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Schwäbische Zeitung: Wulff hat seinen Kredit aufgebraucht

Archivmeldung vom 21.12.2011

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 21.12.2011 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Christian Wulff hat die Herzen vieler Deutscher gewonnen als Mann von nebenan. Als unkomplizierter Politiker, als jüngster Präsident, den Deutschland je hatte. Mit seiner Patchwork-Familie steht er ganz persönlich auch für neue und höchst lebendige Lebensentwürfe, für die bunte Republik Deutschland, die er sich bei seinem Amtsantritt gewünscht hat. Doch längst wird es einigen zu bunt in Christian Wulffs Welt.

Gestern war wieder einmal ein unangenehmer Tag für den Bundespräsidenten. Immer neue Enthüllungen setzen ihn unter Druck, über jeden Zweifel erhaben ist er schon längst nicht mehr. Urlaub bei schillernden Geschäftsfreunden, ein zinsverbilligter Kredit, den er in seiner Position als Ministerpräsident gar nicht nötig hätte, die Finanzierung einer Werbekampagne für sein Buch.

Und doch: Es darf hier nicht um juristische Spitzfindigkeiten gehen, was genau ein Ministergesetz in Hannover an Krediten zulässt und was nicht, es sollte auch um das einfache Gefühl von Anstand gehen. Wie sehr kann man als Ministerpräsident Freundschaftsdienste annehmen, Vergünstigungen ausnutzen, ohne dabei seine Vorbildfunktion einzubüßen? Prüft man diese Fragen, so bleibt am Ende das Bild eines ehemaligen Provinzfürsten Wulff, der sich vielleicht zu sehr in der Nähe von Macht und Geld gesonnt hat. Der über sein Amt ein bisschen den Instinkt dafür verloren hat, was mit seinem Image vom netten Herrn von nebenan noch vereinbar ist und was nicht.

Und trotzdem: Viele kleine Sünden werden augenzwinkernd nachgesehen, wenn - ja, wenn - der Sünder zu seinen Fehltritten steht. Und wenn nicht täglich neue Erkenntnisse kommen.

Richtig ist, dass gegen Christian Wulff eine Boulevard-Zeitung mittlerweile fast eine Art von Kampagne führt. Tag für Tag häppchenweise neue Enthüllungen. Richtig ist aber auch: Für den Erhalt der Würde des Amtes ist nicht nur der Kritiker zuständig, sondern vor allem der Amtsinhaber selbst.

Quelle: Schwäbische Zeitung (ots)

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