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Westdeutsche Zeitung: Weltbank warnt vor Armut in der dritten Welt

Archivmeldung vom 11.04.2008

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 11.04.2008 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Es scheint, als höben wir unseren Hintern immer erst dann vom Stuhl, wenn schon die Hosen brennen. Es musste wohl erst zu den Hungerrevolten in Haiti kommen, um die Folgen der Preisexplosion von Lebensmitteln für weite Regionen in der Dritten Welt zur Kenntnis zu nehmen.

Und auch wenn jetzt Weltbank und Welthungerhilfe Alarm schlagen, sagt uns doch jede Erfahrung, dass am Ende nur wieder eine Kombination aus dringend notwendiger Soforthilfe und fruchtlosen Konferenzen die Folge ist. Armut - und hier ist nicht von relativ kommoder mitteleuropäischer, sondern von bitterernster und lebensbedrohender Armut in weiten Teilen Afrikas, Asiens und Amerikas die Rede - begleitet uns seit Jahrzehnten. Ohne dass die Lage tatsächlich wesentlich besser geworden wäre. Trotz oder vielleicht auch wegen all der Konferenzen. Ein durchaus nachdenkenswertes Beispiel sind die ehrgeizigen und so gefeierten "Milleniumsziele" der Uno: Bis 2015 sollte die extreme Armut weltweit halbiert werden. Tatsächlich ist diese Quote von ehemals 28 Prozent der Weltbevölkerung auf nun 23 Prozent gesunken. Doch dieser Erfolg verdankt sich allein der Entwicklung in China, dem es in kurzer Zeit gelungen ist, mehrere hundert Millionen aus dieser Armut zu befreien - ohne jede "Entwicklungshilfe". Im südlichen Afrika stieg im gleichen Zeitraum die Quote der extremen Armut von 46 auf 50 Prozent - obwohl wir viele Millionen an Hilfe dorthin pumpen. Wie komplex und fast schon paradox das Problem der Armutsbekämpfung ist, zeigt ebenfalls die Rolle Chinas: Weil das Riesenreich inzwischen die Mittel hat, sein Milliardenvolk anständig zu ernähren, ist die chinesische Nachfrage auf dem Weltmarkt ein wesentlicher Faktor für die Preissteigerungen, die nun andernorts das Armutsproblem so verschärfen. Heute ist klar, dass die UN-Ziele Makulatur sind. Extreme Armut ist weltweit nicht auf dem Rückzug, sie steigt wieder. Wer wollte deshalb widersprechen, wenn nun der britische Premier Brown die Armut zum Thema des nächsten G8-Gipfels machen will. Aber vielleicht erinnert sich tatsächlich noch jemand daran, dass Angela Merkel dem Gipfel in Heiligendamm vor einem Jahr den "Schwerpunkt Armutsbekämpfung" verordnet hatte?

Quelle: Westdeutsche Zeitung (von Eberhard Fehre)

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