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RKI trickst schon wieder bei den Geimpften auf Intensivstationen

Archivmeldung vom 15.01.2022

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 15.01.2022 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Bild: Shutterstock/ Reitschuster / Eigenes Werk
Bild: Shutterstock/ Reitschuster / Eigenes Werk

Es ist eine gute Nachricht für die Wirksamkeit der Impfungen gegen schwere Covid-Verläufe, aber sie ist nicht ganz so gut, wie sie scheint. Nur 28,4% der Covid-Patienten, die im letzten Monat auf Intensivstationen behandelt werden mussten, waren vollständig geimpft. Die Definition von „vollständig geimpft“ unterscheidet sich jedoch markant von der sonst gültigen, wie sie das RKI auf seiner Webseite bis heute gibt. Dies berichtet Norbert Häring auf dem Portal "Reitschuster.de"

Weiter berichtet Häring: "„Zwei Drittel der Intensiv-Patienten ungeimpft.“ So oder so ähnlich lauteten heute viele Überschriften auf Basis einer gemeinsamen Presseerklärung des RKI und des Divi. Wenn man jedoch diesen Anteil mit dem Anteil der vollständig Geimpften oder Grundimmunisierten vergleicht, macht man einen Fehler.

Wie der Journalist Tim Röhn in den Tiefen des Divi-Intensivregisters entdeckt und getwittert hat, werden in dieser neu erhobenen Statistik, die ansonsten mit einer Dosis des Impfstoffs Janssen (Johnson & Johnson) als grundimmunisiert geltenden Menschen, als nicht vollständig geimpft gewertet. Es steht da:

Der Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson wird mit der Einmalgabe explizit NICHT als vollständige Immunisierung gewertet.“

Nicht mehr als vollständig geimpft werden außerdem diejenigen gezählt, deren zweite Impfung mehr als sechs Monate zurückliegt.

Die nach dieser eigenwilligen Definition nicht vollständig Geimpften machen wahrscheinlich einen großen Anteil der „weiteren knapp 10%“ mit einem „unvollständigen“ Impfschutz aus.

Rein rechtlich gilt man bisher jedoch mit einer Dosis Janssen und einer mehr als sechs Monate zurückliegenden Zweitimpfung als vollständig geimpft. Auf der Webseite des RKI, steht bei den den Fragen und Antworten:

Durchführung der COVID-19-Impfung (Stand 7.1.2022)

Wer gilt laut rechtlichen Verordnungen als vollständig geimpft bzw. genesen?
Als „vollständig geimpft“ gelten demnach in Deutschland folgende Personen:

Personen, die mit einem in der EU zugelassenen COVID-19-Impfstoff geimpft wurden und bei denen nach Gabe der letzten Impfstoffdosis mindestens 14 Tage vergangen sind. Je nach Impfstoff sind für die Erlangung des vollständigen Impfschutzes eine (Vektor-basierter Impfstoff COVID-19 Vaccine Janssen von Janssen-Cilag International) oder zwei Impfdosen (Vektor-basierter Impfstoff Vaxzevria von AstraZeneca sowie mRNA-Impfstoff Spikevax von Moderna oder Comirnaty von BioNTech, inkl. heterologes Impfschema) notwendig.“

Es riecht sehr nach Manipulation, wenn man für jeden Zweck eine andere Definition verwendet, die ein gefälliges Ergebnis liefert, und das auch noch, ohne es deutlich zu verkünden. In der gemeinsamen Presseerklärung wird nur verschämt auf „leicht unterschiedliche Definitionen des Impfstatus“ hingewiesen. Wenn man sich durch die angebotenen Links klickt, was erfahrungsgemäß kaum jemand tut, kommt man auf eine Tabelle.

Aus dieser kann man, wenn man sehr misstrauisch oder aufmerksam ist, indirekt schließen, dass eine Impfdosis Janssen nicht als vollständig immunisiert gilt. Das ist Vernebelung einer wichtigen, unerwarteten und nicht ganz leicht zu rechtfertigenden Neudefinition.

Wir haben jetzt schon drei Definitionen von „vollständig geimpft“ nebeneinander. Die dritte ist von Dezember und stammt aus der Begründung der Ministerpräsidenten-und-Kanzler-Beschlüsse zu verschärften Grundrechtseinschränkungen. Dieser zufolge ist nur vollständig geimpft, wer drei, oder im Fall Janssen zwei, Impfdosen bekommen hat.

Grob falsche Zahlen

Gemäß einem Tweet des Journalisten Tim Röhn umfasste die neue Impfstatus-Ausweisung von Intensiv-Patienten durch DIVI/RKI in den vergangenen vier Wochen 3000 Personen mehr als in diesem Zeitraum überhaupt aufgenommen wurden. Auf Nachfrage erklärte das RKI, das liege daran, dass einige Krankenhäuser in der ersten Woche alle bereits auf Intensiv befindlichen Patienten gemeldet hätten. Das RKI hielt es nicht für nötig, die Zahlen zu bereinigen, oder der Öffentlichkeit von sich aus den Fehler in den Zahlen mitzuteilen.

Falls es einen Grund gibt, dass Nicht-Geimpfte länger auf der Intensivstation bleiben müssen, zum Beispiel weil Pflegeeinrichtungen sie nicht zurücknehmen, wären die von RKI und Divi angegebenen Anteile Geimpfter möglicherweise erheblich verzerrt."

Quelle: Reitschuster

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