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Liebe geht DOCH durch den Magen: Advent, Advent …

Archivmeldung vom 08.12.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 08.12.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Grafik: Herbert Jost-Hof
Grafik: Herbert Jost-Hof

Vor dem Fest der Liebe liegt die Adventszeit. Und die Adventszeit ist gefüllt mit Jahresabschluss- und Weihnachtsfeiern, an denen manche allerdings schon zu sehr auf das Fest der LIEBE konzentriert scheinen ...

Wieder so eine Frage: „Kannst Du nicht am nächsten Donnerstag …?“ - „Hast Du am 21. noch Zeit?“
Die Antwort ist immer die gleiche: Nein, Du kannst nicht. Und nein, Du hast nicht. Schließlich ist Advent.

Bis vor 95 Jahren war die Katholische Kirche noch verbissen der Meinung gewesen, zwischen dem 11.11. und dem darauffolgenden 6. Januar MÜSSE gefastet werden. Dann hat sie es aufgegeben. Und seitdem hat sich gerade die Adventszeit mehr und mehr zur Zeit der Völlerei schlechthin entwickelt.

Jedes noch so kleine Unternehmen und jeder noch so winzige Verein MUSS schließlich eine Weihnachtsfeier ausrichten, von der Familie, die sich dem großen Weihnachts-Happening entgegen futtert, ganz zu schweigen. Und da Du ein anerkannt soziales Wesen bist, sind zumindest all Deine Abende belegt, wobei es noch Optionen auf zwei Samstagnachmittage gibt.

Nur ob Du wirklich Deinen Nichten und Neffen beim Krippenspiel zusehen willst, hast Du noch nicht entschieden. Irgendwie fühlt sich der Gedanke nicht gut an, erinnert er Dich doch an ein schmerzhaftes Stückchen Kindheit. Man hatte Dein Schauspieltalent schon in der Grundschule als so unterirdisch eingeschätzt, dass man Dir nicht einmal die Rolle eines stummen Hirten zugetraut, sondern Dich in Grün gewandet und zu einem Baum erklärt hatte.
Das war WIRKLICH demütigend gewesen. So lange Du noch weiter damit zu tun haben wirst, diese Schmach zu verdauen, kann Dich auch die Aussicht auf Kuchen und Torten nach dem feierlichen Theater-Erlebnis nicht wirklich reizen.

Schon wieder Völlerei. Ach ja … Das ist zwar nicht mehr so ganz der Geist, der noch vor einhundert Jahren das Fest bestimmte und bei dem es – zumindest der Idee nach – eher um „Einkehr“ und „Nachdenken“ und solche schrägen Sachen ging. Aber schließlich hat sich die Welt seitdem verändert. Das „Fest der Liebe“, auf das die Adventszeit vorbereiten soll, sieht heute eben etwas anders aus. Und Liebe geht nun eben DOCH durch den Magen – Punkt.

Wenn man es genau betrachtet, dann ist doch die gemeinsame friedvolle Vernichtung von Lebensmitteln eine uralte Tradition, die Verbundenheit herstellt und demonstrieren soll. Das passt. Es muss ja auch nicht immer gleich „Liebe“ sein. „Verbundenheit“ ist da oft schon eine ganze Menge. Oder einfach nur für ein paar Stunden … oder vielleicht auch nur für die Zeit, in der man kaut ... Frieden untereinander zu wahren.

Zumindest wenn Du Dir Dein berufliches Umfeld betrachtest, kommt es Dir so vor, als sei das bereits ein recht anspruchsvolles Ziel.
Das entschieden Beste an Euren Weihnachtsfeiern ist in der Tat immer das Essen. Es hat sich so eingebürgert, dass als Hauptgang Wild serviert wird, bevorzugt in der Form eines Wildschein-Gulaschs.
Fast ist das nun schon Tradition, obwohl der ursprüngliche Gedanke wohl eher so etwas war, wie „Wenn wir schon mit den Leuten auf einem Haufen sind, die wir täglich sehen, dann lasst uns wenigstens etwas essen, was wir nicht so oft auf dem Teller haben“.
Naja – und schließlich: Wenigstens für Dich gibt es auch sonst keine Wildgerichte. Einmal im Jahr, auch wenn es in jedem Jahr zur gleichen Zeit ist, hat damit tatsächlich Seltenheitswert, gemessen etwa an der Frequenz, mit der Du Ravioli aus der Dose isst.

Der eher etwas unangenehme, mithin störende, teilweise sogar überaus verstörende Aspekt der Weihnachtsfeier Eures Betriebs ist eigentlich nie dem Essen, sondern stets den vor, mit und nach dem Essen servierten Getränken geschuldet, die gern alkoholisch und noch lieber hochprozentig sind.
Dann kann es schon einmal passieren, dass ein Gehirn im dichten Nebel alkoholischer Dünste aus- und damit das Benehmen des oder der Betreffenden zum Sinkflug ansetzt. Das ist nur selten komisch, schon gar nicht für die unmittelbar Betroffenen.

Sieht man von solchen Episoden wie der des Vorjahres ab, wo Herr Fritschmann von der Lagerleitung in stetigem Zustand der Enthemmung plötzlich feststellte, dass er noch nicht zu den dreißig Prozent der Bevölkerung gehörte, für die sich ernsthafte zwischenmenschliche Beziehungen am Arbeitsplatz anbahnen und ganz offensichtlich der Meinung war, das dringend während der Weihnachtsfeier ändern zu müssen.
Bereits nach etwa einer halben Stunde noch eher allgemeinen Balzverhaltens war ihm zusätzlich klar geworden, dass er mit seinen dreiundvierzig Jahren reif für die Midlife-Crisis war und sich sein Werben daher in keinem Falls auf Gleichaltrige, sondern auf eine junge Dame richten sollte, die ebenso gut seine Tochter hätte sein können. Vermutlich verführte ihn die Bezeichnung „Praktikantin“ dazu, in Sandra Simensen aus der Buchhaltung die rechte Partnerin für seine geplante Übung praktischer Nächstenliebe zu sehen.

Wie sich allerdings schnell herausstellte, war ihm die junge Frau in allem außer der Alkoholmenge im Blut überlegen und sie zeigte ihm eine so kalte Schulter, dass der Schnee, den Du heute morgen von Deinem Auto kehren musstest, dagegen ein warmer Aprilschauer war. Dies allerdings – und das war das Phantastische daran – in einer so raffinierten Art, dass sogar dem besäuselten Fritschmann klar war, nicht bei ihr landen zu können, er aber gleichzeitig nur so weit das Gesicht verlor, wie er selbst es mit Gewalt provozierte.
Nicht zuletzt dieser Beweis von Intelligenz und Fingerspitzengefühl führte sieben Wochen später zu einer „Sandra muss bleiben!“-Kampagne, die leider völlig ins Leere lief, da Sandra gar nicht hatte bleiben wollen.

Und was Dich selbst betrifft: Im Gegensatz zu Fritschmann gehörst Du sehr wohl zu dem knappen Drittel der werktätigen Bevölkerung, dem am Arbeitsplatz die große Liebe begegnet. Und in jedem Jahr stellst Du von Neuem fest, dass auch Weihnachtsfeiern des Betriebs gar nicht so schlecht sind und dass Wildschwein sogar noch besser schmeckt, wenn man es nicht nur zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen, sondern Seite an Seite mit dem Menschen zu sich nimmt, den man in stiller Zweisamkeit mit gutem Grund seinen „Schatz“ nennt.

Text von Herbert Jost-Hof

Passend zur Kolumne von Herbert Jost-Hof folgt hier nun zwei Rezepte, eines davon vegan.

Wildschweingulasch mit Waldpilzen

Zutaten für 4 Portionen500 g Gulasch vom Wildschwein
2 Zwiebel(n)
2 EL Tomatenmark
250 ml Rotwein, trocken
400 ml Wildfond
400 ml Rinderbrühe, (Instant)
500 g Pilze, gemischt, TK
2 Wacholderbeeren
1 Piment
2 Lorbeerblätter
1 Becher Crème fraîche
Salz und Pfeffer

Zubereitung
Das Gulasch waschen, trocken tupfen und mit Salz und Pfeffer würzen.
Die Zwiebeln in feine Ringe schneiden.

Das Gulasch in etwas Öl oder Schmalz rundherum anbraten bis er eine schöne Farbe hat. Dann herausnehmen und abgedeckt zur Seite stellen.
Die Zwiebelringe im gleichen Fett anbraten bis sie Farbe genommen haben. Die 2 Löffel Tomatenmark dazugeben und kurz mitbraten. Mit dem Rotwein ablöschen und aufkochen, den Wildfond angießen und aufkochen und dann mit der Brühe ergänzen.
Wacholderbeeren, Lorbeerblätter und Piment dazugeben und mit geschlossem Deckel 1 Stunde und 45 Minuten schmoren lassen. Gelegentlich umrühren.

Ca. 15 Minuten bevor die Zeit um ist, die Waldpilze tiefgefroren in eine zweite Pfanne geben und auf großer Hitze braten bis das austretende Wasser vollständig verdampft ist. Mit Salz und Pfeffer würzen, mit etwas Wasser oder Brühe ablöschen und zu dem Wildschweingulasch geben.

Zusammen nochmal 10 Minuten weiterköcheln. Dann Creme fraiche einrühren, Lorbeerblätter, Wacholderbeeren und Piment entfernen und auf gewünschte Konsistenz eindicken. Falls notwendig (in der Regel nicht) mit Salz und Pfeffer würzen.

Veganes Gulasch

Zutaten für 2 Portionen
100 g Soja - Würfel
1 Zwiebel(n)
½ Tasse/n Rotwein (Vegan geklärt)
1 ½ Tasse/n Gemüsebrühe
1 TL Tomatenmark
etwas Öl
etwas Salz und Pfeffer
Muskat
½ TL Currypulver
etwas Schabzigerklee
etwas Chili
evtl. Mehl oder Johannisbrotkernmehl

Zubereitung
Die Sojawürfel in ausreichend Wasser und ½ Tasse Gemüsebrühe aufkochen lassen, mit Salz und Pfeffer würzen und 5-8 Minuten kochen, bis sie weich sind. Anschließend abgießen und abtropfen lassen.

Die Zwiebel in kleine Würfel schneiden und in einer Pfanne mit hohem Rand glasig anbraten. Die Sojawürfel dazugeben und so lange weiter braten, bis sie leicht angeröstet sind. Mit dem Rotwein aufgießen und auf mittlerer Stufe einköcheln lassen. Anschließend mit der Gemüsebrühe aufgießen, das Tomatenmark unterrühren und mit den Gewürzen pikant abschmecken.

Falls die Sauce zu dünnflüssig ist, mit etwas Mehl oder Johannisbrotkernmehl binden.
Arbeitszeit: ca. 15 Min.

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