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AfD verteidigt Vortrag über Vorzüge des deutschen Kolonialismus

Archivmeldung vom 28.11.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 28.11.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
(Symbolbild)
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Lizenz: Public domain
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Die AfD-Bundestagsfraktion hat die Einladung eines US-Professors in den Bundestag verteidigt, der am 11. Dezember über die Vorzüge des deutschen Kolonialismus für die afrikanischen Länder referieren soll.

Bruce Gilley von der Portland University in Oregon soll im AfD-Fraktionssaal zum Thema "Die Bilanz des deutschen Kolonialismus. Warum sich die Deutschen nicht für die Kolonialzeit entschuldigen und erst recht nicht dafür bezahlen müssen" sprechen. In der Ankündigung, über die die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet und die sich "an alle MdBs, Referenten, Mitarbeiter und Presse" richtet, heißt es: "Prof. Gilley wird uns im Bundestag beehren und uns erklären, warum die kurze deutsche Kolonialgeschichte ein Vorteil für Länder wie Tansania, Kamerun und Togo war, der bis heute nachhallt." Gilley hatte 2017 mit dem Aufsatz "The Case for Colonialism" (Die Vorteile des Kolonialismus) im Journal "Third World Quarterly" für Empörung gesorgt.

In diesem forderte er offen, die "abschätzige Bewertung des Kolonialismus" zu überdenken, weil dieser durchaus legitim gewesen sei und für die Entwicklung der betroffenen Länder positive Folgen gehabt habe. Nach dem Ende der Besetzung durch die Kolonialherren hätten sich Länder wie Guinea-Bissau in eine "Kloake menschlichen Leids" entwickelt - unter portugiesischer Herrschaft hätte das Land hingegen zu einem "prosperierenden und menschlichen Macau Afrikas" werden können, implizierte Gilley. Seine Schlussfolgerung: Der Westen müsse eine abermalige Kolonialisierung der afrikanischen Länder in Erwägung ziehen. "Vielleicht sollten die Belgier nach Kongo zurückkehren", schrieb er. "100 Jahre des Desasters sind genug."

Gilleys Aufsatz habe "allen wissenschaftlichen Standards genügt", heißt es nun in der Ankündigung der AfD zu dem Vortrag im Bundestag. So habe dieser seinerzeit "sehr fundiert" dargelegt, dass die europäische Kolonialzeit "für viele Länder ein Gewinn war, die nach der Entkolonialisierung in eine bis heute währende Spirale aus Gewalt, Armut und Korruption rutschten". Damit habe Gilley "eines der Steckenpferde der Linken" angegriffen, die ihre Politik der offenen Grenzen "mit den angeblichen Verbrechen der Kolonialzeit" begründeten. Die AfD leugne nicht, dass es "schreckliche Kolonialverbrechen" in Ländern wie Togo, Tansania und Kamerun gegeben habe, sagte Markus Frohnmaier, entwicklungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, am Donnerstag der Zeitung. Die Formulierung "angebliche Verbrechen" beziehe sich "erkennbar auf die Sichtweise der Linken, die nahezu sämtliche Erscheinungsformen europäischer Präsenz in Afrika als Verbrechen brandmarken möchte". Eine derart verkürzte Sichtweise sei "unhistorisch".

Und weiter: "Die AfD-Fraktion steht für eine differenzierte und wahrhaftige Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte." "Herr Professor Gilley ist ein international renommierter Wissenschaftler", sagte Frohnmaier. Die Veranstaltungen der AfD-Fraktion seien "kontroverse Gedankenanstöße, die zur Diskussion und kritischen Auseinandersetzung anregen sollen", so der AfD-Sprecher. Die Kolonialzeit wird heute aus vielen Gründen kritisch betrachtet. Ein Beispiel: In dieser Zeit kam es in Südwestafrika zum ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts. Dieser geschah in der deutschen Kolonie "Deutsch-Südwestafrika" in Jahren 1904 bis 1908 an den Herero und Nama.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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