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Die Flügel der Weltraum-Möwe

Archivmeldung vom 08.02.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 08.02.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Die leuchtende Gaswolke Sharpless 2-296, ein Teil des Möwennebels
Quelle: Bild: ESO (idw)
Die leuchtende Gaswolke Sharpless 2-296, ein Teil des Möwennebels Quelle: Bild: ESO (idw)

Dieses neue ESO-Bild zeigt einen Teil des Möwennebels, einer kosmischen Wolke aus Staub und leuchtendem Gas. Die hauchdünnen, roten Wolken bilden die Flügel einer kosmischen Möwe und scheinen auf dem Bild mit Dunkelwolken zwischen den Sternen geradezu verwoben zu sein. Entstanden ist die faszinierende Aufnahme mit dem Wide Field Imager am MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium der ESO in Chile.

Der Möwennebel besteht hauptsächlich aus Wasserstoffgas und erstreckt sich entlang der Grenze der beiden Sternbilder Canis Major (der Große Hund) und Monoceros (das Einhorn). Astronomen bezeichnen solche Wolken auch als HII-Regionen. In ihnen bilden sich heiße Sterne, deren intensive Ultraviolettstrahlung dann wiederum das umgebende Gas zum Leuchten anregt.

Der rötliche Farbton des Bild ist ein Anzeichen für ionisierten Wasserstoff [1]. Der vogelähnliche Umriss des Möwennebels, der manchmal auch als IC 2177 bezeichnet wird, geht auf drei große Gaswolken zurück: Sharpless 2-292 bildet den Kopf, die hier abgebildete Wolke Sharpless 2-296 die Flügel und Sharpless 2-297 ein kleines, knotenförmiges Anhängsel an der Spitze des rechten Flügels der Möwe.

Alle drei Objekte sind im Sharpless-Katalog aufgeführt, der in den 1950er Jahren von dem amerikanischen Astronomen Stewart Sharpless zusammengestellt wurde und mehr als 300 leuchtende Gaswolken enthält. Vor der Veröffentlichung des Kataloges war Sharpless Doktorand am Yerkes Observatory nahe Chicago (USA), wo er zusammen mit Kollegen Beobachtungen veröffentlichte, die dazu beigetragen haben nachzuweisen, dass die Milchstraße eine große Spiralgalaxie mit ausgedehnten, geschwungenen Armen ist.

Spiralgalaxien enthalten oft tausende HII-Regionen, fast alle davon in den Spiralarmen. Auch der Möwennebel liegt in einem der Spiralarme der Milchstraße. Bei anderen Galaxientypen zeigt sich jedoch ein anderes Bild: In irregulären Galaxien kommen zwar auch HII-Regionen vor, aber diese liegen in der gesamten Galaxie verteilt. Bei elliptischen Galaxien dagegen scheinen die HII-Regionen gänzlich zu fehlen. Das Vorhandensein von HII-Regionen wiederum ist ein Anzeichen dafür, dass sich in der betreffenden Galaxie generell noch neue Sterne bilden.

Das hier gezeigte Bild von Sharpless 2-296 wurde mit dem Wide Field Imager (WFI), einer großen Kamera am MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium der ESO in Chile aufgenommen. Es zeigt einen Teil des Nebels, in dem sich im Inneren der Gaswolke helle junge Sterne bilden. Sharpless 2-296 wird von mehreren, sehr hellen Sternen zum Leuchten angeregt von denen einige auch in dem Bildausschnitt zu sehen sind. Weitere Sterne sind über die gesamte Region verteilt. Ein besonders auffälliger, heller Stern erscheint uns auf Bildern des gesamten Objekts als „Auge” der Möwe.

Übersichtsaufnahmen dieser Himmelsregion zeigen eine ganze Reihe von interessanten Objekten. Die jungen, hellen Sterne innerhalb des Nebels gehören zur nahegelegenen Sternentstehungsregion CMa R1 im Sternbild Canis Major, die eine große Zahl von hellen Sternen und ganzen Sternhaufen beherbergt. Unweit des Möwennebels befindet sich auch der Nebel „Thors Helm“, der mit der Unterstützung von Brigitte Bailleul – der Gewinnerin des „Twittern Sie sich zum VLT!“-Wettbewerbs – zum 50. Geburtstag der ESO am 5. Oktober 2012 mit dem Very Large Telescope (VLT) beobachtet wurde.

Endnoten

[1] Astronomen verwenden die Bezeichnungen HII für ionisierten und HI für neutralen Wasserstoff. Ein Wasserstoffatom besteht aus einem Elektron, das an ein Proton gebunden ist. Ionisierte Gase bestehen aus positiv geladenen Ionen und freien Elektronen. Beim Wasserstoff sind die Ionen einzelne Protonen.

Quelle: Max-Planck-Institut für Astronomie (idw)

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