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Umsatzstruktur der Fluggesellschaften im Wandel

Archivmeldung vom 11.10.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 11.10.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Vier Boeing 737-800 der Ryanair auf dem Flughafen Bremen
Vier Boeing 737-800 der Ryanair auf dem Flughafen Bremen

Lizenz: Public domain
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Fluggesellschaften, die auch in Zukunft zahlende Passagiere an Bord begrüßen möchten, müssen ihr Serviceangebot stetig erweitern und verbessern. Sich zurücklehnen und auf die Fluggäste warten, das wird nicht länger genügen. Verkaufte Flugtickets machen nicht mehr den Löwenanteil des Gewinnes aus.

Fliegen war lange Zeit die teuerste Art zu reisen. Flugrouten wurden von der Regierung festgelegt, um die optimale Anbindung möglichst vieler Destinationen zu gewährleisten. Das Fliegen war u.a. deshalb so teuer, weil die Fluglinienbetreiber einfach die Kosten für das Bedienen der langen Strecken mit den Einnahmen aus den gewinnbringenden kurzen Strecken subventionierten.

Doch dann trat im Jahre 1978 der Airline Deregulation Act in Kraft. Die Gesellschaften konnten jetzt selbst die Flugrouten festlegen, was dazu führte, dass sie viele Langstreckenflüge für immer aus ihren Flugplänen strichen. Damit nicht genug: Die Kosten sollten weiter runter. Als nächstes erfanden sie ein raffiniertes System - sie kombinierten sehr geschickt Zubringerflüge und Anschlussflüge, um die Zahl der erforderlichen Flugzeuge zu reduzieren. Die Preisschlacht hatte begonnen.

Wo nichts verdient wird, leiden alle

Die Entbürokratisierung des Flugverkehrs förderte den Wettbewerb; die Preise purzelten in ein großes Luftloch - und fielen. Und fielen. Die Leute mit den spitzen Bleistiften hatten das Ruder übernommen; dachten sie könnten mehr vom Kuchen bekommen, wenn sie nur immer weiter den Preiskampf fortschrieben. Doch letzten Endes stellten sie ernüchtert fest, dass sie auf diese Weise auch nicht in die Gewinnzone kamen. Viele Gesellschaften machten den Laden dicht. Tschüfl PanAM, Ciao Eastern, Byebye Braniff (nie gehört).

Newcomer betraten die Bühne. Sie stießen rasch in die freigewordenen Lücken. So zum Beispiel Frontier und Southwest. Mit standardisierten Flotten und geringen Turnaround-Zeiten fuhren sie schnell Gewinne ein, bei denen selbst die etabliertesten Konkurrenten nicht mehr mithalten konnten. Doch Rettung nahte aus den USA mit der Einführung von Gebühren für aufgegebenes Gepäck durch American Airlines.

Einige Billigheimer hielten beim Reisegepäck seit Jahr und Tag die Hand extra auf. Für American Airlines war es deshalb ein riskantes Unterfangen (ihr Ruf stand auf dem Spiel). Seit feststeht, wie gewinnbringend diese neue Preisstruktur tatsächlich ist, gibt es auf dem Gebiet der Zusatzgebühren kein Halten mehr.

Mit dem Treibstoffzuschlag das gleiche Spiel. 2008 noch 15 Dollar. Jetzt sind es 25 Dollar. Das Flugbenzin selbst ist seit 2008 nicht teurer geworden! Also, woran liegt das?

Die Zusatzgebühren sind ein wesentlicher Faktor

Mit Gepäckgebühren ging es los. Heute sollen die Fluggäste für all dies extra bezahlen: Verpflegung an Bord, Sitzplatzreservierung, mehr Beinfreiheit, vorzeitiger Check-in, Umsteigeverbindungen, Flugtickets und Bordkarten in ausgedruckter Form, telefonische Flugreservierungen, Buchungen über einen Drittanbieter, Mitnahme von Haustieren, Betreuung von allein reisenden Kindern, etc.

Einige dieser Leistungen kosteten auch früher schon teilweise extra; doch seit kurzer Zeit findet man sie flächendeckend. Einigen gelang es noch, besonders kreative Gebühren zu verhindern, zum Beispiel für die Benutzung der Bordtoilette, doch die Fluggäste sollen weiterhin für Vieles, das früher selbstverständlich war, bezahlen.

Im vergangenen Jahr nahmen US-amerikanische Fluglinienbetreiber mit Gepäckgebühren (nicht Gebäckgebühren) dreieinhalb Milliarden Dollarein; das sind 3,35 Milliarden Dollar mehr als 2011. Und der Wahnsinn geht weiter, hat scheinbar Methode. Wer von seinen Passagieren für Grundbedürfnisse Geld abluchst, darf sich nicht wundern, wenn diese richtig sauer werden. Zum Glück gibt es Ausnahmen. Manche Fluggesellschaften bemühen sich weiter darum, dass sich die Passagiere wohlfühlen.

Neue Wege der Bordunterhaltung

Seitdem das Luftfahrt-Bundesamt die Nutzung von Handys an Bord von Flugzeugen unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt hat, dürfte es wohl nicht mehr allzu lange dauern, bis Passagiere ihre mobilen Geräte auch während Start und Landung eingeschaltet lassen dürfen. Viele Fluggesellschaften bauen auch ihr Internetangebot massiv aus. Wer einen Draht zu Mobilfunkbetreibern hat, kann von diesen hinter vorgehaltener Hand erfahren, dass sich mit WiFi prima Geld verdienen lässt; dagegen sind Gepäckgebühren Erdnüsse.

Ein interessanter Ansatz kommt von Ryanair. Zusammmen mit dem populären Online Casino CasinoClub bietet Ryanair Glücksspielgutscheine an, die dem Wert des Flugtickets entsprechen. Wer Glück hat, fliegt umsonst. Auch die amerikanische Reisebürokette Travel Leaders Group wartet mit einer innovativen Idee auf: Passagiere können den mittleren Sitzplatz ihrer Flugreihe zum halben Preis dazubuchen und so an Bord von mehr Platz und Privatsphäre profitieren. Wenn dann auch noch der zweite Passagier in der Sitzreihe für den halben Mittelplatz bezahlt, spart die Fluggesellschaft Treibstoffkosten und erhält gleichzeitig den vollen Preis für einen leeren Sitzplatz. Den Fluggästen kann es eigentlich recht sein, sie dürften auf alle Fälle einen ruhigen Flug haben.

Die Passagiere mögen Serviceleistungen, für die sie extra bezahlen sollen, als extrem lästig empfinden, doch für amerikanische Airlines, die in eimem erbarmungslosen Wettstreit um die niedrigsten Kosten stecken, sind sie überlebenswichtig geworden. Der Schlüssel zu mehr Flugverkehrsaufkommen liegt in einer möglichst angenehmen Gestaltung des Bordaufenthalts.

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