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Ostsee-Zeitung: Kommentar zur Trauerfeier für Robert Enke

Archivmeldung vom 16.11.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 16.11.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Der Selbstmord von Robert Enke hat ein Loch gerissen in die Scheinheiligkeit des Profisports, vor allem die der Fußball-Bundesliga; und er hat ihn gleichzeitigseiner Masken beraubt. Bescheiden nehmen sich wenige Antworten aus neben den vielen Fragen, die dieser Suizid aufwirft.

Eines wurde klar: Es wird sich etwas ändern müssen. "Die Welt ist nicht im Lot", wie Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff gestern bei der Trauerfeier sagte. Das stimmt - und die Fußballwelt schon gar nicht. "Wir brauchen keine fehlerfreien Roboter." Auch das ist sicherlich ebenso richtig wie die Feststellung des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, dass Fußball nicht alles sei, aber eben "ein starkes Stück Leben". Die bittere Wahrheit ist: Die Angst des Robert Enke, abgestempelt zu werden zu einem Versager, zu einem Schwächling, nur weil er an der Seele krankte, sie war nicht unbegründet. Das System duldet keine depressiven Akteure in seiner Mitte; es verhöhnt sie und spuckt sie aus. Man muss davon ausgehen, dass Robert Enke nicht der einzige depressive Spieler in der Bundesliga war und ist. Vielleicht finden andere jetzt den Mut, sich zu outen. Man muss ihnen helfen, auch von den Stehplätzen aus. Dies ist eine unangenehme Wahrheit: Vieles im Profifußball ist ein Spiegelbild der richtigen Welt.

Quelle: Ostsee-Zeitung

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