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Börsen-Zeitung: Unnötiger Stress

Archivmeldung vom 22.12.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 22.12.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Preisfrage: Sind deutsche Banken im schuldengeplagten Irland mit 113 Mrd. Euro engagiert oder mit überschaubaren 25 Mrd. Euro? Und ist der britische Finanzsektor der größte Gläubiger auf der Grünen Insel vor oder nur der zweitgrößte hinter dem deutschen Kreditgewerbe, jedenfalls wenn man von den 113 Mrd. Euro ausgeht? Sowohl als auch. Die Antwort hängt davon ab, ob man gerade auf Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Bundesbank oder des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgreift.

Es ist für jeden Bedarf etwas Passendes dabei. Fehlt nur noch, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und das Committee of European Banking Supervisors (CEBS) mit eigenen Schätzungen des deutschen Irland-Exposures irgendwo inner- oder auch außerhalb der bisher abgesteckten Spanne aufwarten.

Es ist nicht zu übersehen: Die für Bankenaufsicht bzw. für die Erhebung dieser Daten Verantwortlichen müssen dringend mal einem Stresstest unterzogen werden, und wenn sie ihre Performance nicht deutlich steigern, werden sie mit Pauken und Trompeten durchfallen. Im Ernst: Dass von der BIZ, von der Bundesbank, die in Irland für deutsche Banken maximal die besagten 25 Mrd. Euro im Feuer sieht (der größte Teil des Bruttobetrags soll auf insoweit irrelevante Zweckgesellschaften entfallen), und zuletzt wieder vom IWF derart widersprüchliche Zahlen in die Welt gesetzt werden, ist angesichts der möglichen Folgen etwa für Kreditwürdigkeit und Kurse der Banken ein Skandal. Wie es übrigens auch ein Ärgernis ist, wenn die Aufseher die Engagements ihrer Pappenheimer in Krisenstaaten nicht ohnehin en détail aus der laufenden Überwachung kennen.

Die Bankenkontrolleure sollten erst einmal ihre Hausaufgaben abarbeiten, statt das Kreditgewerbe demnächst mit einem neuen europaweiten Stresstest zu malträtieren. Wie sinnvoll solche Belastbarkeitsprüfungen nach der One-Size-Fits-All-Methode sind, hat man im Juli gesehen, als die beiden teilnehmenden irischen Banken die Prüfung bestanden. Da haben die Aufseher nicht mal beim groß angelegten Test das erfahren, was sie aufgrund der permanenten Kontrolle längst hätten wissen müssen. Wenn sie aber bei den routinemäßigen Prüfungen nicht merken, dass eine Bank stehend k.o. ist, dann ist eh fast alles zu spät und der europaweite Test nur unnötiger Stress für Beaufsichtigte wie für Aufseher.

Quelle: Börsen-Zeitung

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