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Schiffsabgase über der Nordsee könnten bis 2030 um 25 Prozent steigen

Archivmeldung vom 12.03.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 12.03.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Bild: Dietmar Böhmer / pixelio.de
Bild: Dietmar Böhmer / pixelio.de

Dr. Volker Matthias vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht hat im Rahmen des EU-Projektes Clean North Sea Shipping die aktuellen Schadstoffemissionen von kommerziell genutzten Schiffen in der Nordsee erhoben. Unter der Annahme von unterschiedlichen Szenarien berechnete der Küstenforscher zudem mögliche zukünftige Emissionen. Die Modelle zeigen: Ohne weitere gesetzliche Regulierungen und technischen Veränderungen der Schiffe könnten die Stickoxidabgase der Schifffahrt bis zum Jahr 2030 um 25 Prozent steigen.

„Zunächst mussten wir die aktuelle Situation analysieren. Dafür haben wir uns jedes kommerziell genutzte Schiff, das im Jahr 2011 auf der Nordsee gefahren ist, genauer angeschaut. Wichtig waren für uns Größe, Schiffstyp, Motorenart, Kraftstoffverbrauch und natürlich die Route eines jeden Schiffes,“ erklärt Volker Matthias vom Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht.

Die erhobenen Daten wurden anschließend in die vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht betriebenen Chemie-Transportmodelle eingespeist. Die Berechnungen ergaben, dass zurzeit 20 bis 30 Prozent der Schwefel- und Stickoxidkonzentrationen in der Nordseeluft auf die Schifffahrt zurückzuführen sind. Denn obwohl der Seeverkehr in Bezug auf Kohlendioxid-Emissionen einer der umweltfreundlichsten Verkehrsträger ist, betreibt der Großteil der Schiffe seine Motoren mit schwefelreichem Schweröl.

„Das Thema Luftverschmutzung durch Schiffe betrifft nicht nur die direkte Küstenregion“, erläutert Dr. Volker Matthias. Die Schiffsabgase werden durch die Winde verdriftet und reagieren mit Gasen aus Landwirtschaft, Industrie und Verkehr. Es kommt zur sogenannten Partikelbildung. Diese Partikel können über hunderte Kilometer durch die Atmosphäre transportiert und noch 500 Kilometer landeinwärts nachgewiesen werden.

Nach der Bestandsaufnahme folgte Schritt zwei: „Wir wollten herausfinden, wie sich konkrete gesetzliche Maßnahmen auf die Schadstoffkonzentration in der Atmosphäre auswirken könnten. Dafür haben wir vier verschiedene Szenarien entwickelt“, erläutert Volker Matthias.

Szenario Eins zeigt: Die Konzentration von Stickoxiden in der Atmosphäre würde im deutschen Nordseeraum bis 2030 um etwa 25 Prozent ansteigen, wenn die gesetzlichen Schiffsabgas-Richtlinien nicht weiter verschärft würden. „Selbst die Einführung der bereits beschlossenen Regulierung des Schwefelgehaltes im Treibstoff ab dem 1.1.2015 könnte die Verschlechterung der Luftqualität in den Küstengebieten nicht stoppen“, erklärt Dr. Volker Matthias. „Die Schiffe stoßen nach wie vor hohe Mengen Stickoxide aus und wir müssen damit rechnen, dass die von Schiffen transportierte Fracht auf der Nordsee jedes Jahr um zwei bis drei Prozent ansteigen wird.“

Auch Szenario Zwei und Drei machen deutlich: Schon um den Status Quo zu erhalten, müssten strenge Richtlinien durchgesetzt werden. Die Einführung der sogenannten „Tier III“ Abgas -Regulierungen ab dem 1.1. 2016 wäre ein erster Schritt. Sie regulieren den Stickoxidausstoß bei neu gebauten Schiffen. Um die Vorgabe zu erfüllen, müssten neue Schiffe entweder mit dem emissionsarmen Treibstoff Flüssiggas betrieben werden oder aber beim Einsatz von konventionellem Schweröl Filteranlagen und Katalysatoren einsetzen. Jedoch gelten die „Tier III“ Richtlinien nur für sogenannte Emission Control Areas. Bisher ist die Nordsee allerdings nur zum Emissionskontrollgebiet für Schwefel erklärt worden - nicht für Stickoxide. Dies müsste Deutschland gemeinsam mit den anderen Anrainer Staaten erst beschließen.

Im vierten Szenario spricht Dr. Volker Matthias von einer Verbesserung der Luftqualität. Dies sei allerdings nur zu erreichen, wenn bis zum Jahr 2030 alle existierenden Schiffe umgerüstet würden und nicht nur die Neukonstruktionen - die „Tier III“ Richtlinien erfüllen müssten.

Quelle: Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Zentrum für Material- und Küstenforschung (idw)

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