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Die Wertschöpfung in der Agrar- und Ernährungsbranche wird digitaler

Archivmeldung vom 04.07.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 04.07.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Referent_innen und Organisator_innen der AgriFood 4.0 mit Ministerin Barbara Otte-Kinast (Mitte).
Quelle: KFoto/Kokenge (idw)
Referent_innen und Organisator_innen der AgriFood 4.0 mit Ministerin Barbara Otte-Kinast (Mitte). Quelle: KFoto/Kokenge (idw)

Schnitzel produzierende 3D-Drucker und künstliche Intelligenz im Kühlschrank sind nur zwei Entwicklungen, die die traditionsreiche Lebensmittelbranche signifikant verändern können. Die Digitalisierung wird großen Einfluss darauf haben, wie Lebensmittel zukünftig hergestellt und nachgefragt werden. Datengestützte Technologien werden sich immer mehr durchsetzen und auch Auswirkungen auf die Agrar- und Ernährungswirtschaft zeigen. Welche Chancen und Risiken damit verbunden sind, haben Fachleute und die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast auf der Konferenz „AgriFood 4.0“ am 2. Juli 2018 in Vechta mit 120 Teilnehmenden diskutiert.

Der Gastgeber der Tagung, Landrat des Kreises Vechta, Herbert Winkel, betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung der Digitalisierung für die Branche. „An der Schwelle zur Landwirtschaft 4.0 ist für unsere Region eines entscheidend: schnelles Internet. Die Digitalisierung unserer Agrar- und Ernährungswirtschaft gelingt nur, wenn Datenübertragungsraten im Gigabitbereich garantiert sind.“, so Winkel. Der Landkreis Vechta stelle daher für den Breitbandausbau insgesamt 45 Millionen Euro zur Verfügung.

In ihrer Auftaktrede sagte die Ministerin: „Die Digitalisierung ermöglicht in vielen Bereichen eine ressourcenschonende, effiziente und effektive Arbeitserledigung. Zu drängenden Fragen in Bezug auf die Zukunft der Landwirtschaft – von Umweltwirkungen über das Tierwohl bis zur gesellschaftlichen Akzeptanz – können digitale Techniken wichtige Lösungsbeiträge liefern.“

Neue Verfahren für Produktion und Rückverfolgbarkeit auf digitaler Basis

An wegweisenden Zukunftstechnologien wird bereits heute gearbeitet. Prof. Arno Ruckelshausen, Hochschule Osnabrück, zeigte, dass digitale Verfahren und Technologien im Ackerbau bereits vielfach verbreitet sind. Die Themen Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung stünden dabei immer mit im Fokus, so Ruckelshausen. Er sagte: „Die Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft stellt an den Pflanzenbau große Herausforderungen.“ Die digitale Transformation ziele auf die Verbindung ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte und werde daher als fantastisches Hilfsmittel zur Gestaltung nachhaltiger Lösungen gesehen. Innovative Schlüsseltechnologien – wie Sensorik, Robotik, Simulation, Datenmanagement oder Dateninterpretation – könnten im Pflanzenbau dabei sowohl zu graduellen Verbesserungen als auch zu neuen Agrarprozessen führen, führte der Professor für Physik und Sensorik weiter aus.

Eine Technologie, der großes Potential auch in der Agrar- und Ernährungswirtschaft nachgesagt wird, ist die Blockchain, die auf einer Datenbanktechnologie mit dezentral gespeicherten Daten beruht. Auf dieser basiert beispielsweise die Internetwährung Bitcoin, die in jüngster Zeit stark diskutiert wurde. Über die Funktionsweise und den Einsatz der Blockchain im Management der Lebensmittelrückverfolgung berichtete Jörg Naumann von IBM. Er sagte, dass erste Pilotversuche mit der Blockchain im Bereich Lebensmittelhandel bereits durchgeführt würden. Er schränkte aber ein, viele Anwendungen in den Wertschöpfungsketten der Agrar- und Ernährungswirtschaft könnten aber auch mit herkömmlichen zentralen Datenbanksystemen durchgeführt werden.

Verbraucherverhalten erhöht Druck auf die Unternehmen

Die Professorin für Medieninformatik und Multimedia-Systeme an der Universität Oldenburg, Susanne Boll-Westermann, zeigte Tendenzen der Digitalisierung mit einem Blick auf aktuelle Trends der Lebensmittelnachfrage auf. Sie sagte: „Die Digitalisierung wird unseren Zugang zu und unseren Umgang mit Lebensmitteln enorm beeinflussen.“ Die Produktion und der Verbrauch von Lebensmitteln orientierten sich nicht mehr an dem Ziel einer gesunden oder ökonomischen Ernährung, sondern seien mehr und mehr am Lifestyle der Menschen ausgerichtet, so die Professorin.

Dass die Verbraucherinnen und Verbraucher durch ihre Ansprüche und ihr Nachfrageverhalten, Druck auf die Unternehmen ausüben könnten, die Produktion und den Handel nachhaltiger zu gestalten, wenn sie denn wollten, war Thema von Prof. Nick Lin-Hi. Der Professor für Wirtschaft und Ethik an der Universität Vechta sagte, dass die Praxis zeige, dass Nachhaltigkeitsaspekte beim faktischen Kaufprozess aktuell lediglich eine untergeordnete Rolle spielen. Der Einsatz von smarten, das heißt datengestützten, Technologien könne dies jedoch ändern.

Digitale Technologien pro-aktiv einsetzen

In der Abschlussrunde warf der Vorsitzende des Oldenburger Agrar- und Ernährungsforums Minister a.D. Uwe Bartels einen Blick in die Zukunft. Er prognostizierte: „Bei der Umsetzung des Digitalisierungsprozesses werden wir gänzlich neue Geschäftsmodelle für die Wertschöpfungskette Agrar- und Ernährung denken müssen. Die Region Oldenburger Münsterland hat sowohl das Potential diese gewinnbringend mitzugestalten, als auch im hohen Maße negativ betroffen zu sein.“ Bartels rief daher zu einem intelligenten und pro-aktiven Umgang mit dieser großen Herausforderung auf.

Veranstaltungsreihe „smart life – smart work“

Die „AgriFood 4. 0“ ist Teil der Veranstaltungsreihe „smart life –smart work“ der Universität Vechta zur Digitalisierung im Ländlichen Raum. Sie steht unter der Schirmherrschaft des niedersächsischen Ministers für Wissenschaft und Kultur Björn Thümler. Neben der Universität Vechta gehören zu den weiteren Veranstaltern der „AgriFood 4.0“ die Koordinierungsstelle „Transformationswissenschaft agrar Niedersachsen“, die Landesinitiative Ernährungswirtschaft – NieKE, der Landkreis Vechta, die Wachstumsregion Hansalinie e. V. sowie das DIL Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik.

Quelle: Universität Vechta (idw)

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