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Gewalt hinter Gittern: Jeder vierte Häftling wird Opfer

Archivmeldung vom 15.08.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 15.08.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Dieter Schütz / pixelio.de
Bild: Dieter Schütz / pixelio.de

Der deutsche Strafvollzug hat ein Gewaltproblem: Jeder vierte Häftling wird hinter Gittern im Laufe eines Monats Opfer von körperlichen Übergriffen, wie die Wochenzeitung "Die Zeit" berichtet. Das geht aus einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen hervor, die an diesem Donnerstag erscheint.

25,7 Prozent aller männlichen Befragten und 25,6 Prozent aller weiblichen Befragten gaben an, in den vier Wochen zuvor im Gefängnis Opfer physischer Gewalt geworden zu sein; bei den Jugendlichen sind es 49 Prozent. Die Wissenschaftler haben 6.384 Häftlinge in 33 Gefängnissen in Bremen, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen und Thüringen anonym befragt. Die Gefangenen berichteten von körperlichen und sexuellen Übergriffen, von Schlägen im Sportraum, von Vergewaltigungen in der Gemeinschaftsdusche.

Als besonders gefährliche Orte entpuppten sich die Gemeinschaftszellen sowie unübersichtliche Flure, Duschen und Freistundenhöfe mit dunklen Ecken. Fast die Hälfte der Opfer gab an, keine Anzeige erstattet zu haben. Außerdem berichtete jeder zweite Gefangene von anderen Formen der Gewalt: Die Häftlinge wurden schikaniert, erpresst, von gemeinsamen Aktivitäten ausgeschlossen, mit Müll oder Exkrementen beworfen oder durch Lügen und Gerüchte verächtlich gemacht.

Die Forscher haben die Anstaltsleiter über jene Fälle von körperlichen Auseinandersetzungen und sexuellen Übergriffen informiert, zu denen sie genauere Informationen hatten. Die Untersuchung ist die erste aussagekräftige Studie, die das Ausmaß des Gewaltproblems im deutschen Strafvollzug erkennen lässt.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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