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Jeder zehnte Arbeitnehmer in Europa ist aufgrund von Depressionen seinem Arbeitsplatz ferngeblieben

Archivmeldung vom 01.10.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 01.10.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Martin Müller  / pixelio.de
Bild: Martin Müller / pixelio.de

Laut einer neuen Umfrage der European Depression Association ist jeder zehnte befragte Arbeitnehmer in Europa aufgrund von Depressionen seinem Arbeitsplatz ferngeblieben, wobei pro Episode durchschnittlich 36 Arbeitstage verloren gehen. Dies entspricht mehr als 21.000 verlorenen Arbeitstagen in dieser Personengruppe. Trotz des Ausmasses dieses Problems berichtet aber beinahe jede dritte Führungskraft, über keine offizielle Unterstützung oder Hilfsmittel für den Umgang mit depressionskranken Mitarbeitern zu verfügen, und 43 % forderten verbesserte Richtlinien und Gesetze zum Schutz der Mitarbeiter.

Stephen Hughes (Mitglied des Europäischen Parlaments) äusserte sich zu den Ergebnissen: "Depression am Arbeitsplatz ist ein arbeitspolitisches und gesellschaftliches Problem, das schweren Schaden anrichtet und Aufmerksamkeit sowie Massnahmen von der Europäischen Union erfordert. Die Einbeziehung der Depression am Arbeitsplatz in die neue Strategie der Europäischen Kommission für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, in den kommenden Jahren durch gesetzgeberische Massnahmen gestützt, würde einen herausragenden Fortschritt darstellen, um Arbeitnehmer in Europa wirksamer zu schützen und letztendlich zu wirtschaftlichem und sozialem Wohlstand beizutragen."

Depression ist die vorherrschende psychiatrische Störung bei Menschen im erwerbsfähigen Alter, und mehr als 30 Millionen europäische Bürger werden zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben an Depression leiden.[1] In der IDEA-Umfrage (Impact of Depression in the Workplace in Europe Audit) wurden über 7000 Menschen in Europa befragt. Das Ergebnis war, dass 20 % der befragten Personen irgendwann mit Depression diagnostiziert worden waren. Die höchste Rate verzeichnete Grossbritannien (26 %), die niedrigste Italien (12 %). Arbeitnehmer in Deutschland (61 %), Dänemark (60 %) und Grossbritannien (58 %) blieben am ehesten aufgrund ihrer Depression dem Arbeitsplatz fern, während nur 25 % der Arbeitnehmer in der Türkei berichteten, sich von der Arbeit freigenommen zu haben.

Die Kosten für Depression wurden im Jahr 2010 in der EU auf 92 Milliarden Euro geschätzt, wobei Produktivitätsverlust aufgrund von Absentismus (Fehlen am Arbeitsplatz) und Präsentismus (Anwesenheit am Arbeitsplatz trotz Erkrankung) über 50 % aller Kosten im Zusammenhang mit Depression ausmachten.[1] Bei der IDEA-Umfrage betrug die durchschnittliche Anzahl von Arbeitstagen, die während des letzten depressiven Episode versäumt wurde, 36 Tage, wobei Deutschland und Grossbritannien die höchste Anzahl (41 Tage) und Italien (23 Tage) die niedrigste Anzahl verzeichneten.

Trotz der depressionsbedingten hohen Ausfallraten gab jeder vierte Arbeitnehmer an, seinen Arbeitgeber nicht über seine Depression unterrichtet zu haben. Jeder dritte unter ihnen erklärte, in der gegenwärtigen Wirtschaftslage um seinen Arbeitsplatz zu fürchten.

Die kognitiven Symptome der Depression (Konzentrationsschwierigkeiten, Unentschlossenheit und/oder Vergesslichkeit) verursachen erhebliche Beeinträchtigungen der Arbeitsausübung und Produktivität[2] und sind bei einer depressiven Episode 94 % der Zeit vorhanden.[3]Die Umfrage zeigt allerdings, dass das Bewusstsein für diese Symptome relativ unterentwickelt ist: Bei einer Befragung nach den Anzeichen einer Depression gaben nur 33 % Vergesslichkeit, 44 % Unentschlossenheit und 57 % Konzentrationsschwierigkeiten an. Im Gegensatz dazu identifizierten 88 % gedrückte Stimmung und Traurigkeit als Anzeichen für Depression.

Unter den befragten Führungskräften berichtete beinahe jeder Dritte, keine offizielle Unterstützung für den Umgang mit depressiven Mitarbeitern zu erhalten. Der Mangel an Unterstützung war in Deutschland am höchsten (51 %) und in der Türkei am niedrigsten (10 %). Führungskräfte in Grossbritannien (55 %) erhielten am ehesten Unterstützung von ihrer Personalabteilung, während Führungskräfte in der Türkei am ehesten Unterstützung von einer medizinischen Fachkraft erhielten (79 %).

Führungskräfte, die nach Massnahmen zur Unterstützung von depressiven Arbeitnehmern am Arbeitsplatz befragt wurden, gaben am häufigsten mehr Beratungseinrichtungen sowie verbesserte staatliche Rechtsvorschriften und Richtlinien an. In der Türkei forderten Führungskräfte am ehesten bessere Gesetzgebung (55 %) und Schulung aller Mitarbeiter (63 %). Englische und Türkei Führungskräfte wollten bessere Beratungseinrichtungen (jeweils 56 % und 53 %), während deutsche Führungskräfte als erstes eine Schulung der Vorgesetzten nannten (53 %).

Dr. Vincenzo Costigliola, President der European Depression Association, erklärte: "Die Ergebnisse der IDEA-Umfrage zeigen, dass viel zur Bewusstseinsschärfung sowie zur Unterstützung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern getan werden muss, um Depression am Arbeitsplatz zu erkennen und in den Griff zu bekommen. Wir fordern Entscheidungsträger auf, die Auswirkungen von Depression am Arbeitsplatz zu prüfen, und beauftragen sie damit, den Entwurf einer verbindlichen Gesetzgebung einzuleiten, die sich mit Depression sowie der Sicherheit des Arbeitsplatzes und der Mitarbeiter beschäftigt."

Die vollständigen Ergebnisse der IDEA-Umfrage werden im Jahr 2013 veröffentlicht.

Quelle: European Depression Association (EDA) (ots)

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