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NDR: Senat bestätigte schon 2006 "Schwachstellen" im Jugendamt Hamburg-Mitte

Archivmeldung vom 04.02.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 04.02.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Der Senat tagt im Hamburger Rathaus Bild: Daniel Schwen / de.wikipedia.org
Der Senat tagt im Hamburger Rathaus Bild: Daniel Schwen / de.wikipedia.org

Der Hamburger Senat und das Bezirksamt Hamburg-Mitte waren offenbar schon länger und umfangreicher über Missstände im Jugendamt Hamburg-Mitte informiert als bislang bekannt. Dem NDR Fernsehen liegen mehrere massive Beschwerdebriefe von freien Jugendhilfe-Trägern und Pflegeeltern vor, die an den damaligen Ersten Bürgermeister Ole von Beust (CDU), den damaligen Justizsenator Till Steffen (GAL) und den Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) gerichtet waren.

In zumindest einem Antwortschreiben werden die Missstände auch von Seiten des Senats eingeräumt: Der Leiter des Amtes für Soziales und Familie antwortete im Dezember 2006 im Auftrag von Beusts einer Pflegefamilie, er habe "Schwachstellen im Planungs- und Bewilligungsbereich von Hilfen zur Erziehung feststellen müssen, die zu nicht zu akzeptierenden Ergebnissen geführt" hätten. Er kündigte an, gemeinsam mit dem Jugendamt Hamburg-Mitte "diese Schwachstellen weiter analysieren und Abhilfe schaffen" zu wollen. Die Pflegefamilie hatte sich über Untätigkeit, Beleidigungen bis hin zu persönlichen Angriffen beschwert. Ihr Schreiben gipfelte in dem Satz: "Die Schwelle des Erträglichen ist lange erreicht!"

Die Senatskanzlei teilte dem NDR mit, sie prüfe den Vorgang zurzeit. Ein Ergebnis liege bislang noch nicht vor.

Im NDR Fernsehen berichtet zudem Pflegefamilie B., dass seit der Aufnahme eines damals sechs Monate alten Babys mit Behinderung im Jahr 2001 das Jugendamt nur einmal einen Hausbesuch abgestattet habe. In einem Schreiben der Anwälte des Jugendamtes heißt es, dass Hausbesuche "wenn überhaupt für das Jugendamt nur mit unvertretbar hoher und mehrmonatiger Vorbereitungszeit möglich" seien. Das Bezirksamt Hamburg-Mitte wollte sich zu diesem Vorgang mit dem Hinweis auf laufende Verfahren nicht äußern.

Der Landesverband für Kinder in Adoptiv- und Pflegefamilien in Schleswig-Holstein bemängelt seit mehreren Jahren angebliche "massive institutionelle Kindeswohlgefährdungen" durch die Mitarbeiter des Jugendamtes Hamburg-Mitte sowie einen oftmals willkürlichen Umgang mit Pflegeeltern. Der Verein, der auch Pflegefamilien in Hamburg betreut, wirft der Behörde vor, dass Fallbeurteilungen vorgenommen würden, ohne das Kind oder die Pflegeeltern überhaupt zu kennen. Medizinische Diagnosen und Empfehlungen würden ignoriert. Beschwerden seien ins Leere gelaufen. Seit dem Tod von Lara-Mia vor drei Jahren seien immer häufiger Pflegeeltern auf den Verband zugekommen, die von den Hamburger Behörden, insbesondere dem Jugendamt Hamburg-Mitte schlecht behandelt würden, sagte die Vorsitzende des Verbandes, Birgit Nabert.

Das Jugendamt Hamburg-Mitte steht derzeit wegen des Todes der elfjährigen Chantal in der Kritik - das Mädchen, das in einer Pflegefamilie aufwuchs, war am 16. Januar an einer Methadon-Vergiftung gestorben.

Quelle: NDR Norddeutscher Rundfunk (ots)

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