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Verdacht auf Kindeswohlgefährdung an der Staatlichen Ballettschule Berlin

Archivmeldung vom 23.01.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 23.01.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Balletttänzer in typischer Kostümierung für klassisches Ballett
Balletttänzer in typischer Kostümierung für klassisches Ballett

Foto: FlickreviewR
Lizenz: CC BY 2.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

An der Staatlichen Ballettschule Berlin soll es über Jahre hinweg Missstände gegeben haben. Der Redaktion rbb24 Recherche liegen Dokumente und Aussagen vor, die drillartige Ausbildungsmethoden und Überlastungen der Schülerinnen und Schüler beschreiben. Demzufolge soll an der Eliteschule bei Unterrichts-, Proben- und Auftrittszeiten gegen Jugendschutzregelungen verstoßen worden sein.

Auf Verletzungen und Erkrankungen sei kaum Rücksicht genommen worden. Ehemalige Schülerinnen beklagen eine sexualisierte Sprache und so genanntes Bodyshaming. In Folge des Drucks soll es zu häufigen Essstörungen und Anzeichen extremer Erschöpfung gekommen sein. Sogar bisher unbewiesene Gerüchte über sexuelle Übergriffe einer Lehrkraft werden seit Monaten diskutiert.

In den Unterlagen und Aussagen, die rbb24-Recherche vorliegen, geht es auch um den Vorwurf, die bisherige Schulleitung um Professor Ralf Stabel und den künstlerischen Leiter Gregor Seyffert habe ein System von Abhängigkeiten geschaffen, in dem willkürliche Sach- und Personalentscheidungen gefällt worden sein sollen. In einem Beschwerdepapier an die Schulleitung und die Schulaufsicht, das von rund zwei Dritteln der Mitarbeiter unterzeichnet worden ist, ist von einer "Kultur der Angst" die Rede, die an der Ballettschule herrsche. Stabel und Seyffert wollen sich zu den Vorwürfen nicht äußern und verweisen an die zuständige Senatsverwaltung. Von da heißt es: Zum Beschwerdepapier "Kultur der Angst" gebe es auch diverse Gegendarstellungen von Mitarbeitern.

Schulleitung und Schulaufsicht seien über die der Redaktion rbb24-Recherche berichteten konkreten Missstandsfälle nicht informiert worden. Beschwerden dazu lägen nicht vor. Die Senatsbildungsverwaltung nimmt die Vorwürfe dennoch sehr ernst, sagte Staatssekretärin Beate Stoffers dem rbb. Sie hat inzwischen eine Kommission unter Leitung der ehemaligen Ballettschulleiterin Hannelore Trageser einberufen. Der Kommission sollen auch unabhängige Mitglieder, die nicht aus der Verwaltung kommen, angehören. Sie soll alle Vorwürfe unabhängig, umfassend und zeitnah untersuchen. Elite bedeute nicht, dass man bestimmte Grundregeln nicht einzuhalten habe, so Stoffers.

Quelle: Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) (ots)

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