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Kirchenrechtler hält Amtspflichtverletzungen von Kardinal Woelki im Umgang mit Finanzen für erwiesen

Archivmeldung vom 08.12.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 08.12.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Kardinal Rainer Maria Woelki (2020)
Kardinal Rainer Maria Woelki (2020)

Bild: Eigenes Werk /OTT

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller hält schwere Amtspflichtverletzungen des Kölner Kardinals Rainer Woelki und seines Generalvikars Markus Hofmann im Umgang mit Bistumsvermögen für erwiesen.

Ausgaben für Krisen-PR in Höhe von fast 820.000 Euro hätten zwingend der Zustimmung der Finanzaufsichtsgremien bedurft. Diese nicht eingeholt zu haben, sei "ein schweres Vergehen", sagte Schüller dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Donnerstag-Ausgabe). Der ebenfalls verantwortliche Bistumsökonom habe deshalb "gut getan, jetzt in Rom Selbstanzeige zu erstatten", so Schüller. "Und auch Bistumsverwalter Rolf Steinhäuser hat die einzig richtige Entscheidung getroffen: Ab damit nach Rom!"

In der Zeit von Woelkis Beurlaubung durch den Papst verwaltet Weihbischof Rolf Steinhäuser das größte deutsche Bistum als Apostolischer Administrator. Er hatte den Finanzgremien am Wochenende Gesamtkosten für von Woelki beauftragte Missbrauchsgutachten, Rechtsberatung und Krisen-PR in Höhe von 2,8 Millionen Euro dargelegt. Es seien "Hinweise" auf Unregelmäßigkeiten bei der Auftragsvergabe festgestellt worden.

Die Darstellungen der Bistumsleitung unter Woelki zur Finanzierung aus einem bischöflichen Sondervermögen "für Bedürfnisse des Bistums" (BB-Fonds) bezeichnete Schüller als "verdächtig unspezifisch". Eine Zweckbestimmung wie 'kirchliche Belange' klinge nach Trickserei, Verschleierung und unzulässiger Überdehnung. "Die Aufsichtsgremien sollten sich jetzt exakt darlegen lassen, was die ursprünglichen Geldgeber im Sinn hatten."

Zu den möglichen Folgen der Unregelmäßigkeiten sagte Schüller: "Natürlich weiß man in Rom, dass diese Sache der letzte Sargnagel für Kardinal Woelki sein könnte." Objektiv betrachtet, habe sich die Bistumsleitung "ein weiteres Mal als unseriös und nicht vertrauenswürdig erwiesen". Der Vertrauensverlust werde nach dem Umgang mit dem Missbrauchsskandal nun auch noch durch das Finanzgebaren weiter verschlimmert. "Ich würde sagen: unwiederbringlich verschlimmert." Er halte es für unvorstellbar, dass die Verantwortlichen im Amt bleiben. "Aber: Köln ist reich, der Kardinal ist mächtig, und erst recht das hinter ihm stehende Opus Dei. Man wird sehen, ob er damit am Ende den Kopf über Wasser behält."

Der Kirchenrechts-Experte verwies darauf, dass die Amtshaftung kirchlicher Würdenträger bei bestimmungswidrigem Umgang mit Kirchenvermögen im erneuerten kirchlichen Strafrecht von Papst Franziskus aktuell noch einmal konkretisiert und verschärft worden sei.

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger (ots)

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