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Nach unten treten: Studie zeigt, wie Mitarbeiter zukünftige Rivalen kleinhalten

Freigeschaltet am 04.07.2018 um 12:25 durch Manuel Schmidt
Nach unten treten: Wie Mitarbeiter zukünftige Rivalen kleinhalten
Quelle: Foto: Pixabay, rawpixel (idw)
Nach unten treten: Wie Mitarbeiter zukünftige Rivalen kleinhalten Quelle: Foto: Pixabay, rawpixel (idw)

Wettbewerb unter Kollegen führt nicht immer zu den besten Ergebnissen. Ist das Arbeitsklima zu kompetitiv, beginnt der Konkurrenzkampf unter den Mitarbeitern. Dabei sabotieren sie nicht nur Chefs und Mitarbeiter mit höherem Ansehen und Status, sondern verhindern auch den beruflichen Aufstieg von Kollegen, die sie in Zukunft überflügeln könnten. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Kühne Logistics University (KLU) in einer aktuellen Studie.

Es beginnt mit flapsigen Sprüchen, damit, dass man „vergisst“, wichtige Informationen weiter zu geben, und reicht bis zur Sabotage einer Karriere: Social Undermining lautet der Fachbegriff, der ein subtiles negatives Verhalten gegenüber Kollegen beschreibt. In vielen Unternehmen ist dieses Verhalten an der Tagesordnung und schadet auf lange Sicht dem beruflichen Erfolg der Opfer. Bisher ging man davon aus, dass der Konkurrenzkampf vor allem zwischen Kollegen auf der gleichen Hierarchieebene tobt oder sich gegen Mitarbeiter mit höherem Status richtet. Zu Unrecht, wie eine aktuelle Studie zeigt. „Neid und daraus folgendes negatives Verhalten können sich auch auf Personen beziehen, die eigentlich auf einer niedrigeren beruflichen Ebene stehen“, erklären Susan Reh, Christian Tröster und Niels Van Quaquebeke von der KLU. Die Doktorandin hat zusammen mit den beiden Professoren für Leadership and Organizational Behavior Vergleichsprozesse in Unternehmen und daraus resultierendes Verhalten untersucht. Für ihre Studie haben sie verschiedene Experimente durchgeführt.

„Wenn ich sehe, dass ein Kollege sich in der Vergangenheit besonders schnell beruflich entwickelt hat, nehme ich an, dass er das auch in Zukunft tun wird und mir damit meine Position streitig machen könnte.“ Grund genug für manche Mitarbeiter, den aufstrebenden Kollegen auf subtile Art zu sabotieren. „Aus Angst um meine eigene Position versuche ich, die Weiterentwicklung des anderen zu behindern“, fasst Tröster das Phänomen zusammen.

Dieses Verhalten lässt sich nicht nur in bestehenden Teams beobachten. Es kann sogar Auswirkungen auf die Auswahl neuer Mitarbeiter haben. „Ein Vorgesetzter, der auf seinem Gebiet sehr gut ist, erwartet auch viel von seinen Mitarbeitern und wird nur Top-Leute in sein Team holen“, erklärt Van Quaquebeke. „Ein Chef mit geringerem Potential wird dagegen eher Mitarbeiter einstellen, deren Fähigkeiten noch unter seinen eigenen liegen. Aus Angst, von kompetenteren Mitarbeitern überflügelt zu werden, arbeitet er lieber mit einem mittelmäßigen Team.“

Besonders häufig kommen die Sabotageversuche laut den Wissenschaftlern in Unternehmen mit einem ausgeprägten Wettbewerb unter den Mitarbeitern vor. Der kann zum Beispiel durch leistungsbasierte Bonussysteme angefacht werden. „Wenn alle nur nach dem Bonus schielen, führt das zu Vergleichen, Konkurrenz und Missgunst untereinander. Dann geht es nur noch darum, den eigenen Vorteil zu wahren. Auf Kosten der Kollegen.“ sagt Van Quaquebeke.

Aus ihren Ergebnissen ziehen die Wissenschaftler verschiedene Schlüsse. „Unternehmen sollten gut überlegen, ob und in welcher Form sie Bonussysteme einführen“, gibt Doktorandin Reh zu bedenken. Manager und Personalverantwortliche müssten sich die Frage stellen, wie viel Konkurrenz dem Team gut tut. „Sonst werden die mühsam geförderten High Potentials von den eigenen Kollegen sabotiert und an der Karriere gehindert.“

Auch für Mitarbeiter hat Reh eine Empfehlung: Sich möglichst leistungsstarke Chefs und Kollegen zu suchen. „Auf den ersten Blick scheint es anstrengender zu sein, mit hohen Leistungsstandards mitzuhalten. Auf lange Sicht ist das aber besser als von Vorgesetzten, die sich um ihre Position sorgen, am eigenen Fortschritt gehindert zu werden.“

Der Artikel "Keeping (Future) Rivals Down: Temporal Social Comparison Predicts Coworker Social Undermining via Future Status Threat and Envy" ist im Journal of Applied Psychology erschienen.

Quelle: Kühne Logistics University - Wissenschaftliche Hochschule für Logistik und Unternehmensführung (idw)

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