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Deutschlands Unfallchirurgen warnen vor E-Scootern

Archivmeldung vom 17.05.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 17.05.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
E-Scooter
E-Scooter

Foto: Singaporeriders
Lizenz: CC BY-SA 4.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Vor dem für diesen Freitag erwarteten grünen Licht des Bundesrates für E-Scooter auf Deutschlands Straßen und Radwegen schlagen Gesundheits- und Umweltexperten Alarm.

"E-Tretroller bergen ein deutlich erhöhtes Verletzungsrisiko. Im Stadtverkehr sind E-Scooter hochgefährlich - auch weil sich andere Verkehrsteilnehmer nur extrem schwer darauf einstellen können", sagte Christopher Spering, Leiter der Sektion Prävention der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGU), der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). Der E-Scooter sollte daher in der Stadt nicht als Ersatz für das Fahrrad genutzt werden, sondern allenfalls für längere Fußstrecken. Vorm Kauf empfiehlt es sich einen E-Scooter Test wie diesen hier zu lesen und sich zu ausführlich zu informieren.

In der Klinik für Unfallchirurgie in Göttingen wurden allein in den letzten vier Wochen zwei schwer verletzte E-Rollerfahrer behandelt, berichtete Spering, der Oberarzt an der Klinik ist. Beide hatten Schädel-Hirn-Trauma und Verrenkungsbrüche im Bereich der Sprunggelenke. "Die Trittbretter der Roller sind tief, sodass sich bei Stürzen der Fuß schnell darunter verfängt", sagte der DGU-Experte.

Er warnt, mit dem Roller sei man so schnell wie mit dem Fahrrad unterwegs, jedoch völlig ungeschützt, "zumal es keine Helmpflicht geben wird und so gut wie kein Roller-Pilot einen Helm tragen wird". Besonders gefährlich: "Um einen Richtungswechsel anzuzeigen, müsste man einhändig fahren. Das ist praktisch unmöglich."

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) fürchtet erhebliche Nachteile für Fahrradfahrer: "Wir laufen Gefahr, dass auch auf Radwegen der motorisierte den nichtmotorisierten Verkehr verdrängt", sagte BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg der NOZ. "Die ohnehin schon sehr begrenzte Fläche, die dem Radverkehr aktuell zugestanden wird, für weitere Nutzungen freizugeben ist zu kurz gedacht." Wer Alternativen zum Auto stärken wolle, müsse diesen Raum geben, "und dieser Raum muss dafür dem Autoverkehr entzogen werden".

Auch auf die Umwelt kämen neue Belastungen zu, so der BUND-Fachmann. In europäischen Städten, in denen solche E-Scooter bereits fahren, würden Leih-Roller schon nach drei Monaten ausgetauscht und verschrottet. "Hier besteht nicht nur die Gefahr, dass Innenstädte mit abgewrackten E-Scootern zumüllen. Es würden auch problematische Rohstoffe wie Lithium und Aluminium verschwendet", sagte Hilgenberg. "Aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten würde dies gegen den Einsatz solche Roller zumindest im Verleihbetrieb sprechen."

Grünen-Verkehrspolitiker Matthias Gastel fordert deswegen vorbeugende Maßnahmen: "Wichtig ist, dass in Deutschland ein Recyclingsystem für ausgebrauchte Akkus aufgebaut wird, um Rohstoffe der Wiederverwendung zuzuführen", sagte er der NOZ.

Der Grünen-Politiker sieht in den motorisierten Tretrollern aber auch großes Potenzial: "Die Hälfte aller Autofahrten finden im Kurzstreckenbereich von bis zu fünf Kilometern statt. Mit dem E-Tretroller entsteht neben dem Zu-Fuß-Gehen und der Nutzung des Fahrrades eine dritte Alternative zu Fahrten mit häufig tonnenschweren Autos", sagte er. "Jeder, der vom Auto auf den elektrischen Tretroller umsteigt, leistet durch die Vermeidung von Lärm und Luftschadstoffen einen Beitrag zum Gesundheitsschutz und entlastet die Umwelt. Wir erwarten, dass nicht wenige Menschen vom Auto auf die neue Alternative umsteigen werden."

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung (ots)


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