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Bayern und Brandenburg senken Preise für Kontrastmittel deutlich ab

Freigeschaltet am 13.09.2019 um 17:10 durch Andre Ott
Bild: Rike / pixelio.de
Bild: Rike / pixelio.de

In Bayern haben sich nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" die Gesetzlichen Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung auf eine drastische Absenkung der Preise verständigt, zu denen Radiologen Kontrastmittel abrechnen können.

Die neue Vereinbarung soll bereits zum 1. Oktober dieses Jahres in Kraft treten. Auch Brandenburg will eine deutliche Preisabsenkung Anfang des nächsten Jahres umsetzen. In mehreren anderen Bundesländern laufen derzeit ebenfalls Verhandlungen über eine deutliche Preissenkung.

Hintergrund ist, dass Anfang August erstmals echte Marktpreise dieser Medikamente bekannt geworden waren. Damals hatten NDR, WDR und SZ mit Verweis auf zahlreiche interne Abrechnungen von Pharmaunternehmen und radiologischen Praxen nachgewiesen, dass Röntgenärzte Kontrastmittel zu einem Bruchteil dessen einkaufen können, was sie anschließend von Krankenkassen erstattet bekommen. So liegen die tatsächlichen Einkaufspreise für einen Liter MRT-Kontrastmittel bei rund 800 Euro. In Bayern haben die Ärzte dafür von den Kassen bisher 3900 Euro erstattet bekommen. Künftig sollen sie nur noch 970 Euro bekommen. Weder die AOK Bayern noch die Kassenärztliche Vereinigung Bayern wollten auf Anfrage die neuen Preise kommentieren, da die Verträge noch nicht unterzeichnet seien.

Erst jetzt wird zudem bekannt, dass manche Krankenkassen noch höhere Preise bezahlen als die bayerischen. So erstatten die Krankenkassen in Sachsen und Thüringen den Herstellern für einen Liter MRT-Kontrastmittel rund 4700 Euro. Das geht aus internen Unterlagen hervor, die die zuständige AOK Plus an die Hersteller geschickt hat und die NDR, WDR und SZ vorliegen. Auf Anfrage teilt die AOK Plus lediglich mit: "Die vereinbarten Konditionen unterliegen unseren Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen."

Die für Brandenburg zuständige AOK Nordost hat jetzt Konsequenzen aus den jüngst bekannt gewordenen tatsächlichen Marktpreisen gezogen. Sie will vom kommenden Jahr an den Herstellern in einem so genannten Open-House-Verfahren nur noch 1200 Euro für einen Liter MRT-Kontrastmittel bezahlen, wie aus Unterlagen ersichtlich ist, die die AOK Nordost im "Deutschen Vergabeportal" veröffentlicht hat.

Laut Gesetz sind die Krankenkassen zur Wirtschaftlichkeit verpflichtet. Derzeit zahlen sie bundesweit vollkommen unterschiedliche Preise für Kontrastmittel. So geben nach Recherchen von NDR, WDR und SZ die Kassen in Schleswig-Holstein 4,5 Millionen Euro im Jahr für Kontrastmittel aus, Hamburg dagegen 11 Millionen Euro - obwohl Hamburg deutlich weniger Einwohner hat. Rheinland-Pfalz und das Saarland wiederum haben zusammen Kontrastmittelausgaben in Höhe von 12 Millionen Euro, das etwa gleich große Hessen gibt dagegen fast 27 Millionen Euro im Jahr aus. Baden-Württemberg hat mit 43,3 Millionen Euro die höchsten Kontrastmittelausgaben in ganz Deutschland. Umgerechnet auf 1000 Versicherte gibt zum Beispiel Schleswig-Holstein nur 1804 Euro im Jahr für Kontrastmittel aus - Baden-Württemberg dagegen 4607 Euro.

Aufgerüttelt durch die Berichte über den Kontrastmittelmarkt hatte das Bundesgesundheitsministerium für den 22. August mehr als 50 Vertreterinnen und Vertreter von Krankenkassen, Kassenärztlichen Vereinigungen und des Radiologenverbands zu einem Gespräch ins Ministerium eingeladen. Radiologen-Chef Detlev Wujciak fasst in seinem Verbandsblatt das Treffen so zusammen: "Die Selbstverwaltung funktioniert! Es besteht kein Handlungsbedarf von Seiten des Gesetzgebers und wurde von keinem der Teilnehmer gefordert."

In Deutschland bekommen rund fünf Millionen Menschen jedes Jahr Kontrastmittel gespritzt. Die Mittel sollen die Bilder bei der MRT- oder CT-Untersuchungen besser auswertbar machen. Nach Einschätzung von Experten verschwenden die Gesetzlichen Krankenkassen im Kontrastmittelmarkt jedes Jahr bis zu 200 Millionen Euro, indem sie zu viel für die Mittel bezahlen.

Über das Thema berichtet der NDR am Freitag, 13. September, ab 17 Uhr online bei tagesschau.de und panorama.de sowie in den ARD-Radioprogrammen.

Quelle: NDR / Das Erste (ots)

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