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Börsen-Zeitung: Reiner Zeitverlust

Archivmeldung vom 21.12.2011

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 21.12.2011 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Außer Spesen nichts gewesen, darf man getrost feststellen, nachdem AT&T die Übernahme von T-Mobile USA letztlich als aussichtsloses Unterfangen erkannt und begraben hat. Allerdings fällt die Spesenrechnung für die Amerikaner recht üppig aus. Sie büßen den Versuch, im US-Mobilfunkmarkt faktisch ein Duopol aus dem Boden zu stampfen, mit einem rund 5 Mrd. Dollar teuren Geschenk an den kleineren Wettbewerber.

Dennoch trifft der Rückzieher von AT&T die Telekom härter. Die Milliardengabe ist am Ende ein schwaches Trostpflaster für T-Mobile USA, deren Wettbewerbsposition während des monatelangen öffentlichen Gezerres um die Übernahme weiter geschwächt wurde, wie der Verlust von mehr als 800000 lukrativen Vertragskunden belegt. Die Chancen auf eine Aufholjagd aus eigener Kraft erscheinen daher auch mit frischen Ressourcen eher gering. Schlimmer noch: Anstelle eines lukrativen Exits aus dem US-Markt hat die Telekom nur kostbare Zeit verloren, die sie besser für die Suche nach alternativen Lösungen mit mehr Aussicht auf Erfolg verwendet hätte.

Denn der Verkauf von T-Mobile USA an AT&T stand von Anfang an auf tönernen Füßen. Das Hauptinteresse von AT&T galt den wertvollen Mobilfunkfrequenzen von T-Mobile, die dringend für den Ausbau des eigenen überlasteten Netzes gebraucht wurden. Aber warum die Behörden für die Allgemeinheit einen Vorteil erkennen sollten, wenn AT&T ihr Knappheitsproblem löst und nebenbei durch die Eliminierung eines Wettbewerbers noch an Marktmacht gewinnt, bleibt das Geheimnis der Unternehmen.

AT&T muss (und kann) sich die benötigten Ressourcen auf anderem Wege besorgen. Dieser dürfte allerdings weniger steinig sein als der, der der Telekom bevorsteht. Aus finanziellen Gründen hat sie einen dauerhaften Alleingang in den USA ausgeschlossen. Für jedwede Alternative hat sie nunmehr ein Asset, das an Wert verloren hat. Auch dafür gibt es zwar Optionen. So ist ein Schulterschluss mit kleineren Wettbewerbern denkbar, ein Verkauf an Finanzinvestoren oder ein strategischer Deal mit einem Kabelnetzbetreiber, der im Telekommarkt Fuß fassen möchte. Aber abgesehen davon, dass sich kein zweiter Käufer finden wird, der T-Mobile USA die astronomische Bewertung von 39 Mrd. Dollar zubilligt, wird eine neue "zweite Wahl" vermutlich auch nicht an das heranreichen, was im März vielleicht alternativ zu dem Deal mit AT&T zur Debatte stand. Manchmal ist eben das Zweitbeste erste Wahl.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots)

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