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Keine Allzeitstrategie

Archivmeldung vom 18.12.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 18.12.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott

Das ist wahrlich kein Pappenstiel: Fast eine halbe Billion Euro und damit ein Rekordvolumen will der Bund 2021 über die Geld- und Anleihemärkte aufnehmen. Wesentlicher Grund ist die Bekämpfung der wirtschaftlichen Schäden, die durch die Covid-19-Pandemie in Deutschland verursacht wurden. Rechnet man mit 365 Kalendertagen und zieht davon 96 Tage für Wochenenden ab, dazu noch die auf Hessen entfallenden Feiertage, denn der Bund-Schuldenmanager Fi­nanzagentur sitzt ja in Frankfurt, kommt man auf rund 259 Werktage, an denen Tammo Diemer, Co-Geschäftsführer der Deutschen Finanzagentur, am Markt aktiv werden kann.

Er sammelt somit umgerechnet an jedem Werktag knapp 2 Mrd. Euro ein, wenn man die 471 Mrd. Euro derartig umlegt. Zum Vergleich: Rund 2 Mrd. Euro sind der Wert, den das Großherzogtum Luxemburg für ein komplettes Jahr veranschlagt - vielleicht ein bisschen mehr wegen der Krise. Und Belgien liegt bei vielleicht gut 10 Prozent des deutschen Volumens.

Es stellen sich zwei Fragen. Erstens: Reicht das? Das ist schwer zu beantworten. Der Bund wird mit der Finanzagentur sicher vorsichtig geplant haben. Es sind auch Hoffnungswerte in den Planungen. Die Hoffnung, dass bald umfangreich geimpft und so die Pandemie eingedämmt werden kann. Ob das aber alles so schnell geht, ist fraglich­. Insbesondere, wenn womöglich erhebliche Impfstoff-Nebenwirkungen auftreten, die viele Menschen vorsichtig werden lassen. Hinzu kommt, dass viele Insolvenzanmeldungen noch nicht erfolgt sind, weil die Fristen verschoben wurden. Das Ausmaß der Pleitewelle ist nicht abschätzbar und damit auch, was noch an Hilfen gebraucht wird, wenn ein Firmenausfall für ein anderes Unternehmen zum Problem wird. Impfschwierigkeiten und eine weiter um sich greifende Pandemie können dazu führen, dass Lockdowns verlängert oder im Frühjahr neu beschlossen werden. Das bedeutet nochmals wirtschaftliche Schwierigkeiten. Für die Finanzagentur heißt das im Umkehrschluss, dass nachgelegt werden muss.

Zweitens: Können diese Bondvolumina an den Märkten platziert werden? Ja, problemlos. Der Bund ist zusammen mit den USA der Anbieter der sichersten und liquidesten Staatsanleihen der Welt, und in einer Krise ist die Nachfrage nach Sicherheit hoch. Doch es gilt auch: Sich immer weiter auftürmende Schuldenberge sind keine Allzeitstrategie. Jetzt sind sie nötig, aber eben nicht für immer. Das wissen sicher auch Finanzminister Scholz und Schuldenmanager Diemer.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Kai Johannsen

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