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Steinbrück: SPD-Mitgliedervotum "kein Selbstgänger"

Archivmeldung vom 20.11.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 20.11.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Peer Steinbrück Bild: Daniel Biskup - peer-steinbrueck.de
Peer Steinbrück Bild: Daniel Biskup - peer-steinbrueck.de

Der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat Zweifel an einem positiven Ausgang des SPD-Mitgliedervotums zur Großen Koalition: "Meine Wahrnehmung ist, dass dieses Mitgliedervotum kein Selbstgänger ist. Der Fisch ist noch nicht gebürstet", sagte Steinbrück in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit". Er appellierte an die Mitglieder, ihre Führung mit einer deutlichen Mehrheit zu unterstützen: "Wir haben frühzeitig gesagt, dass wir dieses Votum akzeptieren, wie immer es ausgeht. Das heißt, auch wenn es 52 zu 48 ausgeht, wird man dieses Votum des Souveräns der SPD akzeptieren müssen. Natürlich ist uns allen klar, dass ein so knappes Ergebnis für die Gesamtlage der SPD ein ziemlicher Brocken im Rucksack wäre."

Das Bild der SPD werde von ihren Regierungsmitgliedern in Bund und Ländern und von ihrer Bundestagsfraktion geprägt. "Die Partei muss einen programmatischen Rahmen bereitstellen, aber sie muss diejenigen im Schaufenster unterstützen, wenn sie Profil entfalten und ihre Kompetenz zeigen will. Über das öffentliche Wahrnehmungsbild entscheiden nicht die Delegierten auf einem Parteitag, sondern es sind die Frontfrauen und -männer einer Regierung in der Bundestagsfraktion."

Scharfe Kritik übte Steinbrück an den Medien. Er machte deutlich, dass er im Wahlkampf Respekt vermisst habe: "Ich habe in diesem Wahlkampf Erfahrungen gemacht, die ich vorher nicht für möglich gehalten habe, positive und negative. Der Respekt im Umgang zwischen Politik und Medien beschäftigt mich sehr." Er sei "ganz und gar nicht" die beleidigte Leberwurst, frage aber: "Was heißt das für die Bewerbung und Auslese in unserer Demokratie, wenn Frauen und Männer nicht mehr in die Politik gehen wollen, weil sie das sich und ihren Familien nicht zumuten mögen?" Mit dieser Frage müssten sich die Medien beschäftigen.

Der SPD-Politiker räumte zugleich ein, dass seine Honorarverträge an sich ein Problem gewesen seien. "Zwei Ex-Kanzler haben mir empfohlen, zu sagen: Das geht keinen Menschen etwas an. Punkt. Der Rat um mich herum war: Die bohren immer weiter, du kommst von der Streckbank nicht runter, also werde proaktiv, leg alles offen. Aber dieses Lindenblatt kriegen sie nicht so leicht vom Rücken weg, dass ein Sozialdemokrat auf Honorarbasis Vorträge hält und die dann auch noch in diesen Kategorien vergütet werden", sagte Steinbrück.

Steinbrück kritisiert Medien im Wahlkampf

Der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist der Ansicht, dass er im Wahlkampf von den Medien zum Teil schlecht behandelt wurde. Das mache er an mehreren Erlebnissen fest, "mit dem Höhepunkt, dass zwei Zeitungen mich drei Wochen vor der Wahl in die Nähe der Stasi und des KGB ziehen wollten. Das werde ich so schnell nicht vergessen. Mein lieber Scholli", sagte Steinbrück im Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit". Zwar sei der alte Spruch richtig: Wer keine Hitze vertrage, dürfe nicht in die Küche gehen. "Aber das entlastet uns nicht davon, darüber zu reden, wo Grenzen überschritten werden", sagte Steinbrück weiter. Ihn habe überrascht, dass sich einige Medien im Wahlkampf verstärkt auf "Nebensächlichkeiten" statt auf Politisches gestürzt hätten. "Ich habe nicht gedacht, dass ein Teil der Medien bereit sein könnte, sich an einer solchen Entpolitisierung zu beteiligen und stattdessen Nebensächlichkeiten hochzujazzen", so Steinbrück. "Es gibt doch tatsächlich einen Journalismus, der im Wettbewerb um Klicks, Quote und Auflage banalisiert, alles personalisiert und vieles skandalisiert", so Steinbrück im Interview. Dennoch habe sich für ihn persönlich die Kanzlerkandidatur gelohnt, "weil es eine einmalige Erfahrung ist, eine Erfahrung, die nur ganz wenige Menschen in ihrem Leben machen. Diese Einmaligkeit bleibt als Qualität für sich stehen."

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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