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Trichet bittet in einem Exklusivinterview mit CNBC Europe um verbale Disziplin gegenüber dem Euro

Archivmeldung vom 13.10.2007

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 13.10.2007 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Verbale Disziplin ist der Schlüssel für ein reibungsloses Funktionieren der Geldmärkte, teilt Trichet dem Sender CNBC in einem Exklusivinterview mit - ein verschleierter Appell an die europäischen Staatsvertreter, die EZB zu unterstützen

Immer mehr Politiker und Wirtschaftsvertreter haben den Druck auf die EZB erhöht und wünschen dass sie in die Fussstapfen der US-Notenbank Federal Reserve tritt und die Zinssätze senkt, um eine schnelle Aufwertung des Euro zu zügeln, was ihrer Meinung nach den Exporten schade.

"Wir befinden uns in einer Welt, in der Sie alles sagen können, wenn Sie keine Verantwortung übernehmen müssen, aber wenn Sie Verantwortung übernehmen müssen, ist es sehr wichtig, eine verbale Disziplin einzuhalten", erklärte Trichet der CNBC Europe Korrespondentin in Frankfurt Silvia Wadhwa.

Börsennotierte Firmen erwarten seit einiger Zeit, dass die US-Notenbank bei ihrem nächsten Treffen Ende Oktober die Zinssätze weiter senkt, doch diese Erwartung wird immer unwahrscheinlicher, da die US-Wirtschaft die Wohnungsmarktkrise anscheinend gewittert hat.

"Wir werden sehen, was passiert", sagte Trichet, als er zu den Chancen, die eine US-Rezession mit sich bringt, befragt wurde.

"Ich habe der Diagnose der US-Notenbank immer vertraut, welche nicht in diese Richtung geht, und bisher habe ich immer richtig gelegen, unseren Freunden in der US-Notenbank zu vertrauen", fügte er hinzu.

Die EZB riskiert ihre Ausgewogenheit mit der US-Notenbank zu verlieren, wenn die US-Währungsbehörde die Zinssätze weiter senkt. Durch sich aufbauenden inflationären Druck, muss die EZB die Zinssätze noch weiter anheben, doch das würde den Euro noch stärker gegenüber dem Dollar machen.

Einige Analytiker sind der Meinung, der Euro könne bis zum Ende dieses Jahres auf bis zu 1,45 USD klettern.

Steigende Zinssätze zu bekämpfen ist der Schlüssel für Wachstum

Die Inflation zu bekämpfen sei höchst wichtig, um ein solides Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen langfristig zu sichern, fügte Trichet hinzu.

"Wir haben eine ungeheuere Verantwortung auf beiden Seiten des Atlantiks und sind verantwortlich für die Preisstabilität und durch die Preisstabilität ebnen wir den Weg - denn das ist eine notwendige Voraussetzung - für eine nachhaltige Schaffung von Arbeitsplätzen und Wachstum", sagte er.

Trichet sagte, das Basisszenario der EZB habe sich nicht verändert. Das Risiko für das Wirtschaftswachstum sei rückläufig, während die Risiken zur Preisstabilität auf dem Vormarsch seien. Es seien jedoch mehr Informationen nötig, um eine Schlussfolgerung für die Geldpolitik zu ziehen.

Er wiederholte nochmals, dass sich übertriebene Kursschwankungen und "störende Bewegungen" der Wechselkurse im allgemeinen gegen das Wirtschaftswachstum richteten und daher kontraproduktiv seien, er wollte sich jedoch nicht dazu äussern, ob der derzeitige Eurokurs von den Wirtschaftsgrundsätzen unterstützt werde.

Trichet merkte an, dass die Währungen der aufstrebenden asiatischen Märkte flexibler sein sollten und warnte Yen-Spekulanten, dass sich der Markt umkehren könnte: "Was den Yen betrifft, so ist es klar, dass es hier gute Nachrichten aus der Wirtschaft gibt, die nach und nach von den Märkten berücksichtigt werden sollten."

Letzte Woche beliess die Bank of Japan ihre Zinssätze unverändert bei 0,5%, doch der Direktor Tishihiko Fukui erklärte, die Bank erwarte, dass die Inflation sich in positive Gefilde bewegt und zwar "in nicht so ferner Zukunft."

"Carry Trader" - die den Yen mit niedrigem Ertrag verleihen, um in Währungen mit höherem Ertrag zu investieren, darunter auch die aufstrebenden Märkte - sollten sich vorsehen, sagte Trichet. "Sie sollten sich voll bewusst sein, dass es in diesem Bereich wechselseitige Risiken gibt."

Die Märkte wurden gewarnt

Er sagte, die Liquiditätsturbulenzen, die im August angefangen haben, wären von den Zentralbanken weltweit erwartet worden, welche ihre Investoren gewarnt hatten, dass die Risiken unterbewertet wurden.

"Wir warnten wirklich alle Marktteilnehmer, durch die Bank, dass man sich auf eine Marktkorrektur einstellen sollte, die nach einem anderen Preisgefüge verlangt, nach einer korrekteren Bewertung der Risiken", sagte Trichet.

Er verteidigte die Reaktion der EZB, dass sie in die Geldmärkte mehr Liquidität pumpte, einen Tag nachdem Institute in den USA keine Handelspapiere mehr verlängern konnten, was wiederum zu grossen Spannungen auf den asiatischen Märkten führte und auch nach Europa schwappte.

"Wir entschlossen uns auf einer 24-Stunden-Basis Darlehen in voller Höhe zu einem von uns festgesetzten Zinssatz von 4% zu verleihen", sagte er. "Natürlich haben wir sie am nächsten Tag zurück bekommen."

"Wir haben das gemacht, was notwendig war, ohne jemanden aus der Klemme zu helfen, ohne jemandem Geld zu geben, aber um jenen die Möglichkeit zu geben, die sich korrekt verhalten hatten, sich in eine Position bringen, wo sie nicht vom schlechten Benehmen einzelner getroffen wurden," fügte Trichet hinzu.

Da die Märkte langsam wieder zum Normalzustand zurückkehrten, müssten sich Investoren und Händler gegen künftige Turbulenzen vorsehen, warnte er. Die neuen Finanzstrukturen, die durch Marktinnovationen hervorgebracht wurden, hätten Wohlstand mit sich gebracht, müssten aber immer noch ausgiebig geprüft werden, sagte er.

"Kreativität und Erfindungsreichtum sind in den Finanzmärkten das A und O", fügte Trichet hinzu. "Nachdem das so ist, ist es klar, dass wir auch unsere ständigen Lehren aus dieser strukturellen Umwandlung der Finanzmärkte ziehen müssen."

Quelle: Pressemitteilung CNBC Europe


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