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Eis auf Österreichs Gletschern schrumpfte innerhalb von zehn Jahren um ein Fünftel

Freigeschaltet am 11.05.2019 um 11:29 durch Manuel Schmidt
Der nahezu vollkommen ausgeaperte Hallstätter Gletscher, der größte Gletscher des Dachsteinmassivs. Bild: IGF/ÖAW/BLUE SKY Wetteranalysen (idw)
Der nahezu vollkommen ausgeaperte Hallstätter Gletscher, der größte Gletscher des Dachsteinmassivs. Bild: IGF/ÖAW/BLUE SKY Wetteranalysen (idw)

Heimische Gletscher verlieren pro Jahr durchschnittlich einen Meter an Eisdicke. Das bestätigen Gebirgsforscher/innen der ÖAW mithilfe einer neuartigen, im Fachjournal „Frontiers“ publizierten Erhebungsmethode.

Die Entwicklung der Eisdicke von Gletschern ist zentraler Bestandteil von Modellrechnungen über die Auswirkungen des Klimawandels im Hochgebirge: Sie erlaubt eine Vielzahl an Abschätzungen, die von der regionalen Wasserversorgung bis zur Bedrohung durch Vermurungen in Hochgebirgstälern reichen. Je exakter die Eisdicke ermittelt werden kann, desto genauer können derartige Szenarien berechnet werden.

Forscher/innen des Instituts für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ist auf diesem Gebiet ein wichtiger Erfolg gelungen. Sie konnten mit dem Einsatz einer neuen Methode nicht nur den global zu beobachtenden Gletscherschwund neuerlich bestätigen, sondern auch präzisere Ergebnisse über die gesamte Eismasse im österreichischen Hochgebirge berechnen. Über diesen Forschungserfolg, der im Rahmen des von der ÖAW geförderten Projektes „FutureLakes“ gelang, berichten sie in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals „Frontiers in Earth Science“.

„Bisher wurde die Eismasse in erster Linie anhand der Gletscherfläche abgeschätzt“, erläutert ÖAW-Gebirgsforscher Kay Helfricht. „Wir wollten aber herausfinden, wie dick die Eisschicht an unterschiedlichen Stellen eines Gletschers ist“. Dazu griffen die Forscher/innen auf die sogenannten österreichischen Gletscherinventare zurück, darunter Gletschergrenzen sowie Höhenmodelle auf Grundlage von Luftbildern sowie Laserscanning-Aufnahmen. Diese kombinierten sie mit Messdaten der Eisdicke von 58 heimischen Gletschern, um damit eine modellhafte Berechnung zu entwickeln. Diese ermöglichte es, die Eisdicke unter den jeweiligen topographischen Bedingungen für alle Gletscher Österreichs möglichst realistisch zu ermitteln.

Ernüchternde Bilanz

Mit dieser Methode konnten die Forscher/innen nicht nur präzisere Aussagen über die derzeitige Verteilung der Eismasse, sondern auch über deren zeitliche Entwicklung treffen. „2006 betrug das gesamte Volumen der Gletscher Österreichs knapp 15,9 km³. Dies wäre ausreichend, um ganz Österreich mit 16 Zentimeter Wasser zu bedecken. Bis 2016 haben die Gletscher Österreichs aber bereits ein weiteres Fünftel ihrer Eismasse verloren“, stellt Helfricht fest. Der neue Ansatz bestätigt damit den durchschnittlichen Verlust an Gletschereis von rund einem Meter Eisdicke pro Jahr.

Zugleich vermag die neue Modellierung aufzuzeigen, wie groß auch die regionalen Unterschiede beim globalen Phänomen des Gletscherschwundes sind: Gerade an Gletschern mit einer Eisfläche von weniger als einem Quadratkilometer, etwa dem Stubacher Sonnblickkees oder dem Brandner Gletscher, kommt es, je nach topographischen Bedingungen, zu einem vergleichsweise starken Rückgang der noch vorhandenen Eismasse. Diese Erkenntnisse eröffnen neue Möglichkeiten für präzisere Abschätzungen regionaler und lokaler Auswirkungen des Klimawandels, sowohl in Hinblick auf die Hydrologie, die Wirtschaft als auch auf Naturgefahren.

Zudem erlauben die bereits gewonnenen Ergebnisse neue Aussagen über einen möglichen weiteren Ablauf des Gletscherschwundes auch in Österreich: „In den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten wird viel Eisdicke verloren gehen und weniger die Gletscherfläche, da vor allem die großen Gletscher noch über relativ dicke Eiszungen verfügen“, sagt Helfricht. Danach aber, so der ernüchternde Ausblick des Gebirgsforschers, werde, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, der Verlust an Fläche umso schneller vonstattengehen.

Quelle: Österreichische Akademie der Wissenschaften (idw)

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