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Schäuble gesteht Fehler bei der Wiedervereinigung ein: "Wir haben uns zu wenig in die Menschen hineinversetzt"

Archivmeldung vom 26.09.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 26.09.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Wolfgang Schäuble (2017)
Wolfgang Schäuble (2017)

Bild: Unbekannt / Eigenes Werk

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) hat in einem Gespräch mit dem "Tagesspiegel am Sonntag" über Fehler beim Wiedervereinigungsprozess gesprochen.

Der einstige bundesdeutsche Verhandlungsführer beim Einigungsvertrag sagte, "wir haben uns zu wenig in die Menschen, die 40 Jahre lang in einem anderen Teil Deutschlands gelebt haben, und auch in diesen anderen Staat, hineinversetzt. Wir haben nicht hinreichend verstanden, was für ganz andere Erfahrungen die Ostdeutschen hatten." Desweiteren sagte er, "man lernt zunehmend als Westdeutscher, dass wir 1990 offenbar geglaubt haben, wir wüssten, wie's geht. Bei uns hat die Demokratie ja wunderbar funktioniert."

Sabine Bergmann-Pohl (CDU), die Präsidentin der ersten und letzten frei gewählten DDR-Volkskammer und damit auch das letzte Staatsoberhaupt des untergegangenen Landes, entgegnete: "Sie müssen sich einfach in Menschen hineinversetzen, die vorher unter einer Käseglocke gelebt haben, wo der Staat alles für sie geregelt hat. Das veränderte sich bruchartig 1990. Die Menschen wurden in die Freiheit entlassen und waren nicht darauf vorbereitet. Nur kann ich nicht mehr hören, wenn mir Leute sagen, es hätte damals langsamer gehen müssen, man hätte Menschen vorbereiten müssen. Alles Quatsch." Bezogen auf die Flüchtlingskrise sagte Bergmann-Pohl dem "Tagesspiegel am Sonntag": "Es gibt gute Argumente, warum wir nicht alle Flüchtlinge aufnehmen können. Es gibt so viele Gutmenschen bei uns, die sich von heute auf morgen eine bessere und schönere Welt wünschen. Aber wir leben nicht auf Wolke sieben."

Im Gespräch, das aus Anlass des 75-jährigen Bestehens des "Tagesspiegels" stattfand, sprachen beide auch über den gegenwärtigen Zustand der Presse. Schäuble sagte: "Es gibt in der öffentlichen Meinung, auch in der veröffentlichten, schon einen starken Trend zum Mainstream. Das hat mit der unglaublichen Fülle von Informationen und dem Informationswettlauf zu tun. Da wird die Auswahl, welche Nachrichten ich wahrnehme und aufnehme, immer schwieriger. Aber es braucht einen Fokus. Dabei zu helfen, bleibt die Aufgabe der Presse. Sachlich gegen skandalös - man muss versuchen, Widerstandskräfte zu mobilisieren, wenn man da nicht im Mainstream enden möchte."

Quelle: Der Tagesspiegel (ots)


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