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NVA-Veteranen sagen Treffen in Dessau nach massivem Protest ab

Archivmeldung vom 20.04.2022

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 20.04.2022 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Ehrenwache des Wachregiments Friedrich Engels der NVA
Ehrenwache des Wachregiments Friedrich Engels der NVA

Von Michail Jungierek, CC BY-SA 3.0, Link

Das für den 14. Mai im Dessauer Veranstaltungszentrum Golfpark geplante Treffen von NVA-Veteranen ist nach massiver Kritik abgesagt worden. Das Jahrestreffen des "Verbandes zur Pflege der Traditionen der NVA und Grenztruppen der DDR" findet nicht statt. Entsprechende Informationen der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung bestätigte Golfpark-Geschäftsführer Christian Soetje auf Nachfrage. "Die Herren haben mich darum gebeten, alle Verträge aufzuheben", sagte er.

Dem sei man umgehend nachgekommen. "Alles ist unter Dach und Fach", so Soetje. Der Verband habe am Ostermontag um die Auflösung des Nutzungsvertrags gebeten. Gründe habe er nicht genannt.

Ursprünglich wollten die Ex-Soldaten bei ihrem großen Jahrestreffen in alten Erinnerungen schwelgen und sich über militärische Themen und Politik austauschen. Auch Fallschirmsprünge, die an militärische Einsätze erinnern, waren geplant. Es wurden Gäste aus ganz Deutschland erwartet.

Auf seiner Website verbreitet der Verband allerdings seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine pro-russische Stellungnahmen, zweifelt Kriegsverbrechen der Russen an und übernimmt Putins Erzählung von einer "Spezialoperation" zur "Befreiung" der angeblich unterdrückten "Volksrepubliken" im Osten der Ukraine. Die Schuld für den Krieg sieht der Verband bei der Nato und der Ukraine selbst. In einem aktuellen Beitrag wird behauptet, ukrainische Sicherheitskräfte würden sich als Russen verkleiden und Zivilisten erschießen.

Für Kritik hatte die pro-russische Haltung insbesondere gesorgt, da in unmittelbarer Nachbarschaft des Golfparks ukrainische Flüchtlinge in der Turnhalle des Berufsschulzentrums untergebracht sind.

Am Mittwoch reagierte Geschäftsführer Soetje gegenüber der MZ erleichtert auf die Absage. "Ich glaube, dass das für alle die sinnvollste Lösung ist", sagte er. Die Auflösung im "beiderseitigen Einvernehmen" sei auch die einzige Möglichkeit gewesen, die Veranstaltung nicht stattfinden zu lassen. Von sich aus habe der Golfpark die Ex-Soldaten nicht vor die Tür setzen können, ohne eine Vertragsstrafe oder gar ein Gerichtsverfahren zu riskieren. Grund: Der Verband hat sich mit seiner von der Mehrheitsmeinung abweichenden Einschätzung zu Russlands Angriffskrieg nicht strafbar gemacht.

Eine Vertragsstrafe oder Schadensersatz muss nun keine der beiden Seiten zahlen, sagte Soetje. "Wir haben uns auf eine Kostenfreiheit für alle Beteiligten geeinigt." Ein Minusgeschäft dürfte die Absage trotzdem für beide Parteien sein. Die Ex-Soldaten hatten viele Programmpunkte geplant und sogar Orden und Erinnerungswimpel anfertigen lassen. Ob der Golfpark innerhalb von nicht einmal einem Monat einen neuen Nutzer für das Wochenende findet, ist ebenfalls unklar. Der Verband äußerte sich am Mittwoch zunächst nicht zu der Absage.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung (ots)

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