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Notlösung:Übernahmekampf um Zooplus

Archivmeldung vom 26.10.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 26.10.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić

Wenn du deinen Feind nicht besiegen kannst, verbünde dich mit ihm! Getreu diesem Motto gehen im Übernahmekampf um Zooplus die Rivalen Hellman & Friedman (H&F) und EQT ein Zweckbündnis ein, welches einer Notlösung gleicht. Denn die Finanzinvestoren sind in dem wochenlangen Bieterwettstreit um den Online-Tierbedarfshändler in eine Pattsituation geraten, in die sie sich selbst mit überbordenden Gegenofferten hineinmanövriert haben.

Als beide Bieter mit ihren Angebotspreisen gleich lagen, setzten sie sich dem Risiko aus, trotz des Aufwands leer auszugehen. Denn bei gleich hohen Offerten dürfte es den Aktionären schwerfallen zu entscheiden, wem sie ihre Anteile andienen. Für die kalifornische Private-Equity-Gesellschaft und den schwedischen Wettbewerber wurde die Hürde einer Mindestannahmequote von 50 Prozent plus einer Aktie unter diesen Gegebenheiten nahezu unerreichbar. Ohne einen Kompromiss wären beide aus der für sie misslichen Lage nicht herausgekommen.

Das Vorgehen der Finanzinvestoren in der Causa Zooplus ist ungewöhnlich. Beteiligungsgesellschaften tun sich mitunter vor einem öffentlichen Angebot zu einem Bieterkonsortium zusammen, um auch das Risiko lang anhaltender Kämpfe um das Objekt zu reduzieren. Im Fall von Zooplus verzichtete man darauf. Offensichtlich schätzten die Beteiligten ihre Chancen als gut genug ein, andere überbieten zu können. Das erwies sich als irrtümliche Annahme. Hätten sich H&F und EQT schon früher verständigt, wäre das Bietergefecht für sie nicht so teuer ausgefallen.

Als lachende Dritte können sich nun die Aktionäre freuen, winkt ihnen doch ein satter Zugewinn. Wer Anfang dieses Jahres die Zooplus-Titel an der Börse erwarb, hat seinen Einsatz fast verdreifacht.

Sollten H&F und EQT nun gemeinsam im Rahmen der Annahmefrist zum Zuge kommen, können sie in der neuen Konstellation als Zooplus-Eigentümer immerhin das wirtschaftliche Risiko teilen. Denn die 3,7 Mrd. Euro, mit denen sie Zooplus bewerten, gleichen einem Mondpreis. Die Summe entspricht nahezu dem 60-Fachen des operativen Jahresergebnisses. Beide Häuser brauchen viel Geduld, damit sich der Einsatz auszahlt. Unter dem Anlagedruck trieb H&F und EQT die Gier, bei Zooplus zuzugreifen. Mit ihrem digitalisierten Geschäftsmodell bietet die Firma bei weiterer Expansion die Chance, in der Branche international ganz vorn mitzuspielen. "The winner takes it all", mögen die Finanzinvestoren hoffen. Bis dahin müssen sie aber noch viel Geld für Investitionen ins Wachstum nachschießen.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Stefan Kroneck

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