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BERLINER MORGENPOST: Gleichberechtigung macht Lust auf Kinder

Archivmeldung vom 30.12.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 30.12.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Diese Nachricht geht ans Herz - und kommt im richtigen Moment. Das Lied vom Kind in der Krippe noch im Ohr, die strahlenden Gesichter der Sprösslinge im Weihnachtsglanz noch vor Augen, erfahren wir vom unerwarteten Babyboom in Deutschland. Ist Familie nun doch wieder angesagt? Zeigen die familienpolitischen Maßnahmen wie Elterngeld & Co Wirkung?

Oder handelt es sich um einen - zugegeben erfreulichen - Ausschnitt aus der Statistik, der einer detaillierten Analyse nicht standhält? Erstaunlich ist sie schon, die Trendwende, die die vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts anzeigen. Nach dem Negativrekord bei der Geburtenentwicklung im vergangenen Jahr könnte 2010 als Jahr mit dem größten Geburtenplus seit einem Jahrzehnt in die Annalen eingehen - vorausgesetzt, die Entwicklung der ersten drei Quartale bestätigt sich und hat von Oktober bis Dezember angehalten. Bemerkenswert ist die Zunahme des Babyglücks noch dazu - geht die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 15 und 45 Jahren in Deutschland doch eigentlich stetig zurück. Die moderne Medizin dürfte ihren Teil zum Kindersegen beitragen. Die Anzahl der Mehrlingsgeburten hat nach den neuesten Daten jedenfalls signifikant zugenommen, das Alter der Mütter in einigen Bundesländern auch. Die Medizin könnte mithilfe der künstlichen Befruchtung den Trend sogar weiter ankurbeln: Nach Daten des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung gibt es in Deutschland etwa zwei Millionen Erwachsene über 25, die sich Kinder oder noch mehr Kinder wünschen, deren Wunsch jedoch unerfüllt bleibt. Vielleicht kann auch die Politik einen Teil des Erfolgs beim Geburtenanstieg für sich verbuchen - weil sie familienpolitische Themen wieder stärker in den Fokus rückt und sich um familienfreundlichere Arbeitszeiten, bessere Betreuungsangebote und finanzielle Unterstützung für Eltern und Kinder bemüht. Denn wirtschaftliche Sicherheit und gesellschaftliche Anerkennung sind unbestritten wichtige Faktoren bei der Entscheidung für oder gegen Kinder. Doch letztendlich spielen die privaten Umstände die tragende Rolle. Und hier ist eine weitere Studie vom Berlin-Institut interessant - und ein Ansporn. Am meisten Kinder pro Frau werden in den westeuropäischen Staaten geboren, in denen Männer und Frauen weitgehend gleichberechtigt ihren Alltag leben, haben die Wissenschaftler herausgefunden. Emanzipation statt Kindergeld als Katalysator für mehr Nachwuchs also: Das ist eine Herausforderung für alle Paare, die kein Politiker, kein Chef, kein Arzt abnehmen kann. Lange dauert es in Deutschland, bis sich Frauen so selbstbestimmt fühlen, dass sie den Schritt der Familiengründung wagen. Dann sind sie eben auch mal 40, bis das erste Kind kommt. Doch auch den Männern kommt die Lust auf Familie immer später, oftmals nie. Das mag daran liegen, dass sie ebenfalls Schwierigkeiten haben, sich in ihrer Rolle als moderner Vater zu definieren oder sie sich überhaupt vorzustellen. Wenn noch mehr darüber debattiert würde, wäre die Aufgabe vielleicht leichter zu lösen - und schneller. Und der Anstieg der Geburtenrate könnte zu einem wirklichen Trend werden.

Quelle: BERLINER MORGENPOST

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