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Salman Rushdie wenige Tage vor dem Attentat: "Oh, wir leben in beängstigenden Zeiten"

Archivmeldung vom 13.08.2022

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 13.08.2022 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Salman Rushdie (2017), Archivbild
Salman Rushdie (2017), Archivbild

Von Amrei-Marie - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=64508826

Fast genau zwei Wochen vor dem Attentat auf Salman Rushdie traf stern-Korrespondent Raphael Geiger den Schriftsteller in New York. In dem zweistündigen Gespräch ging es auch um Angst - doch Rushdie machte sich keine Sorgen mehr um seine eigene Sicherheit: "So eine Fatwa ist eine ernste Sache. Aber das ist lange her."

Ja, sagte Rushdie, wenn er heute in seinen Tagebüchern lese, die er in den Anfangsjahren nach der Fatwa des iranischen Regimes vor über 30 Jahren geführt habe, "sehe ich auch, dass es mir oft schlecht ging".

Auf die Frage, was er denn heute fürchte, antwortete Rushdie: "Früher hätte ich gesagt - den religiösen Fanatismus. Das sage ich heute nicht mehr. Die aktuell größte Gefahr ist, dass wir unsere Demokratie verlieren." Es seien beängstigende Zeiten, sagte der 75-jährige Schriftsteller weiter: "Alle Zutaten für den Faschismus liegen bereit. Am Wichtigsten ist hier Trumps Sieg über die Wahrheit." Das Schlimmste sei, dass Morddrohungen alltäglich geworden seien: "Nicht mehr nur Politiker bekommen sie, sondern selbst amerikanische Lehrer, wenn sie bestimmte Bücher im Unterricht durchnehmen."

Auf die Frage, wie er es über Jahrzehnte ausgehalten habe, trotz der persönlichen Gefahr, in der er sich befand, nicht zu verzweifeln, sagte Rushdie: "Man muss sich in einen Kämpfer verwandeln. Man muss gegen die Gefahren tun, was man tun kann." Was sein eigenes Leben betreffe, schaue er doch lieber nach vorn: "Ja, ich bin ein Optimist."

Quelle: Gruner+Jahr, STERN (ots)

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