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BERLINER MORGENPOST: S-Bahn nicht zerschlagen

Freigeschaltet am 25.04.2019 um 06:04 durch Andre Ott

Der vollständige Kommentar: Konkurrenz belebt das Geschäft. Diese Binsenweisheit der Marktwirtschaft hat sich im Alltag vielfach bewährt. So gesehen scheint Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) jetzt alles richtig zu machen, wenn sie erreichen will, dass bei der Berliner S-Bahn künftig mehrere Anbieter tätig werden.

Skepsis an diesem Konzept, wie sie bei den Koalitionspartnern der Grünen laut wird, ist dennoch mehr als angebracht. Zuallererst, weil der Nahverkehr eben kein frei von Angebot und Nachfrage bestimmter Service ist, sondern Teil der urbanen Grundversorgung. Kein Mensch würde auf die Idee kommen, das Trinkwassernetz der Stadt in unterschiedliche Hände zu legen, damit sich die Wasserqualität verbessert. Auch das Berliner S-Bahn-Netz ist wegen seiner Besonderheiten ein Gesamtsystem, das nicht mutwillig zerschlagen werden darf. Genau das droht aber, wenn Senatorin Günther ihr Konzept umsetzt. Die von ihr vorbereitete Ausschreibung von Stadtbahn und Nord-Süd-Linien lässt bis zu neun Bieter-Konstellationen zu.

Im Extremfall könnte es bei der S-Bahn bis zu sechs unterschiedliche Unternehmen geben, die einerseits für die Bereitstellung der Züge, andererseits für den Fahrbetrieb zuständig sind. Experten warnen bereits vor vielen zusätzlichen Schnittstellen sowie einem Kompetenz-Wirrwarr. Vor allem, wenn im S-Bahn-Betrieb wieder einmal etwas nicht funktioniert, sind lange juristische Streitigkeiten absehbar. Keine Frage: Die Qualität des aktuellen S-Bahnangebots ist für viele Nutzer ungenügend. Verbesserungen sind dringend geboten. Die werden allerdings nicht mit einer in Europa bislang einmalig komplizierten und unübersichtlichen Ausschreibung erzielt. Notwendig ist vielmehr, rasch neue Züge für die S-Bahn zu bekommen sowie wirksame Sanktionen zu ergreifen, wenn der S-Bahn-Betreiber die Qualitätsvorgaben nicht erfüllt. Die Zerschlagung der Berliner S-Bahn ist ein Irrweg.

Quelle: BERLINER MORGENPOST (ots) von Thomas Fülling

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