Direkt zum Inhalt Direkt zur Navigation
Sie sind hier: Startseite Berichte Gesundheit Unani – die „Königin der Medizin“ (Teil 1)

Unani – die „Königin der Medizin“ (Teil 1)

Archivmeldung vom 17.02.2007

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 17.02.2007 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Diese sumerische Steintafel enthält die älteste bekannte Rezeptsammlung der Medizin (2100 v. Chr.)
Diese sumerische Steintafel enthält die älteste bekannte Rezeptsammlung der Medizin (2100 v. Chr.)

Sie vereint das Beste der alten Hochkulturen von Griechenland über Ägypten bis Persien und Indien: die „Unani-Medizin“. Sie hat ähnliche Grundprinzipien wie das Ayurveda, geht aber noch einiges über dieses hinaus. Eine historische Spurensuche.

Das arabische Wort „Unani“ bedeutet „griechisch“. Arabische Wissenschaftler und Gelehrte bezeichneten so ihr Werk – ganz besonders in der Medizin – um damit ihre griechischen Vorgänger und das großartige Erbe zu ehren, daß sie der Menschheit hinterlassen haben. Die Unani-Medizin umfasst ein ungeheuer breites Gebiet, das Wissenschaft mit Philosophie verschmilzt und von unserer heutigen Zeit bis in die Ursprünge der Menschheitsgeschichte zurückreicht. Beginnen wir also mit einem historischen Überblick.

Die Heilkunst der Antike

Sumer: Die frühesten medizinischen Hin- weise finden sich auf zehntausend Jahre alten Tontafel-Fragmenten, die man bei Ausgrabungen in Sumer (Mesopotamien) gefunden hatte (heute Irak). Die ersten umfassenden Informationen gehen im selben Land auf sechstausend Jahre vor unserer Zeitrechnung zurück. Damals schon führte man chirurgische Eingriffe aus (vor allem Augenoperationen wegen dem grauen Star) und behandelte Krankheiten mit Kräutern und besonderen Diäten. Der Asû (Arzt) machte seine Diagnose aufgrund eines langen Gespräches mit dem Patienten, worin er ihm vor allem Fragen zu seinem moralischen Lebenswandel stellte: Hast du gelogen? Hast du betrogen? Bist du unerlaubt in das Land deines Nachbars eingedrungen? Hast du Ehebruch begangen? Hast du Zwietracht in der Familie oder unter Freunden gesät?
Die Liste solcher Fragen konnte noch viel länger sein, weil man damals richtigerweise glaubte, dass die Unmoral über das Unbewusste und das psychosomatische System ein energetisches Ungleichgewicht im Menschen bewirkt, das in Krankheit mündet. Und wir wundern uns heute, warum sich Krankheiten so über die Welt ausbreiten und kaum Heil- mittel gefunden werden.

Ägypten: Einige Jahrhunderte später kam es zu einem wissenschaftlichen und kulturellen Austausch zwischen Sumer und Ägypten, der reiche Blüten trieb. Obwohl nur sehr wenig in der ursprünglichen Sprache dieser Länder erhalten blieb, ermöglichte es die Erfindung des Papyrus, dass wir heute einen Eindruck vom Leben im damaligen Ägypten haben und Informationen sogar bis ins Alte Reich (um 2755 bis 2255 v. Chr.) zurückverfolgen können. So gibt der Papyrus Ebers (ca. 1550 v. Chr.) nicht nur die Legende von Isis und Osiris wieder, sondern auch präzise Indikationen für eine Vielzahl gesundheitlicher Probleme, die den Bogen spannen von ganz fundamentalen bis hin zu rein ästhetischen Betrachtungen, wie zum Beispiel Haarausfall. Dieses Werk gilt als das älteste bekannte „Buch“ und enthält die Beschreibung von 857 Arzneien. Der ähnlich alte Edwin Smith Papyrus ist ein erstaunliches Dokument über Chirurgie und diverse Krankheitslehren. Ausführliche Beschreibungen gynäkologischer Krankheiten und deren Heilmittel findet man ihm Papyrus Kahoun. Und der Papyrus Hearst beschreibt Blaseninfektionen, Darmparasiten und Bisswunden. Auch 260 Heilrezepte findet man darin. Gelehrte vermuten, dass im alten Sumer und Ägypten noch weit größeres medizinisches Wissen vorhanden, im Lauf der Zeit jedoch verloren gegangen war.
Zur gleichen Zeit entwickelten sich ähnliche Wissenschaften auch auf anderen Kontinenten, vor allem in China, doch die Menschheit musste einige Tausend Jahre auf die ersten ausführlichen Manuskripte über Philosophie, Astronomie – und nicht zuletzt Medizin – warten.

Griechenland: „Dann träufelte Helena in das Glas, von dem sie Wein tranken, den magischen Saft, der die Schmerzen stillt und alles Böse vergessen lässt.“ (Odyssee) Helena hatte dieses Wissen offensichtlich von Polydamna dem Ägypter erhalten, und dieses Zitat ist die erste Erwähnung des Erbes von Memphis (antike Hauptstadt Ägyptens) in der Literatur. Gerade in Ägypten sollten die Griechen eine der glorreichsten kulturellen und wissenschaftlichen Bewegungen aller Zeiten ins Leben rufen, eine echte Revolution, welche die mediterranen, nahöstlichen und westlichen Gesellschaften bis heute vorantreibt.

(von Hassan Halaby)

Teil 2 hier

Links