine die Existenz der Erde bedrohende Masse erreicht.

Weitere Informationen zum CERN und zum LHC befinden sich in einem jetzt erschienenen Buch. Hierbei handelt es sich um einen Tatsachenroman mit aktuellem wissenschaftlichen Hintergrund. Dies betrifft insbesondere Thesen neueren Datums über die Stabilität und die Gefahr mikroskopisch kleiner Schwarzer Löcher. Das von ExtremNews mit dem Autor des Buches "Sekunde Null. Das Urknall-Experiment"  Rolf Froböse geführte Interview lesen sie hier.

Quelle: Rolf Froböse

 

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