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Sprechen Sie KPI?

Archivmeldung vom 02.03.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 02.03.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić

Sprich mit mir, liebe grüne Zahl, was willst Du mir sagen? Die viel beschworene Transformation der Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit ist, zumindest in Verlautbarungen diverser Akteure, eine ausgemachte Sache. Der Finanzbranche wird bei der Bewertung und Verteilung von Kapital eine zentrale Rolle zugeschrieben. Gehen die ambitionierten Pläne der EU auf, wird das neue Klassifizierungssystem, bekannt als Taxonomie, weitere Kennziffern generieren.

Verschiedene Key Performance Indicators (KPI) klären darüber auf, für welche Geschäftsfelder Banken­, Fondsadressen und Versicherer ihre Mittel konkret eingesetzt haben. Den Auftakt machen klimarelevante Angaben, weitere Umweltziele sowie Sozialaspekte und Kriterien der Unternehmensführung dürften später folgen.

Doch was sagt der ermittelte Anteil der Geschäftsfelder, die mit der Taxonomie übereinstimmen, konkret aus? Als Maß für Rendite und Risiko taugen die Kennziffern jedenfalls nicht viel, denn über Erfolg und Aussichten von Unternehmen oder über Verlustrisiken schweigen sich eine "Green Asset Ratio", eine "Capex KPI" und andere Ziffern aus. Auch als Gradmesser für den ethischen Kompass einer Bank, eines Fonds oder einer Versicherung taugt die Zahl nur bedingt, denn auch in Geschäftsfeldern jenseits der Taxonomie sind nachhaltig orientierte, kritische Geldgeber gefragt, während ein Investment in grüne Wirtschaftszweige noch lange keine Wirkung belegt. Was bleibt, ist mehr Transparenz über die konkrete Verwendung der Mittel und Vermögen. Ob sich der Aufwand dafür tatsächlich lohnt?

Viel hängt davon ab, welche Botschaft die Investoren den Zahlen tatsächlich beimessen. Die Chance liegt darin, dass mehr Transparenz zur Nachhaltigkeit grundsätzlich dazu führt, dass sich Geldgeber genauso wie die Unternehmen, die im Rahmen der Taxonomie berichten, über die Wirkung ihres Tuns Gedanken machen. Damit wäre viel gewonnen. Doch zugleich besteht die Gefahr, dass die neuen Zahlen von vielen Anlegern falsch verstanden werden. Wenn etwa im Verkauf von Finanzprodukten ein Wettlauf um hohe Taxonomiequoten einsetzt, weil Anleger die Zahl als präzisen Gradmesser von Gewinnchancen oder Nachhaltigkeit fehldeuten, dann sind Enttäuschungen programmiert. Dem Ziel der Nachhaltigkeit wäre damit ein Bärendienst erwiesen.

Vielleicht werden irgendwann die Beipackzettel für Finanzprodukte und die Vorgaben für den Vertrieb um eine Facette reicher sein: um eine Übersetzungshilfe für die Kennziffern der Taxonomie.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots)  von Jan Schrader

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