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Was wir aus der Gehirnforschung für einen Neustart lernen können

Archivmeldung vom 21.12.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 21.12.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott
Bild: Marco Barnebeck / PIXELIO
Bild: Marco Barnebeck / PIXELIO

Zum Jahresstart nehmen sich viele Menschen vor, einen Neustart zu wagen oder haben gute Vorsätze. Häufig scheitert es jedoch an der Umsetzung. Dr. Marie Hoffacker, Gehirnforscherin und externe Lehrbeauftragte für Biologische Psychologie im Studiengang Psychologie (B.Sc.) an der Hochschule Fresenius in Berlin , erklärt im Interview, welche Rolle das Gehirn spielt, wenn wir etwas Neues beginnen wollen und wie uns das Wissen um die Prozesse im Gehirn weiterhilft.

Für das neue Jahr nehmen wir uns häufig viel vor. Ratgeber mit Tipps, wie man gute Vorsätze auch tatsächlich umsetzt oder etwas Neues startet, gibt es viele. Dr. Marie Hoffacker empfiehlt, sich zunächst mit der biologischen Basis des Gehirns zu beschäftigen. "Die meisten Neustarts scheitern, weil die Menschen gegen und nicht mit ihrem Gehirn arbeiten", erklärt die Gehirnforscherin. "Für einen erfolgreichen Neustart ist es wichtig zu wissen, wie Lernprozesse im Gehirn ablaufen. Mit diesem Wissen fällt es uns leichter, Vorhaben tatsächlich umzusetzen."

Denn das Gehirn arbeitet wie ein Computer. Viele Programme und Webbrowser sind meist parallel offen. Wenn es zu viele sind, arbeitet es genauso wie der Computer langsamer und nicht mehr zielgerichtet. Möchten wir ein neues Programm installieren, müssen wir erst einmal genügend Platz auf der Festplatte schaffen. Der erste Schritt ist also, sich zu fragen: "Was will ich nicht mehr tun? Was kann ich weglassen, um Platz zu schaffen?" Das heißt - um beim Bild des Computers zu bleiben - ich muss meinen Computer aufräumen, Programme schließen oder löschen. Das sollte ich mir vorab genau überlegen und aufschreiben. Denn wie das Sprichwort "wer schreibt, der bleibt" schon sagt, festigt sich ein Vorhaben durch das Schreiben mit der Hand. Dies setzt die ersten wichtigen Motivationsmarker in unserem Gehirn und schafft Klarheit - auf dem Papier und im Nervensystem.

Im nächsten Schritt sollten wir uns darüber klarwerden, was wir wollen. Daher sollen wir uns ein starkes Motivationsbild suchen und dies mit all unseren Sinnen erfassen. Was sehe ich, wenn ich zum Beispiel in einem neuen Job bin? Was tue ich konkret? Wie fühlt es sich an? Rieche oder schmecke ich dabei etwas? Auch auf positive Emotionen reagiert das Gehirn. Daher ist es förderlich, sich ein unterstützendes Umfeld zu suchen.

Ein weiterer wichtiger Faktor bei Neuanfängen ist die Zeit. Bis sich Neues im Gehirn etablieren kann, dauert es 30 bis 40 Tage. Nach dieser Zeit stellt sich ein Lerneffekt im Gehirn ein, der sich auch auf den Körper erstreckt. "Das Gehirn benötigt fortlaufende Wiederholungen, damit die Nervenbahnen entsprechend ausgebaut werden können", sagt Hoffacker. "Hier empfehle ich, einen Aktionsplan zu erstellen - mit mindestens einer Handlung pro Tag, die mich meinem Ziel näherbringt. Einmal in der Woche sollten wir diesen Plan anpassen und uns neu motivieren. Häufig merken wir, dass wir zu Beginn einer neuen Tätigkeit schnell Fortschritte machen. Dann stagniert es plötzlich. Das ist typisch für Lernprozesse. Währenddessen laufen die Prozesse im Gehirn jedoch weiter: Es entstehen neue Synapsen oder sie werden ausgebaut. Das dauert und erfordert Durchhaltevermögen während der Umbauphase. Nach dem Plateau folgt der exponentielle Sprung ins Ziel. Auch hier ist es wie beim Computer: "Bitte warten Sie, bis das Programm installiert ist und unterbrechen Sie den Prozess nicht."

Quelle: Hochschule Fresenius für Wirtschaft und Medien GmbH (ots)


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