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In Lettland wird die weltweit erste Fangvorrichtung für migrierende Fledermäuse eröffnet

Archivmeldung vom 19.08.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 19.08.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Fangvorrichtung für Fledermäuse.
Quelle: Foto: IZW/Oliver Lindecke (idw)
Fangvorrichtung für Fledermäuse. Quelle: Foto: IZW/Oliver Lindecke (idw)

Am 19. August 2014 wird auf der ornithologischen Feldstation in Pape, Lettland, die weltweit erste Fledermaus-Fangreuse eröffnet. Damit wird ein ehrgeiziges internationales Fledermausforschungsprojekt gestartet, das Antworten auf viele bisher ungeklärte Fragen bezüglich der Flugrouten, der Überwinterungsgebiete und der Physiologie dieser ökologisch wertvollen Säugetiere liefern soll.

Die Reuse wurde von lettischen und deutschen Biologen speziell zum Fangen von migrierenden Fledermäusen angefertigt. Das Forschungsprojekt wird vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin (IZW) und dem Institut für Biologie der Universität Lettland wissenschaftlich umgesetzt.

„Dank der Beringung von Vögeln wissen Ornithologen bereits sehr viel über die Migration der Vögel. Die Forschung der Fledermäuse steckt jedoch immer noch in den Kinderschuhen. Das liegt zum Teil daran, dass es weltweit nur wenige Orte gibt, an denen es möglich ist, Fledermäuse in ausreichender Zahl während der Migration zu beobachten und zu fangen. Das Naturschutzgebiet um Pape ist in dieser Hinsicht einzigartig, da sich hier die Tiere auf Grund eines ˊFlaschenhals-Effektsˋ konzentrieren. In Pape wird der Migrationsweg gen Süden durch die Verengung zwischen der Ostsee und dem See Pape auf natürliche Weise eingeengt. In ganz Europa gibt es deshalb keinen anderen Ort, an dem man so viele wandernde Fledermäuse beobachten kann", sagt der erfahrene Fledermausforscher Gunars Petersons, assoziierter Professor an der Lettischen Universität für Landwirtschaft.

Biologen schätzen, dass die neue 15 Meter hohe Reuse es ermöglichen wird, in einer Nacht bis zu 1.000 Fledermäuse zu fangen. Da die Forscher genau wissen möchten, wohin die Tiere fliegen, wollen sie möglichst viele Tiere beringen. Alle Tiere werden unmittelbar danach wieder frei gelassen. Fledermausberingungen, die in Pape in den Achtziger und Neunziger Jahren durchgeführt wurden, erbrachten zum Beispiel die Erkenntnis, dass Fledermäuse Distanzen von mehr als 1.900 km zwischen ihrem Sommer- und Überwinterungsgebiet zurücklegen können. Rauhautfledermäuse, die in Pape beringt wurden, konnten zum Beispiel in Südfrankreich und den Beneluxstaaten wiedergefunden werden.

Die Reuse wird in den nächsten fünf Jahren den Wissenschaftlern dabei helfen, weitere offene Fragen über das Leben der Fledermäuse zu beantworten. Es ist beispielsweise nicht bekannt, ob migrierende Fledermäuse spezielle Migrationskorridore benutzen und welche Sommerhabitate mit welchen Überwinterungsgebieten verbunden sind. Diese Information könnte dem Schutz der Fledermäuse zu Gute kommen, denn auf ihren Zugstrecken und in ihren Überwinterungsgebieten werden immer mehr Windkraftanlagen aufgestellt, die eine tödliche Falle vor allem für ziehende Fledermäuse darstellen. Allein an deutschen Windkraftanlagen sterben schätzungsweise an die 300.000 Fledermäuse pro Jahr, sofern der Betrieb dieser Anlagen nicht während Hauptaktivitätszeiten der Fledermäuse während des Herbstzuges eingestellt wird. Neben diesen praktischen Fragen des Naturschutzes sollen auch grundlegende Aspekte der Biologie von Zugfledermäusen untersucht werden.

Die neue Fangreuse in Pape wird von dem Direktor des Instituts für Biologie der Universität Lettlands, Prof. Dr. Viesturs Melecis, und dem Direktor des Leibniz-Instituts für Zoo-und Wildtierforschung, Prof. Dr. Heribert Hofer DPhil, sowie den federführenden lettischen und deutschen Forschern Prof. Dr. Gunārs Pētersons und PD Dr. Christian Voigt eröffnet.

Die Eröffnungsveranstaltung findet am 19. August 2014 in der ornithologischen Feldstation des Instituts für Biologie, der Universität Lettland, in Pape (Gebiet Rucava) statt.

Quelle: Forschungsverbund Berlin e.V. (idw)

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