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Kaffeefahrten - das dubiose Geschäft hält an

Archivmeldung vom 09.03.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 09.03.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott
Bild: ©AngelaL/pixelio.de
Bild: ©AngelaL/pixelio.de

Die Einladung zu einer Tagesreise mit gratis Frühstück und Mittagessen zu einem attraktiven Reiseziel kommt per Post. Die Firma JMS Sonderfahrten aus dem niedersächsischen Cloppenburg lockt vor allem Senioren aus unserer Region mit kostenlosen Reisegeschenken. Auch eine Tombola wird versprochen.

Der Hauptgewinn: 15 000 Euro. Und all das zum Nulltarif. Hinter der JMS Sonderfahrten verbergen sich sogenannte Kaffeefahrt-Betreiber, die vor allem Senioren aus Berlin und Brandenburg völlig überteuerte Artikel verkaufen wollen. Rentner Manfred L. aus Berlin erwarb auf einer solchen Kaffeefahrt ein Fußmassagegerät für 398 Euro. Ein identisches Produkt ist im Netz für 78 Euro zu finden.

Das rbb Verbrauchermagazin SUPER.MARKT begleitet Manfred L. mit versteckter Kamera zu einer "Sondermessefahrt 2020". Veranstalter ist wieder die JMS Sonderfahrten aus Cloppenburg. Die Reise geht ins Brandenburgische Brodowin. In einem Gasthof preist ein Mitarbeiter u.a. Badewanneneinlagen an und Milbenstaubsauger, die angeblich Ungeziefer töten. Auch Gesundheitsmittel werden angeboten: Eine Kur zur besseren Durchblutung für 798 Euro. Der Höhepunkt ist eine dünne Matratzenauflage für eine vierstellige Euro-Summe.

SUPER.MARKT-Reporter fragen nach beim zuständigen Ordnungsamt im Landkreis Barnim, ob diese Verkaufsveranstaltung auch angemeldet ist. Da keine Anmeldung vorliegt, kommen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes in den Gasthof nach Brodowin und lösen die Veranstaltung auf. Jan Fritsche vom Ordnungsamt Barnim begründet die Entscheidung so: "Es liegt keine Reisegewerbekarte vor, keine Genehmigung vor. Dann ist das Schwarzarbeit, dann wird da Steuer hinterzogen. Diese Veranstaltung wurde per Ordnungsverfügung untersagt."

Seit fünf Jahren liegt der Bundesregierung ein Gesetzentwurf zum Verbot derartiger Veranstaltungen vor. Gefordert werden schärfere Kontrollen und eine Verzehnfachung der Ordnungsgelder. Zudem sollen Nahrungsergänzungsmittel, Medizinprodukte und Reisen auf solchen Kaffeefahrten nicht mehr verkauft werden. Tabea Rößner, Bundestagsabgeordnete Bündnis 90/Die Grünen, kritisiert den Umgang mit diesem Entwurf: "Letztlich ist es eine Frage des Parlaments und vor allem der Koalition, die den aufsetzen könnte. Damit wir das ins parlamentarische Verfahren bekommen."

Das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) in Kehl warnt zudem vor weiteren Unternehmen, die kostenlose Ausflugsfahrten anbieten. Dabei handelt es sich um die "FER - Freundeskreis ehemaliger Reiseclubs", das "Reise-Service-Center Eindhoven" und die "Travel Trend GmbH Eindhoven". Das Europäische Verbraucherzentrum bietet an: "Da die Unternehmen ihren Sitz in den Niederlanden haben, können sich betroffene Verbraucher*innen kostenlos beim EVZ Deutschland beraten lassen."

Quelle: Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) (ots)


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