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Soziologieprofessor Asit Datta kritisiert Entwicklungshilfepolitik der Bundesregierung

Archivmeldung vom 28.06.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 28.06.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: ExtremNews
Bild: ExtremNews

"Die deutsche Entwicklungshilfe ist eine deutsche Exporthilfe", urteilt der Soziologieprofessor Asit Datta im Interview mit der Tageszeitung "neues deutschland" (Wochenendausgabe). Datta schlägt vor, das von Dirk Niebel (FDP) geleitete Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in "Ministerium zur Förderung der deutschen Wirtschaft" umzubenennen: "Für jeden Euro Hilfe fließen statt vormals 1,34 Euro nun 1,80 Euro an die deutsche Wirtschaft zurück."

Am Donnerstag (27. Juni) hatten in Berlin international tätige Hilfsorganisationen, darunter Misereor, Kritik an dem geringen Entwicklungsetat im von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vorgelegten Bundeshaushalt 2014 geübt. Der gebürtige Inder Datta (Jg. 1937), emeritierter Professor der Leibniz Universität Hannover, sagt, es fließe nicht nur zu wenig Entwicklungshilfe, "sie ist vielfach pure Heuchelei". Dies beträfe nicht nur Deutschland, sondern auch andere westliche Staaten und internationale Institutionen. So würden Afghanistan, Äthiopien, Kongo, Haiti und Pakistan die meisten Gelder erhalten, obwohl sie das Kriterium "Good Governance" nicht erfüllen und nach Transparency International zu den korruptesten Staaten der Welt gehören. Es sei in diesen Empfängerländern nicht garantiert, so Datta, dass die Mittel auch wirklich den Bedürftigen zugute kommen.

Für Hunger und Armut in der Welt macht das Gründungsmitglied von German Watch und Kuratoriumsmitglied der Stiftung Zukunftsfähigkeit auch die Weltbank, den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Welthandelsorganisation (WTO) verantwortlich: "Die drei Riesen scheren sich kaum um die Not in den Entwicklungsländern." Strukturanpassungsprogramme und Handelsliberalismus hätten "viel Unheil angerichtet, Hunger und Not reproduziert und potenziert. Man kann ohne Übertreibung sagen, sie gehen über Leichen."

Quelle: neues deutschland (ots)

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