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One Earth - One Ocean baut zweites Müllsammelschiff

Archivmeldung vom 03.05.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 03.05.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
SeeKuh II
SeeKuh II

Bild: One Earth - One Ocean e. V. (OEOO)

Die gemeinnützige Umweltorganisation One Earth - One Ocean e.V. (OEOO) aus München und Kiel, die seit über acht Jahren an der Umsetzung ihres Konzepts einer "Maritimen Müllabfuhr" zur Sammlung von Plastikmüll aus den Meeren arbeitet, baut ihr zweites Müllsammelschiff für den maritimen Einsatz.

2016 wurde die erste SeeKuh, ein speziell konzipierter Katamaran mit 10 x 12 Metern und Sammelnetzen zwischen den beiden Rümpfen, in Dienst gestellt. Sie ist das erste zertifizierte Müllsammelschiff weltweit, dient daneben aber auch der Forschung zu Mikroplastik sowie der Aufklärung. Inzwischen wurde das Sammelkonzept der SeeKuh 1.0 weiterentwickelt, so dass der Verein nun ein neues Schiff bauen wird, das vor allem für die weltweite Sammlung von Plastikmüll in Mündungsgebieten und an Küsten vorgesehen ist. Die Fertigstellung des Spezialschiffs, das wieder von der Lübeck Yacht Trave Schiff GmbH gebaut und aus Spenden und Sponsorengeldern finanziert werden soll, ist für 2020 geplant.

Dass der Plastikmüll in den Gewässern weltweit eines der gravierendsten Umweltprobleme unserer Weltgesellschaft darstellt, muss hier wohl kaum mehr betont werden. Geschätzte über 140 Mio. Tonnen befinden sich bereits in den Meeren weltweit, jedes Jahr kommen mindestens 10 Mio. Tonnen dazu. 80 Prozent des Plastikmülls, der weltweit in die Meere gelangt, stammen von Land und werden größtenteils über Flüsse ins Meer gespült. Eine fehlende oder lückenhafte Infrastruktur zur Müllentsorgung sowie mangelndes Umweltbewusstsein sind die Gründe.

Es liegt also nahe, eine gangbare und schnell einsetzbare Lösung für die Mündungsgebiete der großen Flüsse zu konzipieren, denn hier hat sich der Müll noch nicht in der Fläche verteilt und zerkleinert. Das mehrstufige Konzept der "Maritimen Müllabfuhr" von OEOO sieht vor, Meeresmüll mit speziellen Sammelschiffen einzusammeln und anschließend bestmöglich wiederzuverwerten bzw. einen Teil davon in Öl und Energie umzuwandeln.

"Ich freue mich, dass wir mit der SeeKuh 1.0 und der ?Maritimen Müllabfuhr" in den letzten Jahren Bekanntheit nicht nur im deutschen Sprachraum, sondern auch in Asien erreicht und mediale Unterstützung erfahren haben, ist doch das Thema Plastikmüll heute allgegenwärtig. Doch es fehlt noch immer an tragfähigen und umsetzbaren Konzepten, die es uns ermöglichen, schnell gegen Plastik im Meer vorzugehen. Utopien helfen hier nicht weiter", erklärt Günther Bonin, Gründer der Organisation One Earth - One Ocean e.V., der erst kürzlich wieder für seine Arbeit mit einem Spezialpreis von Gruner & Jahr ausgezeichnet wurde. "Unser Konzept ist durchdacht, es ist ein pragmatischer Lösungsansatz, der erprobt und laufend optimiert wird. So basiert die neue Generation der SeeKuh auf den Erfahrungen, die wir mit der SeeKuh 1.0 in den letzten Jahren in der Ostsee und vor Hong Kong gesammelt haben."

Die SeeKuh 2.0 wird komplett anders aussehen

So soll das Sammelsystem der zukünftigen SeeKühe nicht mehr auf absenkbaren Netzen basieren, sondern auf einer Förderbandtechnik. Über die Einweiser am Bug des Katamarans wird der Meeresmüll auf das in der Mitte angebrachte Förderband geleitet. Das Steigband fördert das Material auf ein horizontales Sortierband. Alles, was nicht ins Meer gehört, wird vom Sortierpersonal in Transportsäcke, so genannte Big-Bags, aussortiert. Unbedenklicher organischer Abfall fällt am Ende des Förderbandes durch eine Öffnung im Deck zurück ins Wasser. Im hinteren Bereich wird die Seekuh 2.0 über eine Lagerfläche für die vollen Big-Bags verfügen. Auch diese Seekuh-Variante ist modular entworfen, sodass eine Demontage und ein Transport in See-Containern an jeden Ort der Welt möglich sind.

Mit Hilfe der Förderbandtechnik kann kontinuierlich Meeresmüll, bis zu einer Tiefe von ca. einem Meter, gesammelt werden und der manuelle Aufwand ist wesentlich geringer als bei Einsatz der Netztechnik. Dadurch erwartet man sich bei OEOO eine höhere Effizienz und gleichzeitig ist die Aussortierung von organischem Material und ggf. von tierischem Beifang möglich.

Die SeeKuh 2.0 ist mit 12 Metern etwa so lang, aber zwei Meter schmaler, als ihre ältere Schwester. Damit lässt sie sich sogar in nur 2-3 Übersee-Container verstauen. Der Tiefgang liegt bei nur 0,8 m, das Gewicht beträgt sechs Tonnen. Sie hat eine Reinigungsleistung von ca. 30.000 m²/h und wird zukünftig in Flussmündungen und Küstengebieten mit geringem Tiefgang eingesetzt.

SeeKuh 2.0 im Schleppverbund

Um auch besonders große Flächen effektiv absammeln zu können, hat OEOO eine weitere Sammeltechnik für die SeeKuh 2.0 entwickelt, eine Art Schleppverbund. Zwei motorisierte Boote, z.B. lokale Fischereifahrzeuge oder konventionelle Arbeitsboote, ziehen dabei die SeeKuh 2.0 durch das verschmutzte Operationsgebiet. Zwischen den Schleppbooten und der SeeKuh werden Schwimmbarrieren angebracht. So entsteht eine Art Trichter, durch den der Meeresmüll in Richtung des Förderbandes der SeeKuh 2.0 geleitet wird. Durch den Tandembetrieb beidseitig der Verschmutzungsquelle kann ein Durchqueren und damit verbundenes Aufwirbeln des Meeresmülls verhindert werden. Bei dieser Variante benötigt die SeeKuh keinen eigenen Antrieb.

Die SeeKuh ist nur ein Modul der Maritimen Müllabfuhr

Mit der "Maritimen Müllabfuhr" zeigt OEOO einen bereits erprobten Lösungsansatz für eines der größten globalen Umwelt-Probleme auf. Dabei ist die SeeKuh nur ein Modul des Konzepts zum Einsammeln des Meeresmülls. Dieser Müll soll anschließend wiederverwertet bzw. zum Teil auch in Öl umgewandelt werden.

Dies soll zukünftig auf den SeeElefanten passieren, umgebauten großen Multi-Purpose-Schiffen mit über 100 Metern Länge, die den Plastikmüll, den unterschiedliche Sammelschiffe vorher aus dem Meer gesammelt haben, mit Kränen übernehmen. Direkt an Bord wird der Müll mit in das Schiff integrierter und bereits heute technisch bewährter Anlagen- und Recyclingtechnik aufbereitet, sortiert und verarbeitet. Hochwertige recycelbare Kunststoffe wie PET werden aussortiert und zu sortenreinen Kunststoffballen gepresst. Diese werden in den Stoffkreislauf zurückgebracht. Daneben sollen in Zukunft auch Energie und Öl aus dem Plastikmüll gewonnen werden.

So könnte mit relativ einfachen, preiswerten und bewährten Mitteln die Sammlung von Plastikmüll in den Meeren in Angriff genommen und aktiv bekämpft werden - vor allem an den Müll-Hotspots weltweit. Plastikmüll kann so aus der Natur entfernt werden, ehe er sich zu Mikroplastik zerkleinert bw in die Tiefe absinkt und für die nächsten Jahrhunderte die Umwelt schädigt.

OEOO hat eine professionelle Machbarkeitsstudie für das Konzept der ?Maritimen Müllabfuhr" und speziell des SeeElefanten erstellt, die in Kürze der Öffentlichkeit präsentiert werden wird.

One Earth - One Ocean e. V. (OEOO)

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