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100 Jahre Seebrückenunglück in Binz

Archivmeldung vom 14.06.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 14.06.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt. Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Die Seebrücke in Binz (2011)
Die Seebrücke in Binz (2011)

Foto: Klugschnacker
Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Am 28. Juli 2012 jährt sich das Seebrückenunglück in Binz auf Rügen zum 100. Mal. Es gilt als die Geburtsstunde der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), die am 19. Oktober 1913 im Hotel "de prusse" in Leipzig gegründet wurde. Am Samstag, dem 28. Juli, erinnern die DLRG und die Gemeinde Binz gemeinsam mit einer großen Freiluftveranstaltung im Seebad und am Strand an die Tragödie und die weitreichenden Folgen für die damalige Gesellschaft und ihre Nachfolger.

Der 28. Juli 1912 war ein heißer sonniger Sonntag. Gegen 19 Uhr hielten sich etwa 1.000 Menschen auf der 560 Meter langen Seebrücke auf. Viele warteten auf den Bäderdampfer Kronprinz Wilhelm, andere Besucher beobachteten die Kriegsschiffe der kaiserlichen Marine, die vor Binz auf Reede lagen. Eine große Menschenmenge hatte sich auf dem tiefer gelegenen Landungssteg versammelt. Ein etwa acht Meter langer Stützbalken unter dem Landungssteg hielt dem großen Gewicht nicht Stand und zerbrach mit einem lauten berstenden Geräusch. 60 bis 80 Menschen stürzten in die an dieser Stelle sechs Meter tiefe Ostsee. Sie kämpften verzweifelt um ihr Leben. 14 Personen, acht Frauen, vier Männer und zwei Kinder ertranken in der schäumenden See. Einige wagemutige Helfer, Offiziere und Matrosen der Kriegsschiffe sowie Richard Römer aus dem westfälischen Hohenlimburg, der als Offizier in Berlin stationiert war und sich "schwarzen", nicht genehmigten, Urlaub genommen hatte, retteten unter eigener Lebensgefahr viele Ertrinkende vor dem nassen Tod. Mehrere Tage später starben noch zwei weitere Frauen an den Spätfolgen des Unglücks, so dass sich die Zahl der Opfer auf 16 erhöhte.

Die meisten der 1.000 Besucher auf der Seebrücke konnten nur tatenlos und verzweifelt zuschauen, wie die unglücklichen Opfer ertranken. Es blieb die Erkenntnis, dass kaum jemand in der Lage war, Ertrinkende zu retten. Nur 2 bis 3% der damaligen Bevölkerung konnte schwimmen. Über Wochen berichteten die Medien über die Tragödie. Das Seebrückenunglück war der Auslöser für die Gründung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Am 5. Juni 1913 veröffentlichte der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) in seinem offiziellen Organ "Der deutsche Schwimmer" den Aufruf zur Gründung der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft. Die Überschrift lautete: "5000 Menschen ertrinken jährlich in Deutschland!" Retten lernen, hieß das im Aufruf postulierte Ziel, der von 13 führenden Persönlichkeiten des DSV unterzeichnet worden war.

Heute ist die DLRG mit über 1,1 Millionen ehrenamtlichen Mitgliedern und Förderern die größte Wasserrettungsorganisation der Welt und Deutschlands größter Anbieter von Schwimmkursen. Es ist den Lebensrettern gelungen, die Schwimmfähigkeit der Bevölkerung auf über 80 Prozent zu steigern und die jährliche Ertrinkungsrate um über 90% auf 410 Todesfälle im Jahr 2011 zu senken.

Quelle: DLRG - Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (ots)

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