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Übergangslösung

Archivmeldung vom 04.12.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 04.12.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott

Branchenkenntnis kann man Bernd Pischetsrieder nicht absprechen. Der 72-Jährige, der vom neu konstituierten Daimler-Aufsichtsrat nach der Hauptversammlung am 31. März an die Spitze des Gremiums gewählt werden dürfte, stand bis zur Jahrtausendwende gut sieben Jahre an der Spitze von BMW. Vier Jahre hielt er sich im Wolfsburger Haifischbecken als Vorstandsvorsitzender des VW-Konzerns, ehe ihn Ferdinand Piëch absägte - kurz nach seiner Vertragsverlängerung.

Doch qualifiziert ihn das als Oberaufseher von Daimler? Pischetsrieders Managementerfahrung liegt in der sich schnell wandelnden Branche eine halbe Ewigkeit zurück. Zur Einordnung: Der ehemalige Daimler-CEO Dieter Zetsche, der zunächst als Nachfolger von Aufsichtsratschef Manfred Bischoff vorgesehen war, übernahm 2006 die Führung in Stuttgart - im selben Jahr also, in dem Pischetsrieders Managementkarriere jäh beendet wurde.

Zetsche verzichtete letztlich auf die Kandidatur für den Aufsichtsrat, weil ihm von außen vorgeworfen wurde, seinem Nachfolger Ola Källenius zu viele Baustellen hinterlassen zu haben. Doch hat Pischetsrieder Zetsches Kurs im Aufsichtsrat seit 2014 begleitet. Ein Neuanfang ist mit ihm also genauso wenig zu haben.

Da er sich selten öffentlich äußert, ist zudem unklar, wie der künftige Sparringspartner von Källenius den technologischen Wandel selbst einschätzt. In einem der wenigen Interviews vor knapp einem Jahr ließ Pischetsrieder zumindest durchblicken, dass er eine Branchenrevolution wie im Mobilfunk mit der Ankunft des iPhones nicht fürchtet. Die Ausgangslage sei eine gänzlich andere.

Der Daimler-Vorstand scheint davon weniger überzeugt. Källenius drückt bei der Transformation aufs Tempo und eckt damit auch beim Betriebsrat an. Die Sorge des Daimler-Chefs ist nicht nur, dass Tesla mit der E-Mobilität im Vorteil ist. Vor allem bei der Software macht er einen Rückstand aus und setzt auf die Expertise und Innovationskraft von Chip-Partner Nvidia.

Gerade vor dem Hintergrund der Herausforderungen der kommenden Jahre ist Pischetsrieders stark in der alten Automobilindustrie verhaftete Vita eher eine Bürde denn ein Prädikat. Monate nachdem Zetsche erklärt hat, nicht als Aufsichtsratschef zur Verfügung zu stehen, zeigt sich, dass Daimler keinen Plan B hatte. Pischetsrieder ist wohl der kleinste gemeinsame Nenner - statt eines Generationswechsels kommt eine Übergangslösung. Zu wenig angesichts der Herausforderungen.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Sebastian Schmid

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