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Online-Proteste lösen Straßendemos nicht ab

Archivmeldung vom 26.10.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 26.10.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Occupy-Protest: in "realer" Welt erfolgreicher. Bild: pixelio.de, J. Kemle
Occupy-Protest: in "realer" Welt erfolgreicher. Bild: pixelio.de, J. Kemle

Menschen, die sich online politisch empören, gehen nicht unbedingt auch auf der Straße demonstrieren. Junge Erwachsene, die mit einem Klick für ihre Sympathie für politische Bewegungen oder Proteste bezeugen, nehmen nicht automatisch an den realen Aktionen teil. Das hat das Team um Timothy McAfee von der University of Wisconsin-Madison ermittelt.

Die Menschen nutzen das Internet aber sehr wohl, um sich zu informieren. "Das Internet ist sehr praktisch für die Mobilisierung. Wenn eine Bereitschaft, aktiv zu werden besteht, kann man sehr schnell viele Menschen versammeln. Es ist ideal für Flashmobs, also Sekundenproteste", sagt Carola Lipp, Kulturanthropologin und Protestforscherin an der Universität Göttingen, gegenüber pressetext.

Der Expertin nach ist jedoch eine Online-Mobilisierung weniger nachhaltig, wenn es ihr nicht gelingt, sich im Alltag der Menschen und letztlich organisatorisch zu verfestigen. "Das Netz selbst ersetzt - entgegen vieler Annahmen - kein Beziehungsnetz und keine nachhaltige Organisation", sagt Lipp. Daraus entstehe keine Bewegung, sondern höchstens Bewegungspotenziale.

Straße bleibt sichtbarer

Ernstzunehmende Internetproteste oder Petitionen verlangen hingegen das Angeben des Namens. Als ein erfolgreiches Beispiel benennt die Protestforscherin die Aktion deutscher Wissenschaftler gegen Karl-Theodor zu Guttenberg und damit gegen die öffentliche Geringschätzung korrekten wissenschaflichen Arbeitens. "Die Protestierenden machen sich bei solchen Aktionen sichtbarer als bei einer Straßendemonstration - es sei denn die Polizei setzt Kameras und Gesichtserkennungssoftware ein", meint Lipp.

Ein anonymes Betätigen eines "Gefällt mir"-Buttons könne nicht als Protestaktion gewertet werden, hierzu sei die Schwelle zu niedrig und die Partizipation zu beliebig. Deshalb glaubt Lipp auch nicht daran, dass Online-Proteste die Demostration auf der Straße ablösen könnten. "Die Straße hat eine größere Sichtbarkeit, man erfährt sinnlich, man kann sich anschließen, Zahlen werden physisch erfahrbar, das symbolische Repertoire von Straßendemos ist größer und kreativer", unterstreicht Lipp.

Der Expertin nach lassen sich Menschen erreichen, die sich vorher für das Thema nicht interessiert haben. Auch Konflikte mit der Polizei erregten wiederum öffentliche Aufmerksamkeit, wie etwa bei den Protesten in Stuttgart gegen den neuen Bahnhof. Proteste im Internet gewinnen zudem nur dann Aufmerksamkeit, wenn die klassische Presse darüber berichtet, verdeutlicht Lipp abschließend.

Quelle: www.pressetext.com/Oranus Mahmoodi

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