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Freiburger Hydrologin zeigt mit neuen Zahlen, wie sinkende Grundwasserspiegel die Vitalität der Ökosysteme bedrohen

Archivmeldung vom 04.10.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 04.10.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Weltweit drohen Flussbetten auszutrocknen, vor allem in den Regionen, in denen seit Jahren und Jahrzehnten Grundwasser gefördert wird. Foto: George – stock.adobe.com
Weltweit drohen Flussbetten auszutrocknen, vor allem in den Regionen, in denen seit Jahren und Jahrzehnten Grundwasser gefördert wird. Foto: George – stock.adobe.com

Grundwasser ist die weltweit größte Süßwasserressource und von entscheidender Bedeutung für die Produktion von Nahrungsmitteln. Durch den konstanten Anstieg der Grundwasserförderung in den vergangenen Jahrzehnten ist der Grundwasserspiegel mancherorts bereits gesunken. Eine Studie der Hydrologin Dr. Inge de Graaf vom Institut für Geo- und Umweltnaturwissenschaften der Universität Freiburg zeigt nun, dass in Regionen auf der ganzen Welt, in denen seit den 1960er Jahren regelmäßig Grundwasser abgepumpt wird, bis 2050 mit ernsten ökologischen Schäden zu rechnen sein wird.

„Betroffen sind schon jetzt der Mittlere Westen der USA und das Indus-Becken-Projekt zwischen Afghanistan und Pakistan“, erläutert de Graaf. Die Ergebnisse der Studie präsentiert sie in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals „Nature“.

Die Arbeit, die in Kooperation mit der Universität Utrecht/Niederlande, dem Wasserinstitut Deltares/Niederlande und der Universität von Victoria/Kanada entstanden ist, ist die erste, die Grundwasser und Flussläufe als vernetzte Systeme auf globaler Ebene simuliert und so die Auswirkungen der weltweiten Grundwasserförderung zeigt. Dazu haben die Forschenden ein globales hydrologisches Modell verwendet, mit dessen Hilfe sie die Strömung des Grundwassers zum Netz der Bäche und Flüsse auf der ganzen Welt in Zeiten geringen Niederschlags berechnen können. „Wenn wir in den nächsten Jahrzehnten weiter so viel Grundwasser fördern wie bisher, wird in Zukunft auch für Regionen in Süd- und Mitteleuropa wie Portugal, Spanien und Italien sowie in den nordafrikanischen Ländern ein kritischer Punkt erreicht“, sagt de Graaf. Gefährdet seien darüber hinaus auch Gebiete, in denen die Grundwasserressourcen bisher zwar relativ konstant geblieben, die Flüsse aber dennoch nicht mehr in der Lage sind, die Ökosysteme gesund zu erhalten. Die Forschenden schätzen, dass bis 2050 zwischen 42 und 79 Prozent der Regionen mit Grundwasserförderung ihre Grenzwerte erreicht haben werden. „Der Klimawandel wird diese Entwicklung eventuell noch beschleunigen, da wir weniger Niederschläge erwarten, was die Entnahme von Grundwasser zusätzlich erhöht und bereits trockene Gebiete ganz austrocknen lässt“, erklärt die Freiburger Hydrologin.

Die steigenden Temperaturen haben seit den 1960er Jahren den Bedarf an Wasser für Menschen, Tiere und Pflanzen so sehr erhöht, dass es zu einem raschen Anstieg der globalen Grundwasserförderung kam. Das Problem dabei sei, dass häufig mehr Grundwasser abgepumpt werde, als Regen falle, so de Graaf. Auffallend sei, wie empfindlich Süßwasserökosysteme auf einen selbst relativ geringen Abfall des Grundwasserspiegels reagierten. Die Prognosen der Studie reichen bis ins Jahr 2100: „Die Ergebnisse zeigen, dass das Ausmaß der Grundwasserförderung oft erst Jahrzehnte später spürbar wird.“

Quelle: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau (idw)

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