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Chancen der E-Zigarette für Rauchentwöhnung werden in Deutschland massiv unterschätzt

Archivmeldung vom 27.05.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 27.05.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
E-Zigarette
E-Zigarette

Foto: User:Mobydoux
Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Das Gesundheitschancen der E-Zigarette für Raucher zur Rauchentwöhnung wird in der deutschen Öffentlichkeit und selbst Fachöffentlichkeit weiterhin massiv unterschätzt. Dieses Fazit zogen die Referentinnen und Referenten beim Online-Symposium "Zwischenbilanz E-Zigarette: Was wir wissen, müssen" am 27.05.2020.

Prof. Dr. Heino Stöver, Initiator der Fachtagung und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Suchtforschung an der Frankfurt-University of Applied Sciences, resümierte: "Die Politik in Deutschland muss den nächsten Schritt gehen und die Potenziale der E-Zigarette bei der Rauchentwöhnung in den Blick nehmen.

Dazu brauchen die Forschenden mehr Fördermittel. Wir müssen die Aufklärungsarbeit für Rauchende direkt, aber auch für Ärzte und Apotheker intensivieren. Das Kernproblem beim klassischen Zigarettenrauchen ist nicht das Nikotin. Es sind die bei der Verbrennung entstehenden krebserregenden Stoffe. Es ist in der Wissenschaft Konsens, dass Raucher mit dem Umstieg auf die E-Zigarette die Schadstoffaufnahme um bis zu 95 Prozent senken können. Die Chancen, die die E-Zigarette für die Rauchentwöhnung bietet, müssen auch die künftige Gesundheitspolitik bestimmen."

Stöver bezeichnete das hochkarätig besetzte Online-Symposium, das von über 800 Personen im Web verfolgt wurde, als Erfolg. Er sagte: "Die Vortragenden haben den aktuellen Forschungsstand zur E-Zigarette differenziert aufbereitet und die Chancen für die Rauchentwöhnung in den unterschiedlichen Kontexten klar aufgezeigt."

Die wichtigsten Aussagen und Erkenntnisse im Überblick

Dr. med. Thomas Hering, Facharzt für Pneumologie, Allergologie und Schlafmedizin mit dem Schwerpunkt Tabakentwöhnung, bezeichnete es als weit verbreitete gravierende Fehleinschätzung, dass E-Zigaretten genauso schädlich seien wie Tabakzigaretten. Er berichtete, dass E-Zigaretten als Ersatzprodukte bei der Rauchentwöhnung wesentlich besser angenommen würden als beispielsweise nikotinhaltige Kaugummis.

Prof. Dr. med. Martin Storck, Direktor der Klinik für Gefäß- und Thoraxchirurgie am Städtischen Klinikum Karlsruhe, stellte klar, dass Nikotin selbst Krankheiten wie Arteriosklerose nicht fördere. Die schädliche Wirkung gehe vom Tabakrauch aus. Erfahrungen aus Schweden und Norwegen zeigten, dass die Raucherquote in der Bevölkerung durch die Verwendung von Ersatzprodukten wie Snus deutlich gesenkt werden könne. Storck sagte, dass Langzeitdaten zu E-Zigaretten und Tabakerhitzern derzeit noch ausstünden. Er sprach sich für eine differenzierte Risikokommunikation an Raucher aus, die die Potenziale der E-Zigarette bei der Rauchentwöhnung explizit berücksichtige.

Ute Mons, Epidemiologin und Public-Health-Wissenschaftlerin am Deutschen Krebsforschungszentrum sagte: "Im bestimmungsgemäßen Gebrauch haben E-Zigaretten nur einen Bruchteil des Krebsrisikos von Tabakzigaretten." Ein Umstieg sei daher auf jeden Fall zu begrüßen. Sämtliche ihr bekannten Studien hätten das Potenzial von E-Zigaretten bei der Tabakentwöhnung deutlich gezeigt. Natürlich sei eine vollständige Entwöhnung wünschenswert, aber in der Praxis oft nicht realistisch. Von sogenanntem dualem Konsum, also dem Rauchen von Verbrennungs- und E-Zigaretten riet sie in jedem Fall ab. Es sei weiterhin erstaunlich, sagte Mons weiter, dass die ausgewogene und differenzierte Risikokommunikation bei Rauchern in Deutschland nicht ankomme. Sie kritisierte zugleich, dass die politische Unterstützung für den Forschungsansatz der Risikominimierung derzeit noch nicht ausreichend vorhanden sei. Forschungsanträge würden abgelehnt, in Großbritannien sei man in der Diskussion und der sachlich-nüchternen Bewertung von Möglichkeiten der E-Zigarette bei der Rauchentwöhnung viel weiter.

Daniela Jamin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Suchtforschung an der Frankfurt University of Applied Sciences und Mitautorin des Ratgebers E-Zigarette, ergänzte, dass der Irrglaube, dass E-Zigaretten gefährlicher als klassische Zigaretten seien, selbst unter Ärzten und Apothekern weit verbreitet sei. So würden 69 Prozent der Ärztinnen und Ärzte und sogar 91 Prozent der Apothekerinnen und Apotheker das Konzept der Risikominimierung gar nicht kennen und sich unzureichend über die E-Zigarette informiert fühlen. Es fehle daher derzeit schlicht am Faktenwissen. Außerdem verwies Jamin auf die Chancen der E-Zigarette im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Sie befürwortete die Organisation von Gesundheitstagen und die Verstärkung entsprechender Informationsangebote in Unternehmen.

Stöver kündigte das nächste Symposium zur E-Zigarette für den 15. Oktober 2020 an. "Uns geht es darum, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in konkretes politisches Handeln umgesetzt werden können. Daher werden wir weiter daran arbeiten, den für Raucherinnen und Raucher vielversprechenden Ansatz der Risikominimierung, englisch Harm Reduction, in Deutschland noch bekannter zu machen. Ich glaube, dass die politische Diskussion zur Rauchentwöhnung um unsere Erkenntnisse nicht herumkommt und Harm-Reduction-Ansätze künftig stärker fördert."

Quelle: Prof. Dr. Heino Stöver - Sozialwissenschaftliche Suchtforschung (ots)

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Bild: Erwin Lorenzen / pixelio.de
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