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Niedersachsens Ministerpräsident fordert Stiko bei Impf-Empfehlung für Kinder zum Umdenken auf

Archivmeldung vom 06.07.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 06.07.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Stephan Weil  (2020)
Stephan Weil (2020)

Foto: Olaf Kosinsky
Lizenz: CC BY-SA 3.0 de
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil appelliert mit Nachdruck an die Ständige Impfkommission (Stiko), ihre Haltung bei Corona-Schutzimpfungen für Kinder und Jugendliche zu überdenken. Der SPD-Politiker sagte im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ), er könne die Stiko-Empfehlung, 12- bis 17-Jährige nur bei bestimmten Vorerkrankungen zu impfen, "überhaupt nicht nachvollziehen".

"Der Gegner, der aktuell auf dem Platz steht, heißt Delta-Variante. Und diese wird sich vor allem auf diejenigen konzentrieren, die nicht geimpft sind. Vorrangig junge Menschen also, für die es keine Impfempfehlung gibt, was wiederum eine gewisse Zurückhaltung bei Ärzten nach sich zieht", kritisierte Weil.

Gleichzeitig gebe es viele Länder, in denen auch Kinder und Jugendliche geimpft würden, was er für "absolut plausibel" halte. Er habe kein Verständnis dafür, dass die Stiko ihre üblichen Maßstäbe und die Frage, ob in wenigen Einzelfällen Impfschäden drohten, nicht an die bedrohliche pandemische Lage anpasse. "In Pandemiezeiten muss es doch vielmehr um die Frage gehen, wie viele schwere Schäden durch eine Impfung verhindert werden können", sagte Weil. "Die Stiko sollte ihre Haltung auch mit Blick auf die Zeit nach den Sommerferien noch einmal überprüfen", forderte der Ministerpräsident und fügte hinzu: "Das nächste Schuljahr kommt bestimmt." Und wenn die Stiko meine, die Datenbasis reiche noch nicht aus, möge sie sich das Datenmaterial "schnellstens" beschaffen. "Schließlich gibt es inzwischen viele Tausend geimpfte Kinder und Jugendliche auf der Welt."

Gleichzeitig machte Weil deutlich, dass das Land nach anfänglicher Zurückhaltung nun doch in Luftfilteranlagen für Klassenräume investieren will. Lange Zeit sei der Nutzen auch unter Experten umstritten gewesen, mittlerweile habe sich aber eine vorherrschende Meinung herausgebildet, die den Geräten eine hohe Wirksamkeit bescheinige. "Darauf sollten wir reagieren und in den Ferien die Gelegenheit nutzen, zahlreiche Klassenzimmer mit Luftfilteranlagen auszurüsten", sagte der Regierungschef.

Als einen weiteren Punkt, der vor allem Jugendlichen zugutekommen soll, stellte Weil ein vergünstigtes Ticket für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Aussicht. Er selbst trete dafür ein, dass Jugendliche den ÖPNV für maximal einen Euro am Tag nutzen können. In diesem Punkt seien sich die Regierungsparteien einig. Eine ähnliche Forderung gibt es bereits seit Längerem von den Grünen. Vorbehaltlich der Haushaltsberatungen könnte laut Weil der Start im Laufe des nächsten Jahres erfolgen.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung (ots)


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