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Studien belegen hohe Kollateralschäden der Corona-Politik

Archivmeldung vom 12.05.2022

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 12.05.2022 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Bild: Shutterstock (Symbolbild) /Reitschuster / Eigenes Werk
Bild: Shutterstock (Symbolbild) /Reitschuster / Eigenes Werk

Kinder und Jugendliche mussten und müssen den wohl höchsten Preis für die deutsche Corona-Politik bezahlen. Obwohl das Virus für sie selbst ungefährlich ist und auch das Narrativ von den Schulen als Hotspots längst widerlegt ist, wurden gerade die Jüngsten unserer Gesellschaft immer wieder als Pandemietreiber und potenzielle Lebensgefahr für ihre Eltern und Großeltern bezeichnet. Dies berichtet Kai Rebmann auf dem Portal "Reitschuster.de".

Weiter berichtet Rebmann: "Hinzu kamen im Zuge der Lockdowns drakonische Maßnahmen wie Schulschließungen sowie faktisches Verbot sportlicher und gesellschaftlicher Aktivitäten. Die negativen Auswirkungen dieser und weiterer Maßnahmen auf die Psyche und die Bildungsentwicklung der Kinder und Jugendlichen wurden bereits im Jahr 2020 durch erste Studien angedeutet, was unsere Politiker aber nicht daran hinderte, den einmal eingeschlagenen Kurs beizubehalten. Bereits im November 2020 berichteten die Autoren der Copsy-Studie 1 (Corona und Psyche) von dreimal mehr Kindern und Jugendlichen im Alter von 11 – 17 Jahren, die gegenüber der Vor-Corona-Zeit eine „geminderte Lebensqualität“ empfunden haben.

Am 21. April 2022 erschien nun die Copsy-Studie 3, die trotz zwischenzeitlicher Lockerungen eine weitere Verschlechterung der psychischen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland offenbart. So berichten inzwischen 81,9 Prozent von einer „Belastung durch (die) Pandemie“, was weniger auf das Virus als solches als vielmehr auf die damit verbundenen Maßnahmen zurückzuführen sein dürfte. Im November 2020 wurde diese Belastung „nur“ von 70,6 Prozent der Befragten im Alter von 11-17 Jahren empfunden. Ebenso haben die psychosomatischen Beschwerden zugenommen und sind von 48,4 Prozent auf zuletzt 53,0 Prozent angestiegen. Zu den psychosomatischen Beschwerden gehören Rückenschmerzen, Nervosität, Bauchschmerzen, Niedergeschlagenheit, Kopfschmerzen, Einschlafprobleme und Gereiztheit. Jeweils etwas über ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen zeigt der Copsy-Studie 3 zufolge Angstsymptome (26,8 Prozent) und/oder sonstige psychische Auffälligkeiten (27,0 Prozent). Einen kleinen Lichtblick gibt es in Bezug auf die körperliche Aktivität. Nach dem Ende des Lockdowns geben inzwischen wieder 46,9 Prozent der Befragten an, dass sie mindestens dreimal pro Woche körperlich aktiv sind, was bei der Copsy-Studie 2 nur bei 29,5 Prozent der Fall gewesen war. Auch einen erhöhten Medienkonsum (49,1 Prozent) und/oder erhöhten Süßwarenkonsum (21,5 Prozent) haben deutlich weniger Kinder bei sich festgestellt. Im Rahmen der Copsy-Studie 2 lagen diese Werte noch bei 71,1 Prozent (Medien) bzw. 32,8 Prozent (Süßwaren).

Lebensgefühl der jungen Leute durch Corona beeinträchtigt

Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kommen die beiden Jugendforscher Simon Schnetzer und Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Hurrelmann in ihrer am 3. Mai 2022 vorgestellten Trendstudie „Jugend in Deutschland“. Schnetzer ist eigenen Angaben zufolge Autor von mehr als 30 Jugendstudien in Deutschland, Österreich und der Schweiz, was ihn zweifelsohne als Experten auf diesem Gebiet ausweist. In der Einleitung zu ihrer Studie fassen Schnetzer und Hurrelmann eine grundlegende Erkenntnis ihrer Untersuchung wie folgt zusammen: „Wegen der weiter spürbaren Einschränkungen durch die Pandemie beklagen die Befragten den Kontrollverlust bei ihrer Alltagsgestaltung, ihren persönlichen Beziehungen und ihrer Bildungs- sowie Berufslaufbahn.“ Die Autoren haben im Rahmen ihrer Studie im März 2022 insgesamt 1.021 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 14 und 29 Jahren befragt. Als häufigste psychische Belastungen wurden dabei genannt: Stress (45 Prozent), Antriebslosigkeit (35 Prozent), Erschöpfung (32 Prozent), Langeweile (32 Prozent) und Depressionen/Niedergeschlagenheit (27 Prozent). Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass sich 7 Prozent der Befragten in der jüngeren Vergangenheit mit Suizidgedanken beschäftigt haben.

„Die dichte Aufeinanderfolge von tief in das Leben eingreifenden Krisen setzt der Jugend zu. Nach zwei Jahren Einschränkungen ihres privaten und schulisch-beruflichen Alltags durch die Pandemie sind viele von ihnen psychisch angespannt“, beschreibt Hurrelmann seine Beobachtungen. Hinzu komme jetzt noch die Bedrohung durch einen Krieg in Europa, der als eine weitere schwere emotionale Last empfunden werde. Die Autoren verweisen auf die Ergebnisse der ein halbes Jahr zuvor erhobenen Trendstudie, bei der bereits deutlich geworden sei, „wie sehr die Einschränkungen des öffentlichen Lebens durch die Corona-Pandemie das Lebensgefühl der jungen Leute beeinträchtigen“. Die Hoffnung auf ein Ende der Pandemie habe sich nicht erfüllt, wodurch sich die Lebenssituation der jungen Menschen wieder verschlechtert habe.

„Kinder brauchen das Gefühl von Normalität“

Im Oktober 2021 veranstaltete die Landesärztekammer Hessen einen Runden Tisch zum Thema „Psychische Folgen von Corona: Wie Kinder und Jugendliche die Krise bewältigen können“. Neben Ärzten und Kinderpsychologen gehörten unter anderem auch ein Vertreter des Landeselternbeirats und der Leiter eines Sozialprojekts zu den Teilnehmern. Die Kinderpsychologin Dr. med. Martina Pitzer ist Direktorin der Vitos Klinik Rheinhöhe in Eltville und berichtete davon, dass „Notaufnahmen mit suizidalen Krisen oder auch nach Suizidversuchen“ häufiger vorkämen als noch vor Corona.

Einen möglichen Erklärungsansatz lieferte Daniel Schröder vom Kinderprojekt „Die Arche“ in Frankfurt. „Kinder brauchen das Gefühl von Normalität, von Struktur und Routine, von geordneten Verhältnissen“, berichtete der Sozialarbeiter aus seinen täglichen Erfahrungen gerade in den sozial schwächeren Schichten der Gesellschaft. Auch die häufig wechselnden und oft uneinheitlichen Regelungen zum Präsenzunterricht an den Schulen stießen bei Schröder auf deutliche Kritik: „Es erschließt sich den Kindern nicht, und uns Erwachsenen übrigens auch nicht. Das führt dazu, dass die Akzeptanz weiter sinkt. Es braucht mutige Entscheidungen, um für die Kinder wieder zu einer gewissen Normalität zu kommen.“ Der Kinder- und Jugendarzt Dr. med. Ralf Karlheinz Dieter Moebus aus Bad Homburg macht die negative Bildungsentwicklung der Schüler in Deutschland hingegen nicht nur am während des Lockdowns fehlenden Präsenzunterricht fest. Auch das Tragen von Masken habe einen Einfluss auf das Lernen der Kinder und Jugendlichen, da Gestik und Mimik gerade in den ersten beiden Schuljahren eine besondere Rolle spielten, wie Moebus erklärte.

Sowohl die beiden oben angeführten Studien als auch die Stellungnahmen von Experten, die tagtäglich mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, sollten den für diesen Zustand verantwortlichen Politikern zu denken geben. Auch wenn Schulschließungen, Kontaktbeschränkungen und Sportverbote im Mai 2022 aktuell kein Thema sind, steht zu befürchten, dass solche Diskussionen spätestens im Herbst wieder aufkommen werden. Mit dem Argument „Wir haben es nicht besser gewusst“ wird sich dann aber niemand mehr davonstehlen können. Das Schlusswort gebührt daher Daniel Schröder, dem Sozialarbeiter aus Frankfurt: „Wir brauchen den Mut, dass die Politik sagt: Wir haben gesehen, da lief nicht alles gut, jetzt werden wir es nicht nur mit Geld neu machen, sondern den Kindern in den Schulen ein gutes Lernumfeld geben.“

Quelle: Reitschuster

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