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Studie: Deutsche unterschätzen Automatisierung von Arbeitsplätzen

Freigeschaltet am 28.04.2021 um 13:13 durch Anja Schmitt
Bild: Rainer Sturm / pixelio.de
Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

Eine Studie zu potenziellen Auswirkungen der Automatisierung auf Arbeitsplätze hat ergeben, dass Deutsche diese etwas sorglos wahrnehmen. Zu dieser Erkenntnis kamen Experten der Boston Consulting Group, wie das russische online Magazin „SNA News“ berichtet.

Weiter ist auf deren deutschen Webseite dazu folgendes geschrieben: "Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) veröffentlichte am Mittwoch eine umfangreiche Studie, in der sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen vom Stellenportal Stepstone und vom internationalen Jobbörsenverband The Network unter anderem untersuchten, wie sich die Pandemie auf die Arbeitsplätze weltweit auswirkt.

Die Experten bewerteten die Ergebnisse einer Umfrage von knapp 210.000 Arbeitnehmern in 190 Ländern und stellten fest, dass sich deutsche Angestellte im internationalen Vergleich deutlich weniger Sorgen über die Automatisierung und die daraus folgenden Konsequenzen für den Arbeitsmarkt machen. Nicht einmal ein Drittel (28 Prozent) der Arbeitnehmer in Deutschland fanden, dass die von der Automatisierung ausgehende Bedrohung im Vergleich zum Vorjahr zugenommen hat. Im deutschsprachigen Raum waren diese Angstwerte ein Stück höher, lagen aber immerhin unter dem globalen Durchschnitt von 41 Prozent: bei 36 Prozent in der Schweiz und 32 Prozent in Österreich.

Menschen in südasiatischen Staaten hingegen, vornehmlich Singapur (61 Prozent), Malaysia (56 Prozent) und Philippinen (54 Prozent), waren am meisten darum besorgt, dass Technologie nun ein größeres Jobrisiko darstellt als noch vor einem Jahr. In China und in den USA lagen die entsprechenden Werte bei 48 Prozent und 44 Prozent, in Russland bei 32 Prozent.

„Deutschland geht auf das Thema Automatisierung etwas naiv zu, etwas blauäugig. Covid hat uns 10 Jahre in die digitale Zukunft katapultiert“, sagte einer der Studienautoren und BCG-Arbeitsmarktexperte Rainer Strack in einem Kommentar für die DPA.

Geringe Umschulungsbereitschaft

Entsprechend niedrig ist auch die Bereitschaft der Deutschen zu Umschulung. Nur 55 Prozent der Befragten wären bereit, sich für einen komplett neuen Job umschulen zu lassen, was unter dem internationalen Durchschnitt von 68 Prozent liegt. Dieses Ergebnis lässt sich zugleich nicht unbedingt negativ interpretieren, weil es auf ein großes Sicherheitsgefühl in Deutschland deuten könnte: die Umfrage zeigte nämlich, dass ausgerechnet diejenigen am meisten Neues lernen wollen, die sich in ihrer Existenz bedroht fühlen. Dementsprechend zeigen auch die Angestellten in wohlhabenderen Ländern wie die USA mit 50 Prozent oder die Niederlande mit 43 Prozent am wenigsten Umschulungsbereitschaft. In Russland liegt dieser Wert bei 56 Prozent.

Gefahr nicht ausreichend thematisiert

Die Forscher wiesen unter anderem darauf hin, dass die mit der Automatisierung verbundene Gefahr in der deutschen Gesellschaft nicht ausreichend thematisiert wird. Wie Strack betonte, Arbeitnehmer in Deutschland werden nicht wirklich darauf vorbereitet, dass sie sich in Zukunft unter Umständen einen neuen Beruf suchen müssen:

„Ein Beispiel wäre der Lkw-Fahrer, der irgendwann obsolet wird. Eigentlich müsste ich dem Lkw-Fahrer 50 neue Jobs nennen, für die er sich qualifizieren kann. Aber heute weiß der Lkw-Fahrer das gar nicht“.

Erste Folgen der Automatisierung sind allerdings bereits zu beobachten. Die deutschen Banken und Sparkassen bauen seit Jahren ihr Personal massiv ab. Nach Angaben des Arbeitgeberverbands des privaten Bankgewerbes (AGV Banken) ist die Zahl der Beschäftigten in diesen Bereichen in den letzten zehn Jahren bereits um über 110.000 Stellen gesunken. Auch einfache Verwaltungstätigkeiten und das Rechnungswesen werden aktuell teilweise durch Computer übernommen. In dieser Hinsicht führte Sebastian Dettmers, der Geschäftsführer von Stepstone in Deutschland, nach Angaben der DPA einen Vergleich mit der „industriellen Revolution“ an:

„Viele manuelle Jobs blieben zunächst erhalten, während gleichzeitig der Einsatz von Maschinen voranschritt. Zurzeit haben wir einen ähnlichen Parallelprozess“.

Größte Befürchtungen in diesem Zusammenhang äußerten bei der BCG-Befragung Angestellte in Finanzwesen und Versicherungsbranche. Rainer Strack sagte dazu:

„Beide Branchen stellen keine physischen Produkte her. Alles, was sie haben, sind Menschen und IT.“

Nicht alles so pessimistisch

Schwarzmalen wollen die Experten jedoch nicht. Dettmers betonte, in den nächsten zehn werden fünf Millionen Menschen aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden. Da die deutsche Wirtschaft unter Fachkräftemangel leide und auf die Digitalisierung angewiesen sei, lässt sich somit von einer Riesenchance sprechen:

„Seit dem Zweiten Weltkrieg sei die Zahl der Arbeitskräfte eigentlich kontinuierlich angestiegen. Das wird erstmals eine Trendumkehr“, meinte er. "

Quelle: SNA News (Deutschland)

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